Archive for Januar, 2011

E-Eigenimport

29. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (95) Was soll die Vision vom Elektroauto, wenn nicht mal Elektromopeds zu kriegen sind?

Was ist nun mit dem Elektroauto? Diese Frage drängt sich auf, wenn man wahrnimmt, dass die seit Jahr’ und Tag gross angekündigte, viel gepriesene Zukunftshoffnung der Automobilbranche im Alltag eigentlich nicht wahrzunehmen ist. Sieht man, strikt subjektiv, von einem Wägelchen ab, das – offensichtlich zu Werbezwecken – demonstrativ an der Steckdose eines „Merkur“-Supermarkts gleich um die Ecke hängt. Fahren habe ich es noch nie sehen. Auch sonst spielt die Spezies „E-Mobil“ im Strassenbild meiner engeren und weiteren Umgebung keine Rolle.

Und das ist schade. Denn wie sollen sich so konsumentenseitig Erfahrungswerte, Gewöhnungsphasen und Kaufanreize ergeben? Okay, allerlei Probleme sind ungelöst – von der Einführung eines Normsteckers für Stromtankstellen bis hin zur Batterieentsorgung am Ende des Lebenszyklus. Experten warnen sowieso davor, das Elektromobil als Wunderwaffe im Kampf gegen Umweltverschmutzung, Co2-Emissionen und Ölabhängigkeit zu betrachten.

Aber man war doch geneigt (und ist es immer noch), der Autoindustrie nach den drastischen Absatzeinbrüchen der letzten Wirtschaftskrise ein Innovations-Feuerwerk zu unterstellen. Allein: es lässt auf sich warten. Ein Porsche 918 Spyder mit V8-Verbrennungsmaschine und zusätzlichen Elektromotoren, den man jetzt in (Klein-)Serienfertigung schickt, ist ja ganz hübsch. Aber leider auch absehbar eine halbe Million Euro teuer.

Da greift man lieber zum Spatz in der Hand als zur Kybernetik-Taube auf dem Villendach. Von mir aus tun’s auch zwei Räder. Sofern sie ohne Auspuff auskommen. Googlen Sie einfach „Yamaha EC-03“, und vor Ihren Augen wird ein wirklich schickes, leichtgewichtiges Elektro-Mofa erscheinen. Das mittels Lithium-Ionen-Batterie 46 Kilometer Reichweite schafft. Und von seinem Hersteller als „neues Kapitel in Sachen urbaner Mobilität“ angepriesen wird. Supersache. Ich habe gleich ein Testexemplar geordert. Und umgehend eine Absage erhalten. Leider sei der Elektroroller nur als Messe-Schaustück verfügbar, teilte der Yamaha-Pressesprecher mit, und werde in Österreich voraussichtlich 2011 nicht auf den Markt kommen.

Tja. Vielleicht können sich ja geschäftstüchtige Leserinnen und Leser zwischenzeitlich um Ersatz kümmern. Ein Tipp: in Frankreich fährt seit Jahren ein „eSolex“ benanntes Pininfarina-Designerstück herum. Ich bitte sehr darum, das Elektromoped zu importieren. Es wird garantiert ein Renner. Ein Exemplar nehme ich ab. Gratis. Als Vermittlungsprovision für den Fingerzeig. Fair, oder?

P.S.: Das Automobil wird dieser Tage 125 Jahre alt. Alles begann mit dem Benz Motorwagen (okay, die Österreicher sehen das vielleicht anders, haben sie doch Siegfried Marcus‘ Droschke im Technischen Museum stehen), der mehr einer Kutsche ohne Pferde glich als einem heutigen Entwurf. Zwischenzeitlich hat sich nicht gerade wenig getan (ich empfehle in diesem Zusammenhang zum Nachblätten das aktuelle Sonderheft von „Auto Motor und Sport“). Aber eventuell noch nicht genug, um die nächsten 125 Jahre entspannt zu antizipieren. Schliesslich war man auch in Sachen Elektroauto schon vor hundert Jahren nicht inaktiv.

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Winterschlaflosigkeit

22. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (94) Ein Blick auf das Anschlussfeld eines modernen AV-Receivers zeugt Staunen und Ratlosigkeit.

