Archive for Februar, 2011

Ewig im Kreis?

27. Februar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (99) Formel Eins versus Formel 2.0. Oder: was, wenn Sebastian Vettel nicht mehr von einem Verbrennungsmotor beflügelt wäre?

Auch nicht unlustig, wenn man die „Speed Week“ aufschlägt, ein der breiteren Öffentlichkeit eher unbekanntes Medium für fortgeschrittene Motorsportfans, und ausgerechnet dort einen Abgesang auf die Formel 1 zu lesen bekommt. Obwohl: der Autor des Editorials, das ich so kühn interpretiere, wird das ganz anders sehen. Günther Wiesinger schreibt in der Ausgabe der Vor-Vor-Woche: „Irgendwann musste es sich ja rächen, dass Bernie Ecclestone die unter dem Vorwand der Globalisierung betriebene Expansion der Formel 1 in exotische Länder so vehement vorangetrieben hat.“ Wir wissen: der Grand Prix von Bahrain, der das diesjährige Spektakel einleiten sollte, wurde abgesagt. Aus politischen Gründen. Erstmals seit Menschengedenken.

Der „Speed Week“-Kommentator redet dankenswerterweise nicht lange um den heissen Brei herum. „Die Auftritte der Formel 1 in Abu Dhabi, Bahrain, Türkei, Südkorea, Malaysia, Singapur, Shanghai und Indien haben in erster Linie eine Ursache: die dort herrschenden Machthaber müssen die Millionenausgaben für den Rennstreckenbau und die aberwitzigen jährlichen GP-Gebühren nicht vor einem ernst zu nehmenden Parlament oder vor dem Volk rechtfertigen.“ Blöd, wenn Herrn Ecclestone und seiner Truppe da ein kleiner Bürgeraufstand in die Quere kommt. Und statt der Formel 1-Boliden die Panzer auffahren. Ein Fanal?

Eventuell. Denn wie wäre es, wenn die Potentaten aller Länder draufkommen, dass es anno 2011 dringlichere Probleme auf diesem Planeten gibt als möglichst rasant „mit dem Auto im Kreis zu fahren“, wie Niki Lauda einst trefflich das Metier beschrieb? Und dabei gallonenweise Benzinvorräte abzufackeln, für die man sich andernorts gegenseitig die Schädel einschlägt. Verstehen wir uns nicht falsch: der Mensch ist ein von Lust am Spiel, Ehrgeiz und Testosteron getriebenes Wesen. Insbesondere die männliche Reichshälfte. Aber irgendwie wirkt der jährliche Formel 1-Zirkus immer absurder, unzeitgemässer, realitätsferner. Kurzgesagt: endlicher. Weniger eine Frage der Revolution als der Evolution.

Nun gibt es natürlich schon Bewerbe für elektro- und solargetriebene Mobile, Rallys für unbemannte, robotergesteuerte Vehikel, Öko-Wettfahrten um den geringsten Benzinverbrauch und die längste Strecke, die sich mit einer Tankfüllung zurücklegen lässt. Aber noch hat niemand Mister Ecclestone ernsthaft nahegelegt, die alte Saugmotoren-Formel durch Innovations- und Sparzwang zukunftsträchtiger zu machen. Krisensicherer. Und eventuell auch spannender. Auch wenn’s den Scheich im Wüstenreich nicht freut – der hat sowieso gerade ganz andere Sorgen.

Karl mit Karl-Heinz

23. Februar 2011

Christoph & Lollo auf Platz eins der Charts? Und ein regelrechter Hit auf Ö3? Unwahrscheinlich. Aber nicht undenkbar. Und eventuell sogar pädagogisch wertvoll.

Ich fürchte, Peter Alexander wird es verhindern. Der Lordsiegelbewahrer der „guten, alten Zeit“ – die gar so gut nicht war, ausser es gelingt, das unendliche Leid einer Ära des Faschismus, eines Weltkriegs und eines Genozids zumindest partiell durch eine heile Schlagerwelt zu ersetzen (und, ja, das gelang in diesem Land nicht wenigen) – wirkt noch über seinen Tod hinaus. Peter Alexander dominiert zum Zeitpunkt der Niederschrift dieser Zeilen die Charts. Absehbar. Und auf „YouTube“ schauen sich massenhaft verwunderte Jugendliche und nostalgietrunkene Erwachsene Ausschnitte aus Heimatfilmen und TV-Shows der achtziger Jahre an. Ein letzter Gruss eines Entertainers, der in seinen letzten Lebensjahren von den Umbrüchen der Medien- und Musikwelt partout nichts mehr wissen wollte. Und von persönlichen Schicksalsschlägen gezeichnet war. Er ruhe in Frieden.

