Wer zu früh kommt, kommt zu spät

27. November 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (87) iPhone & iPad sind – dank „AirPlay“ – zu eleganten, drahtlosen Miniatur-Musiktruhen mutiert.

Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Dieser Satz, den Michail Sergejewitsch Gorbatschow so nie gesagt hat, traf nicht nur den DDR-Despoten Erich Honecker und seine Reichsverweser ins Herz. Er gilt auch – und erst recht – unter strikt kapitalistischen Rahmenbedingungen.

Jedenfalls musste ich daran denken, als ich dieser Tage zwei Päckchen schnürte und an den Absender zurücksandte. Ihr Inhalt: „Streaming Devices“, also Schnittstellen für die kabellose Übertragung von Musik. Vom Laptop an eine Stereoanlage z.B.; das ständige An- und Abstöpseln irgendwelcher Kabel zählt ja nicht gerade zur Lieblingsbeschäftigung des durchschnittlichen Pop-, Klassik- oder Jazz-Fans. Dabei hatte ich beide Kästchen auf ihre Weise als hinreichend brauchbar, ja gut empfunden.

Der „Bluetooth Music Receiver“ des Zubehör-Herstellers Belkin etwa ist klein, kostengünstig und leicht in Betrieb zu nehmen. Den Nachteil, gelegentliche Aussetzer zu produzieren (etwa wenn dem Musikempfang eine andere Bluetooth-Quelle in die Quere kommt), nimmt man dafür mit leisem Murren in Kauf.

Die „Squeezebox Touch“ von Logitech ist da ein weit stabileres und ausgeklügelteres System. Mit berührungsempfindlichen Display, LAN- und WLAN-tauglich und stressfrei ins Heim-Computernetz einzubinden. Auch der Klang verdient ein Extra-Lob. Noch vor wenigen Wochen hätte ich, sieht man von deutlich teureren HiFi-Komponenten ab, genau dieses Produkt Freunden als „State of the Art“ anempfohlen.

Nun aber hielt – ich berichtete schon vergangene Woche darüber – das ominöse schwarze „Apple TV“-Kästchen Einzug in den Haushalt. Ich missbrauche es zumeist als Audio-Übertrager, das (noch überschaubare) Online-Video-Angebot ist nur eine hübsche Zugabe. Apple hat nachgerüstet und das Betriebssystem iOS zur Version 4.2.1 aufgebohrt; damit werden alle iPhones, iPod Touch-Player und vor allem das iPad im Kombination mit dem Streaming-Gegenstück zur ultimativ eleganten Miniatur-Musiktruhe.

Ich kann nur raten: vergessen Sie alles, wo man die Dinger hinein-, an- und abstecken muss. Das war gestern. Die Stereoanlage der Zuk-, pardon, Gegenwart kennt keine Chinch-Kabel mehr (jedenfalls keine, die zur Sound-Quelle führen). Und auch keine Extra-Fernbedienung. HiFi-Grössen wie Marantz, Denon, Onkyo und Co. springen gerade auf den rasant losrollenden Zug auf. Natürlich ist’s, wie bei Apple üblich, nur im geschlossenen System („iTunes“, „AirPlay“) zu betreiben und hat für audiophile Gemüter noch reichlich Luft nach oben. Und via „Airport Express“ geht es allein mit Audio-Signalen noch eine Spur billiger.

Aber Logitech, Belkin & Co. sehen plötzlich alt aus. Und werden wohl vom Markt, den Apple derzeit fast nach Belieben dominiert, abgestraft. Obwohl sie doch eigentlich nicht als Zu-spät-Kommer gelten dürfen. Im Gegenteil.

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Eine Antwort to “Wer zu früh kommt, kommt zu spät”

  1. G.Gallian Says:

    MICROMEGA „Airstream“ beherrscht „Airplay“ als einziges Gerät am Markt schon JETZT!!!

    LG


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