Allmählich erwacht Österreich wieder aus dem Winterschlaf, der das Land und seine Bevölkerung traditionell zwischen Anfang Dezember und Mitte Jänner lahmzulegen scheint. Ich weiss schon: Weihnachten, Neujahr, Punschhütten-Nachwirkungen und Kälte-Depression. Und man muß sich ja auch innerlich auf die nächsten Ferien vorbereiten.

Ich selbst kann dagegen nicht von einer wirklich stillen Zeit berichten. Was wahrscheinlich auch daran liegt, dass ich knapp vor Silvester ein akut wirksames Gegengift gegen strukturelle Trägheit erworben habe. In Form eines ca. 12 Kilo schweren Elektronik-Pakets, das auf den wenig anheimelnden Namen Onkyo TX-SR608E hört. Und mich seitdem mächtig auf Trab hält. So sehr, dass ich mittlerweile eine Frage an die Menschheit richten möchte (eventuell vor der nächsten UN-Vollversammlung oder dem Beirat für Menschenrechte, so man mich dort zulässt): gibt es Komplizierteres, Enervierenderes, Zeitraubenderes als die Verkabelung und Inbetriebnahme eines AV-Heimkino-Receivers?

Ich meine nicht das simple Ein- und Ausschalten. Das beherrsche ich zwischenzeitlich (obwohl die Fernbedienung auch eigenen Gesetzmässigkeiten folgt, die der kruden Logik eines japanischen Entwicklungslabors entspringen). Sondern die souveräne Ausschöpfung all der Möglichkeiten, Features und technischen Details, die solch eine prall ausgestattete 7.2-Surround-Schatztruhe („Wir bezeichnen ihn noch als Einstiegs-Receiver“, so die Onkyo-Produktinfo) bietet, von Raumeinmessung per mitgeliefertem Mikrofon über HDMI Video Upscaling mittels eigenem Faroudja-Signalprozessor bis hin zu Tonmodellierung durch einen 32 Bit-DSP-Chip. Eventuell kann das Ding auch Marmeladewaffeln backen, aber ich habe es noch nicht herausgefunden. Das Lesezeichen steckt aktuell auf Seite 25 der 73-seitigen Gebrauchsanleitung. Damit wäre zumindest das Kapitel „Grundlegende Bedienung“ mal geschafft.

Meine Freundin, im Winterschlaf von Schlepp-Geräuschen, halblauten Flüchen und erstaunten „Ahs“ und „Ohs“ meinerseits gestört, hat mich mittlerweile für gaga erklärt. Denn ich habe, weil mir die Nutzung der CD- und Plattenspieler-Anschlüsse per AV-Receiver – man muss nur die „Zone 2“-Beschallung aktivieren, tunlichst im „Pure Audio“-Modus, aber das ist auch eine Wissenschaft für sich – einfach zu umständlich erscheint, noch ein Elektronik-Trumm im TV-Schrank placiert. Einen schlichten Stereo-Verstärker von Yamaha. Ohne irgendwelchen Schnickschnack. Damit klingen die ebenfalls neuen Boxen (PSB Imagine T, darüber wird noch extra zu berichten sein) ganz vorzüglich. Fernsehen tu’ ich eigentlich eh fast nie.

ClosedSpace

15. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (93) „MySpace“ zeigt, wie schnell es im Web 2.0 auch wieder abwärts gehen kann.

Gelegentlich trudeln Einladungen in mein Elektropostfach – „XY hat Dich bei MySpace als Freund angegeben. Annehmen / Ignorieren.“ Abgesehen davon, dass es mal einer gründlichen Diskussion des Begriffs „Freund“ bedarf – das gilt auch für die inzwischen alles dominierende Plattform Facebook –, ignoriere ich derlei Depeschen tatsächlich mehr und mehr. Schlimmer noch: ich nehme sie gar nicht mehr richtig wahr. Das Passwort ist längst vergessen. Der Impetus zu schwach. Und das, obwohl MySpace unverkennbar sein Design verändert hat – und zwar zum Guten. Aus einem grafisch ungelenken Schriftzug mit „Mensch ärgere Dich nicht“-Spielfiguren wurde ein fast schon avantgardistisches „my (Leerraum)“. Eine Klammer, die uns wohl symbolisieren will, dass von da an alles möglich ist.