Was aber wird Peter Alexander selig verhindern? Oder auch nicht? Eher: zweiteres. Mittel- bis langfristig nämlich: den Einbruch der Realität in die ewige Hitparade des Eskapismus. Unter all die David Guettas, Andrea Bergs und trackscheissenden „Helden von morgen“, die eventuell heute schon wieder von gestern sind, könnten sich verstörende Elemente mischen. Solche, die mit Gitarre, Computer und Mundwerk unbequeme Wahrheiten verkünden. Solche, die ernsthafte Anliegen haben und gesellschaftliche Probleme beim Namen nennen. Solche, die dem Alternative-Streichelzoo von FM4 zugerechnet werden, sich plötzlich aber auch in den „Ö3 Austria Top 40“ breit machen. „Tschuldigung“ für die Störung sagen etwa Christoph & Lollo.

Auf ihrem neuen, sechsten Album haben sich die ehemaligen notorischen „Schispringerlieder“-Macher einem breiteren Themenspektrum zugewandt. Etwa dem „Karl-Heinz“. Das bitterböse Liedlein über den ehemaligen Finanzminister der Republik, der mittlerweile als Steuersünder enttarnt ist, ist schon seit dem Jahr 2009 ein Hit. Auf „YouTube“ wurde das Video über dreihunderttausendmal abgerufen. Und auf Facebook hat eine Initiative webaffiner Aktivisten dazu aufgerufen, „Karl-Heinz“ nunmehr an die Spitze der offiziellen Charts zu hieven.

In Zeiten blutiger, Web 2.0-getriebener Volksaufstände ein vergleichsweise harmloses Unterfangen, seinem Ärger Luft zu machen. Würde aber „Karl-Heinz“ auch nur ein einziges Mal auf Ö3 laufen – die Comedy-Abteilung des Senders ist ja auch nicht gerade unlustig unterwegs –, wären gröbere Irritationen im Parlament und in den hiesigen Parteizentralen nicht auszuschliessen. Mit entsprechender Folgewirkung.

Natürlich gilt auch für Karl-Heinz G. die Unschuldsvermutung. Noch viel mehr gilt aber die Unmutsverschuldung: der eitle Feschak ist zur Symbolfigur einer saturierten, korrupten, schlaumeierischen Nomenklatura geworden, das das Vertrauen in Öszerreichs Politik und Justiz systematisch unterminiert, wenn nicht vielfach endgültig ruiniert hat. Wenn nun die Popkultur dieses Landes – von Kabarettisten über Bänkelsänger bis zu Hobby-Filmplakat-Gestaltern (Stichwort: #grassermovies) – antritt, das schiefe Bild wieder geradezurücken, darf das als notwendiges kultur- und realpolitisches Statement gewertet werden. Als täglicher Protestsongcontest. Als staatsbürgerliche Notwehrmassnahme.

Der Karl mit „Karl-Heinz“ ist so gesehen bitterer Ernst. Und trotzdem ein Spass. Der eventuell sogar klammheimlich Peter Alexander gefallen hätte.

P.S.: Stichtag für die Charts ist der 25. Februar. Es reicht schon, „Karl-Heinz“ als einzelnen Song von iTunes oder Amazon runterzuladen, um Christoph & Lollo die Chance zu geben, einen echten Schlager zu landen. Punktgenau.

Protestsongcontest

19. Februar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (98) „The Revolution Will Not Be Televised“, sang einst Soul-Legende Gil Scott-Heron. Wie wahr.

Wir erinnern uns: Wolfgang Lorenz, Egghead der ORF-Unterhaltung, wurde symbolisch abgewatscht, weil er der Jugend empfahl, sich gefälligst nicht „im Scheiss-Internet zu verkriechen“, wolle sie je gesellschaftliche Relevanz erreichen. Womit? Mit Recht. Denn in Anbetracht der Bilder aus Tunesien, Ägypten, Lybien, Iran et al – die uns freilich nicht die staatlichen arabischen TV-Sender zur Verfügung stell(t)en – wirkt diese Aussage im Nachhinein doppelt scheuklapprig. Wobei hier wahrscheinlich mehr Lust an der Provokation im Spiel war als eine wirkliche intellektuelle Fehlleistung. Andererseits: aktuell prahlt Lorenz via „profil“ damit, fünf mechanische Schreibmaschinen zu besitzen und Computer im Alltag tunlichst zu meiden.

