Der rote Punkt

8. Januar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (92) Fotografie: nicht immer sind es technische Bestwerte, die uns begeistern. Oft geht es um Handfesteres.

Es ist in der Tat ein ganz eigenes Gefühl, eine Leica in Händen zu halten. Der deutsche Kamerahersteller, der mittlerweile einer österreichischen Investorenfamilie gehört, gilt als feinste Adresse, wenn es sich um Optik und Fotografie dreht. In der schmalen, dafür umso wertigeren, um nicht zu sagen: wertkonservativen Produktpalette ist die V-Lux 2 am unteren Preisende angesiedelt. Und trotzdem hat es mir diese relativ zierliche „Bridge-Kamera“ – Klassenmerkmal: Fixobjektive mit grossem Zoom-Bereich – angetan. Nicht, weil das Lica-Signet Neider vermuten liesse, ich hätte im Lotto gewonnen. Sondern weil mir das Modell äusserst probat erscheint, um einmal nachzuforschen, was anno 2011 Stand der Technik ist.

Die Sache ist die: ich besitze seit etwa fünf Jahren eine Panasonic Lumix DMC-FZ30. Das ist eine verdammt lange Zeitspanne in einem sehr schnellebigen Markt, in dem es vor Superlativen, Wortgeklingel und tatsächlichen Neuerungen nur so wimmelt. Ich war und bin mit der Kamera sehr zufrieden, sie ist ein robustes Alltags-Arbeitstier. Aber eben keine Leica. Nun muss man in diesem Kontext wissen, dass es eine enge Zusammenarbeit zwischen dem japanischen Foto-Giganten und der deutschen Edel-Manufaktur gibt. Einige Kameras im Brot- und Butter-Segment sind sowohl als Panasonic-Modell oder – weitgehend baugleich, aber deutlich teurer – als Luxusausführung mit kreisrundem roten Logo erhältlich. In gewisser Weise ist meine alte Kamera also ein Vor-Vor-Vorgängermodell der V-Lux 2. Aktuell entspricht ihr die Lumix DMC-FZ100.

Beide Kameras können einiges. Besonders der Mega-Zoom mit 24facher Vergrösserung (das entspricht einem Kleinbild-Brennweitenbereich von 25 bis 600 Millimeter) beeindruckt, die Geschwindigkeit von 11 Bildern pro Sekunde ebenfalls. Full-HD-Video, 14 Megapixel Auflösung und ein dreh- und schwenkbares Display sind sowieso State of the Art.

Meine Panasonic sieht daneben doch etwas in die Jahre gekommen aus. Aber, und dieses Aber wiegt schwer: sie fühlt sich besser an. Ist massiver (und, ja, grösser), besser greifbar – und weniger Plastik-armiert. Der kleine Monitor, die lachhafte Auflösung, der halbe Zoom-Faktor, die fehlende Video-Option: geschenkt. Die Haptik des B-Klassen-Oldies besteht den Test. Und, eventuell ist das ja der entscheidende Faktor: die Fotos sind im Normalfall um keinen Deut schlechter. Was nicht zuletzt daran liegen mag, dass das Objektiv schon damals von Leica gebaut wurde.

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2 Antworten to “Der rote Punkt”


  1. […] This post was mentioned on Twitter by Walter Gröbchen, Walter Gröbchen. Walter Gröbchen said: Technische Bestwerte oder handfeste Arguemente? Der rote Punkt: http://t.co/orHCxzL #Fotografie #Leica #Panasonic […]

  2. Christoph Says:

    Im Grunde ist eine Leica, die auch bei Panasonic produziert wird eine Kundenverarsche. Es wird suggeriert, dass man bessere Technik bekäme und das zu einem günstigen Preis. Ich finde diese lächerlichen Billigleicas und Lumixe nur peinlich, aber solange es Leute gibt die auf sowas abfahren ohne auch nur im geringsten Dinge wie Bildqualität etc. zu beachten wird man das Geschäft machen. Es hat schon einen Grund warum bei „echten“ Leicas an den Preis ne Null angehängt wird.


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