In der Realität ist aber immer weniger möglich. Zumindest für MySpace. Das einst grösste Online-Netzwerk der Welt gerät zunehmenden in die Schlagzeilen. Das Unternehmen stehe „vor dem Kahlschlag“, wie es dieser Tage eine Presseagentur drastisch formulierte, gefolgt von: „Konzernmutter News Corp greift nach Relaunch durch.“ Fakt ist, dass Eigentümer Rupert Murdoch die Hälfte der 1100 Mitarbeiter entlassen hat oder noch entlassen will. Dabei hatte MySpace erst im Vorjahr die Zahl der Beschäftigten um knapp ein Drittel gekürzt. Im Reich des Medienmagnaten gilt das einst stolze Social Media-Flaggschiff mittlerweile als Problemfall. Die Verluste – Murdoch hatte MySpace anno 2005 um 580 Millionen Dollar gekauft, bis Juni 2010 hat man allein 100 Millionen Dollar Minus eingefahren – seien „weder akzeptabel noch tragbar“, wie Geschäftsführer Mike Jones zähneknirschend eingestand. Sogar über eine mögliche Schliessung noch vor Sommer 2011 wird spekuliert.

Kurios: noch vor drei, vier Jahren war MySpace das Aushängeschild und heisseste Asset der Web 2.0-Community. Insbesondere für MusikerInnen und Bands schien es fast unabdingbar, einen Account anzulegen und als elektronische Visitenkarte zu nutzen. Die Funktionalität zählte, das (meist) grottige Drumherum und die fehlende Dynamik der Plattform nahm man mit einem Achselzucken zur Kenntnis. Bis Besseres, Schickeres, Überzeugenderes nachkam – von Facebook bis SoundCloud. MySpace geriet aus der Mode. So rasch kann’s gehen.

Der entscheidende Faktor ist ein Problem, an dem wohl die meisten von uns leiden: das begrenzte Zeit-Budget. So gesehen bin ich mal neugierig, wie es mit Xing weitergeht. Oder mit LinkedIn. Oder der löblichen Facebook-Alternative Diaspora. Auch da trudeln ständig Einladungen ein. Die Antworten lassen auf sich warten. Eventuell bis zum Sank-Nimmerleins-Tag.

Der rote Punkt

8. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (92) Fotografie: nicht immer sind es technische Bestwerte, die uns begeistern. Oft geht es um Handfesteres.

Es ist in der Tat ein ganz eigenes Gefühl, eine Leica in Händen zu halten. Der deutsche Kamerahersteller, der mittlerweile einer österreichischen Investorenfamilie gehört, gilt als feinste Adresse, wenn es sich um Optik und Fotografie dreht. In der schmalen, dafür umso wertigeren, um nicht zu sagen: wertkonservativen Produktpalette ist die V-Lux 2 am unteren Preisende angesiedelt. Und trotzdem hat es mir diese relativ zierliche „Bridge-Kamera“ – Klassenmerkmal: Fixobjektive mit grossem Zoom-Bereich – angetan. Nicht, weil das Lica-Signet Neider vermuten liesse, ich hätte im Lotto gewonnen. Sondern weil mir das Modell äusserst probat erscheint, um einmal nachzuforschen, was anno 2011 Stand der Technik ist.

Die Sache ist die: ich besitze seit etwa fünf Jahren eine Panasonic Lumix DMC-FZ30. Das ist eine verdammt lange Zeitspanne in einem sehr schnellebigen Markt, in dem es vor Superlativen, Wortgeklingel und tatsächlichen Neuerungen nur so wimmelt. Ich war und bin mit der Kamera sehr zufrieden, sie ist ein robustes Alltags-Arbeitstier. Aber eben keine Leica. Nun muss man in diesem Kontext wissen, dass es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem japanischen Foto-Giganten und der deutschen Edel-Manufaktur gibt. Einige Kameras im Brot- und Butter-Segment sind sowohl als Panasonic-Modell oder – weitgehend baugleich, aber deutlich teurer – als Luxusausführung mit kreisrundem roten Logo erhältlich. In gewisser Weise ist meine alte Kamera also ein Vor-Vor-Vorgängermodell der V-Lux 2. Aktuell entspricht ihr die Lumix DMC-FZ100.