Darüber kann man lachen. Darob kann man den Kopf schütteln. Derlei kann aber auch als Chance begreifen. Nämlich, mit diesem immer irrelevanteren Teil der (Medien-)Gesellschaft keine Zeit und Energie mehr verschwenden zu müssen. Auch wenn es hierzulande – noch? – nicht um den Aufstand der Massen gegen eine saturierte und korrupte Nomenklatura geht, ist die Lahmarschigkeit und Doppelzüngigkeit der Politik ein ideales Biotop für Protestnoten 2.0. Die alte Brot- und Spiele-Ablenkungstaktik, als deren Kulissenmaler sich manche Journalisten freiwillig oder unfreiwillig verdingen, hat in den neuen Peer-to-Peer-Netzen einen vergleichsweise schweren Stand.

Man muss nicht gleich vermuten, dass der ORF Christoph & Lollo zum Songcontest schicken wird, weil z.B. deren YouTube-Hit „Karl-Heinz“ (erraten!, es handelt sich um ein höchst treffliches Liedlein um einen Ex-Finanzminister) demnächst ganz oben in den Ö3-Charts landet. Auch ein forsches kulturpolitisches Statement wie „Ursula Stressned“, als Parodie auf den Duck Sauce-Hit „Barbra Streisand“ gemünzt auf die Bezirksvorsteherin von Wien-Innenstadt, wird Ursula Stenzel nicht von ihrem Podest holen.

Aber die Lust am Protest wächst. Und wächst. Man muß keinen g’spassigen „Protestsongcontest“ mehr inszenieren – der läuft schon tagtäglich in der Realität. Und wird von ihr links überholt. Natürlich kann man die Situation auch so verkennen wie der Anwalt des feschen Ex-Ministers, der meint, Facebook-Bastonaden, YouTube-Schmähorgien und Twitter-Fingerzeige sonder Zahl (Hashtag: #grassermovies) seien nichts anderes als die Adelung seines Mandanten zur „Kultfigur“. Man kann auch, wie dieser Tage die US-Aussenministerin Hillary Clinton, ultimativ die Freiheit des World Wide Web einfordern – mit der kleinen Einschränkung, dass die für eine Plattform wie WikiLeaks nicht zu gelten habe.

Und, ja, man könnte sich im Netz eventuell auch verkriechen. Und ob einer „Farmville“-Marathonsitzung die Revolution verschlafen. Aber das ist in etwa so wahrscheinlich wie die Vorstellung, dass Wolfgang Lorenz demnächst von Julian Assange abgelöst wird.

Rock’n’Roll 2.0

17. Februar 2011

Ohne ordentliche HiFi-Anlage kein standesgemässes Rock-Konzert in den eigenen vier Wänden. Das sollte sich anno 2011 doch schon rumgesprochen haben, oder?

„Das Sein bestimmt das Bewusstsein“: den alten Karl Marx kann man ohne Umstände auch auf hedonistische Lebens- und Lifestyle-Entwürfe anwenden. Natürlich gilt der Merksatz auch vice versa: das Bewusstsein bestimmt das Sein. Wie anders liesse es sich sonst erklären, dass nicht gerade wenige Pappenheimer – Sie sind da selbstverständlich eine löbliche Ausnahme, oder? – Musik ausschliesslich via Computer-Tower oder Laptop hören (was per se noch kein Problem wäre). Und die datenreduzierte MP3-Sosse auch noch aus den bordeigenen Miniatur-Lautsprechern erschallen lassen. Das Höchste der Gefühle sind drollige Plastik-„PC-Boxen“ samt dröhnendem Subwoofer unterm Schreibtisch.

Man möchte den „Musikfans“ zurufen: Leute, so geht das nicht! Aber eventuell sind sie ja schwerhörig. Denn wer einmal, sagen wir, „A Love Supreme“ von John Coltrane oder „We Want War“ von These New Puritans über eine ordentliche Stereo-Anlage erlebt hat, wird nie wieder das Kinderzimmer-Szenario als vollwertigen Genuss akzeptieren. Ohne ordentliche Audio-Maschinerie (oder zumindest probate Kopfhörer) ist Musik meist Matsch. Mitunter nicht mal das.

