Fromme Wünsche

1. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (91) Technik-Afficionados haben anno 2011 kaum mehr Wünsche offen – oder etwa doch?

Diese Kolumne sitzt ein wenig zwischen den Stühlen – geschrieben wurde sie noch im alten Jahr, erscheinen tut sie im neuen. Immerhin erklärt sich somit, warum ihr Autor dem jahreszeitlich bedingten Brauchtum anhängt und hierorts ungeniert eine Liste von guten Vorsätzen deponiert. Nicht für den Eigengebrauch, wohlgemerkt. Es sind auch keine utopischen Forderungen nach Weltfrieden, Steuersenkungen oder ewigwährend Hundstrümmerl-Absenz – es handelt sich um Topics, die unser aller Leben entschieden verbessern würden. Wiewohl sie nur klitzekleine Wünsche, Vorschläge und Randanmerkungen beinhalten.

Erstens: Hersteller von Laptops, Notebooks, iPads und sonstigen batteriebetriebenen Elektronik-Trümmern mögen sich anno 2011 endlich dazu durchringen, die Laufzeiten ihrer Produkte nicht unter Laborbedingungen, sondern im Alltag zu testen. Und sich, so sie denn meinen, sensationelle Werte jenseits 8 Stunden und mehr in ihren Werbebotschaften verantworten zu können, daran gewöhnen, dass man sie beim Wort nimmt. Es nervt, bei Duchschnittsgebrauch alle zwei, drei Stunden eine Steckdose suchen zu müssen. Und zwar gewaltig.

Zweitens sollen sich gleich die Autohersteller und -Händler daran ein Beispiel nehmen. Die Verbrauchsangaben in den bunten Prospekten haben bekanntermassen mit der Realität wenig zu tun. Das Benzingegurgel wird jetzt ja noch teurer, und vermeintliche Spritwunder entpuppen sich zumeist als fahrende 08/15-Sparbüchsen. Natürlich haben wir das als aufgeklärte Konsumenten verinnerlicht – wozu dann aber die Münchhausen-Strategie?

Drittens könnten, bitt’schön, in diesem Kontext gleich alle G’schichtldrucker und Nebenerwerbs-Propagandaminister von der Bildfläche verschwinden, die uns weismachen wollen, dass immer alles billiger, besser, schöner, glücklichmachender wird. Hochauflösendes Fernsehen z.B. ist jedenfalls noch, hm, deutlich verbesserungswürdig.

Viertens möge endlich jemand den ORF- und Privat-TV-Heinis sagen, dass ihre Seher auch Ohren haben. Die Lautstärkeunterschiede zwischen Programm und Werbeblock sind, gelinde gesagt, himmelschreiend. Dabei ist der Limiter schon erfunden. Fünftens wäre ich für ein weltweit verwendbares Norm-Netzteil für Kleinelektronik dankbar. Oder universell passende Anschlüsse für Stecker, Stöpsel, Kabel, Verbindungen aller Art. Oder… Okay, dann doch den Weltfrieden bitte.

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4 Antworten to “Fromme Wünsche”

  1. lorenzszabo Says:

    Dem kann man null hinzufügen und nur nicken… Prosit Neujahr!

  2. Der den Limiter sucht Says:

    Gibt’s diesen (TV-)Limiter auch für PC/Laptop (DVBT)?

    Glauben die Werbe-Heinis wirklich, ich kaufe mir ihren unnötigen Mist eher, wenn er nervig brüllend angepriesen wird? Das einzige, was diese dämlich laute Werbung bewirkt, ist, dass ich, selbst wenn ich beim Fernsehen eingebüselt bin, aufwache und genervt rasch den Sender wechsle.
    Wenn die Lautstärke sinnvollerweise nicht erhöht würde, bekäme ich vielleicht wenigstens unbewusst etwas von der Werbe-Message mit, aber bitte, wer glaubt, er kommt mit der Hozhammer-Methode weiter …


  3. […] – Vorschläge für Verbesserungsmöglichkeiten entgegen. Nur her damit! So eine kleine Kolumne entwickelt oft mehr Hebelwirkung, als man meint. Gefällt mir:LikeSei der Erste, dem dieser post […]


  4. […] Gemüter glauben die Angaben, die in den bunten Prospekten der Hersteller nachzulesen sind. Das beginnt beim weltfremden Minimal-Durchschnittsverbrauch und endet bei Emissions-Grenzwerten, die von […]


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