Hausverstand

18. Dezember 2010

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (90) Die Isolierung von Haus & Heim mittels Wärmebildkamera zu prüfen liegt im Trend. Bringt’s was?

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr… In der kalten Jahreszeit wäre ja durchaus das beschauliche Studium von Rilke-Gedichten angesagt, würde nicht der Häuslbauer in uns (der steckt ja, Hinterholz 8 lässt grüssen, in jedem Österreicher) von anderen Sorgen geplagt. Etwa jener, ob die Isolierung des Eigenheims hält, was sie verspricht. Das kann, je nach Güte, am Ende der Heizsaison ein paar hundert oder gar tausend Euro mehr oder weniger ausmachen im Geldbörsel. Schlechte Wärmedämmung verbrennt die Kohle quasi doppelt so schnell. Das sollte sich schon herumgesprochen haben.

Für jene, die’s genau nachprüfen wollen, gibt es klare Hinweise. So ist etwa die Erstellung eines „Energieausweises“ beim Verkauf, Um- oder Neubau eines Hauses landesweit Pflicht, geregelt durch die Önorm H5055 und unterteilt in Heizwärmebedarfskategorien von A++ (Passivhäuser) bis G (alte, unsanierte Gebäude). Wenn man das Papier zu lesen versteht, erfährt man einiges über Ökologie und Ökonomie im Immobilienbereich. Weil aber Anschaulichkeit Trumpf ist, kann es auch nicht schaden, den Trend zu Wärmebild-Aufnahmen der eigenen vier Wände mitzumachen. Oder doch?

Leicht stutzig wird man ja schon, wenn einem eine kühle technische Entscheidungshilfe angedient wird wie warme Semmeln: „Aufgrund der enormen Nachfrage im Vorjahr auch heuer wieder! Jetzt zum Sensationspreis von nur 99 Euro! Mit Geld-zurück-Garantie!“ Dass hinter derlei marktschreierischem Aktionismus BauMax, Wüstenrot und das Lebensministerium (eigentlich: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft) stehen, lässt die Skepsis auch nicht umgehend gen Null tendieren.

Also hurtig weitere Erkundigungen eingezogen. Nun: die Bilder, die mit speziellen Wärmebildkameras nur unter bestimmten Voraussetzungen und Witterungsbedingungen gemacht werden können, erinnern an psychedelische Kunstwerke. Für sich allein sind sie nur bedingt aussagekräftig. Die Aufnahmen bedürfen der Auswertung und Interpretation durch Fachleute – die ist allerdings im Preis nicht inbegriffen. Oder sagen wir so: wenn Sie schon Beratern die Tür öffnen (die Thermografien werden zumeist persönlich übergeben), dann wird man ja wohl nachfragen dürfen. Nein: müssen. Da es sich nicht um angewandten Altruismus handelt und zudem ein „Sanierer-Bonus“ ins Spiel gebracht wird, will man Ihnen in Folge ja das eine oder andere verkaufen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: das muß nicht negativ sein. Im Gegenteil. Geld statt ins Sparschwein in Wärmedämmung und Sanierungsmaßnahmen zu stecken, könnte der erste kluge Vorsatz für 2011 sein.

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