Beide Kameras können einiges. Besonders der Mega-Zoom mit 24facher Vergrösserung (das entspricht einem Kleinbild-Brennweitenbereich von 25 bis 600 Millimeter) beeindruckt, die Geschwindigkeit von 11 Bildern pro Sekunde ebenfalls. Full-HD-Video, 14 Megapixel Auflösung und ein dreh- und schwenkbares Display sind sowieso State of the Art.

Meine Panasonic sieht daneben doch etwas in die Jahre gekommen aus. Aber, und dieses Aber wiegt schwer: sie fühlt sich besser an. Ist massiver (und, ja, grösser), besser greifbar – und weniger Plastik-armiert. Der kleine Monitor, die lachhafte Auflösung, der halbe Zoom-Faktor, die fehlende Video-Option: geschenkt. Die Haptik des B-Klassen-Oldies besteht den Test. Und, eventuell ist das ja der entscheidende Faktor: die Fotos sind im Normalfall um keinen Deut schlechter. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass das Objektiv schon damals von Leica gebaut wurde.

Fromme Wünsche

1. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (91) Technik-Afficionados haben anno 2011 kaum mehr Wünsche offen – oder etwa doch?

Diese Kolumne sitzt ein wenig zwischen den Stühlen – geschrieben wurde sie noch im alten Jahr, erscheinen tut sie im neuen. Immerhin erklärt sich somit, warum ihr Autor dem jahreszeitlich bedingten Brauchtum anhängt und hierorts ungeniert eine Liste von guten Vorsätzen deponiert. Nicht für den Eigengebrauch, wohlgemerkt. Es sind auch keine utopischen Forderungen nach Weltfrieden, Steuersenkungen oder ewigwährend Hundstrümmerl-Absenz – es handelt sich um Topics, die unser aller Leben entschieden verbessern würden. Wiewohl sie nur klitzekleine Wünsche, Vorschläge und Randanmerkungen beinhalten.

Erstens: Hersteller von Laptops, Notebooks, iPads und sonstigen batteriebetriebenen Elektronik-Trümmern mögen sich anno 2011 endlich dazu durchringen, die Laufzeiten ihrer Produkte nicht unter Laborbedingungen, sondern im Alltag zu testen. Und sich, so sie denn meinen, sensationelle Werte jenseits 8 Stunden und mehr in ihren Werbebotschaften verantworten zu können, daran gewöhnen, dass man sie beim Wort nimmt. Es nervt, bei Duchschnittsgebrauch alle zwei, drei Stunden eine Steckdose suchen zu müssen. Und zwar gewaltig.

Zweitens sollen sich gleich die Autohersteller und -Händler daran ein Beispiel nehmen. Die Verbrauchsangaben in den bunten Prospekten haben bekanntermassen mit der Realität wenig zu tun. Das Benzingegurgel wird jetzt ja noch teurer, und vermeintliche Spritwunder entpuppen sich zumeist als fahrende 08/15-Sparbüchsen. Natürlich haben wir das als aufgeklärte Konsumenten verinnerlicht – wozu dann aber die Münchhausen-Strategie?

Drittens könnten, bitt’schön, in diesem Kontext gleich alle G’schichtldrucker und Nebenerwerbs-Propagandaminister von der Bildfläche verschwinden, die uns weismachen wollen, dass immer alles billiger, besser, schöner, glücklichmachender wird. Hochauflösendes Fernsehen z.B. ist jedenfalls noch, hm, deutlich verbesserungswürdig.

Viertens möge endlich jemand den ORF- und Privat-TV-Heinis sagen, dass ihre Seher auch Ohren haben. Die Lautstärkeunterschiede zwischen Programm und Werbeblock sind, gelinde gesagt, himmelschreiend. Dabei ist der Limiter schon erfunden. Fünftens wäre ich für ein weltweit verwendbares Norm-Netzteil für Kleinelektronik dankbar. Oder universell passende Anschlüsse für Stecker, Stöpsel, Kabel, Verbindungen aller Art. Oder… Okay, dann doch den Weltfrieden bitte.

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