Sollten Sie schon eine probate Anlage daheim stehen haben, aber nur zu faul sein, Strippen vom PC quer durchs Zimmer zum Verstärker zu ziehen, holen Sie sich das neue „Apple TV“-Kästchen in den Haushalt. Ich missbrauche es zumeist als Audio-Übertrager, das (noch überschaubare) Online-Video-Angebot in Verbindung mit dem Flachbildfernseher ist nur eine hübsche Zugabe. Apple hat nachgerüstet und das Betriebssystem iOS aufgebohrt; damit werden alle iPhones und das iPad im Kombination mit dem Streaming-Gegenstück zur ultimativ eleganten Miniatur-Musiktruhe. Es funktioniert übrigens auch via „Airport Express“. Die Stereoanlage der Zukunft, pardon, Gegenwart kennt keine Chinch-Kabel mehr (jedenfalls keine, die zur Sound-Quelle führen). Und auch keine Extra-Fernbedienung. Natürlich ist’s, wie bei Apple üblich, nur im geschlossenen System („iTunes“ & „AirPlay“) zu betreiben und hat für audiophile Gemüter noch reichlich Luft nach oben.

Wenn Sie aber der drahtlosen Zukunftsmusik 2.0 generell misstrauen, dennoch ein Fingerzeig: investieren Sie ein paar Euro in eine anständige Soundkarte oder einen hochwertigen externen Digital-Analog-Wandler! Die Klangwelten aus dem Computer gewinnen drastisch an Raffinesse, Durchzeichnung und Präzision. Eventuell macht es auch Sinn, gleich das ganze Szenario auf höherwertige Hörerlebnisse hin zu trimmen.

Neben meinem Apple iMac hat z.B. seit einigen Wochen eine kleine, feine Anlage von Peachtree Audio (Verstärker „Nova“ + DS 4.5-Boxen) Platz gefunden. Obwohl – oder gerade weil – dieses audiophile Design-Kästchen auch über eine Röhre verfügt und so dem digitalen Musikfluss warme Obertöne hinzufügen kann, ist es die Qualität der eingebauten D/A-Wandler, die die MP3-Kollektion auf der Festplatte so richtig zum Klingen und Swingen bringt. Der Peachtree hat zu diesem Zweck nicht nur je zwei koaxiale und optische Digitaleingänge, sondern auch eine USB-Buchse.

Einfacher geht es nicht mehr. Wie meinte doch einst John Lennon: „I always liked simple rock.“

Schleichweg und Überholspur

12. Februar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (97) Das Zwei-Klassen-Internet kommt. Kommt es wirklich?

Wäre ich gemein, würde ich an dieser Stelle die Vermutung placieren, dass die Chefetagen der hiesigen Telekommunikations-Unternehmen – allen voran die Nachfolgerin der alten Post- & Telegraphen-Verwaltung, die Telekom Austria – im Moment mit ganz anderen Dingen beschäftigt sind. Das gilt übrigens auch für die staatliche Aufsichtsbehörde RTR.

So aber kann ich mich zurücklehnen und mit einem milden Lächeln auf den Lippen ein Posting aus dem „Standard Online“ zitieren: „Seit Jahren kommuniziert die TA in der Werbung, das „beste Netz“ Österreichs zu haben. Jetzt wollen ihr alle einen Strick daraus drehen.“ Touché! Eventuell sollte man dem Anonymus noch nachträglich ein „Positionierungspapier“, einen millionenschweren Consulting-Vertrag oder sonst irgendeine kundenbindende Nettigkeit anbieten.

Mir als kleinem Kunden geht es aber tatsächlich, ganz ohne Zynismus, um das beste Netz. Insofern wird man gleich hellhörig, wenn nun hinausposaunt wird, es gäbe ein dringendes Verlangen nach einem „Zwei-Klassen-Internet“. Eines, das, hm, etwas langsamer ist. Und ein zweites, privilegiertes, schnelleres. Wie bitte? Die Unternehmensberatung A.T. Kearney wird zu dem Thema schon mal strategisch vorgeschickt und postuliert in einer Studie: „Das Internet braucht ein neues Geschäftsmodell.“ Warum?

Weil man, wenn man die transportierten Datenmengen hochrechnet, allein in Europa in den nächsten Jahren 28 Milliarden Euro in den Netzausbau investieren müsste. Und nur fünf Prozent der Internet-Nutzer (nennen wir sie die „A-Klasse“, auch wenn sie im Kinderzimmer nebenan sitzt) achtzig Prozent der Gesamtkapazität belegen. Die sollen dann halt in Hinkunft mehr löhnen. Die Inkasso-Idee ist alt, jetzt wird sie wieder mal aus der Schublade geholt.

Der Status Quo: weltweit gilt die „Netzneutralität“. Alle Bits und Bytes, egal welchen Inhalts und Umfangs, von welchem Absender oder mit welchem Empfänger, müssen gleich behandelt werden. Natürlich zahlen Kunden empfängerseitig schon jetzt für Highspeed-Breitband-Anschlüsse und unbegrenzte Downloadvolumina. Aber die Erkenntnis, daß sich die unaufhaltsame Konvergenz zwischen Festnetz und Mobilfunk rechnen muß und Videos und TV am PC und Handy – die eigentlichen Kapazitätskiller, die zugleich die grössten Attraktionen sind – ja nicht ins Ruckeln und Stocken geraten dürfen, wenn man weiter mit der Bequemlichkeit der Konsumenten Milliarden scheffeln will, vereint Telekommunikationsgiganten und – überraschenderweise – auch Content-Anbieter abermals zu einem forschen Schulterschluss.

Ich werde darüber mal mit den Servicetechnikern von AON TV und UPC diskutieren, die mich ständig im Privathaushalt und Büro besuchen. Technikpannen, Bildausfälle und Netzstörungen sind ja ewig lästig, längst aber Alltagsroutine. Ob da wirklich ein höherer Schmattes hilft?

Steckdosenfutter

5. Februar 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (96) Stichwort: Mobilität. Sie kommen, die Elektro-Vehikel. Auch wenn die Autoindustrie alte Konzepte bis zum letzten Benzintropfen ausquetscht.

Ich werde mir doch nicht eine gute G’schicht’ durch Recherche kaputt machen. Im Ernst: natürlich haben alle recht, die monierten, meine letztwöchige Kolumne – eine Beschwerde darüber, dass Elektro-Vehikel namhafter Markenerzeuger (nein, keine Prototypen, fahrende Versuchslabors und seltsam riechende China-Importe!) weithin nicht zu kaufen sind – entbehre einer tiefgreifenden Marktanalyse. Es folgten Fingerzeige sonder Zahl. Vom E-Motorrad Vectrix VX1, das schon anno 2009 vom ÖAMTC unter die Lupe genommen wurde, über Firmen wie IO und Scooterman bis zum dezenten Hinweis, dass auch der österreichische Paradehersteller KTM eine Batterie-Enduro entwickle. Das allerdings jetzt auch schon seit Jahren.

Genau darum ging es: es scheint mehr Probleme zu geben mit der Elektromotorisierung und der notwendigen Infrastruktur, als man als Konsument naiverweise vermutet. In meinem Bekanntenkreis – ich bitte um Pardon für die strikt subjektive Betrachtungsweise – fährt bislang niemand ein smartes E-Moped. Von vierrädrigen Gefährten ganz zu schweigen. Auch der „Falter“ schlug letzthin in die selbe Kerbe. „Die mediale Aufmerksamkeit, die Elektro- und Hybridautos erhalten, steht im krassen Gegensatz zu der Wahrscheinlichkeit, ihnen im Straßenverkehr zu begegnen. Diese tendiert immer noch gegen null. Nur 0,4 Prozent der im Vorjahr neu zugelassenen PKW verfügen über einen Elektromotor, meldet der VCÖ.“ Zitat Ende.

Nun meldete der hiesige Fahrzeughandel, das Jahr 2010 sei das beste Verkaufsjahr für Autos aller Zeiten gewesen (den kuriosen Statistik-Trick mit den Tageszulassungen blenden wir dabei mal aus). Keine Rede mehr von der Krise, der immer weiter in Rekordhöhen kletternde Benzinpreis wird dito anstandslos verschmerzt – offensichtlich verzichtet man lieber auf die Nachspeise zum Schnitzel als auf die Fahrt zum Wirten ums Eck. Die Luxussänften mit Verbrennungsmotor boomen, als gäbe es kein Morgen. Nochmals ein Zitat, diesmal aus der „Autorevue“: „Die Lust am Autofahren und letztlich am Auto selber ist in Österreich offenbar nicht totzukriegen, auch wenn die Anstrengungen in diese Richtung seitens der Regierung und eines Großteils der Medien beachtlich sind.“

Großteil der Medien? Geh bitte. Es leben doch alle von den Inseraten von Mercedes, Toyota & Co. Und vom Abo-Schmäh mit der „Gratis-Vignette“. Schön, dass ich dann ausgerechnet im Autonarren-Zentralorgan einen kleinen Hinweis wahrnehme: Peugeot kommt im März tatsächlich mit einem Elektroroller („e-Vivacity“) auf den Markt. Zeit wird’s.

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