Quod erat demonstrandum

5. März 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (100) Das Buch wird auch im 21. Jahrhundert nicht aussterben – was es zu beweisen gilt.

Ich habe einen Traum. Der pathetische Überschwang dieser Ansage lässt sich auf eine relativ harmlose Vorliebe zurückführen: ich mag Bücher. Den Nimbus. Die Haptik. Den Geruch. Und natürlich auch immer wieder mal, eventuell zuvorderst, den Inhalt. Wie wäre es also, einen eigenen Verlag zu gründen? So verwegen diese Idee klingt, so einfach lässt sie sich umsetzen. Wie, verrate ich Ihnen ein paar Zeilen weiter.

Warum in Gottes Namen aber kommt jemand, der sich im „Maschinenraum“ der Jetztzeit zuhause fühlt, auf den Gedanken, Papier, Buchregale und Druckerschwärze wären das höchste der Gefühle? Wo doch die Gesetzmässigkeiten der Digitalära derlei umgehend zur nostalgischen Marotte erklären… Gute Frage. Nächste Frage. Ich betreibe ja auch das exaltierte Hobby eines Musikverlegers, der CD um CD auf den schwindenden Markt wirft. Und das, obwohl ich die Silberscheibe schon vor Jahren zum Auslaufmodell erklärt habe. Die Prognose, die mir viel Häme eintrug, hat sich als zutreffend erwiesen.

Nennen Sie es also ruhig trottelige Sentimentalität, aber probieren werd’ ich’s trotzdem. Wenn schon, denn schon: ich habe mir vorgenommen, die ersten einhundert „Maschinenraum“-Kolumnen zwischen zwei Buchdeckel zu packen. Versehen mit einem launigen Vorwort und ein paar Illustrationen sollte das ein probates Paket für Technik-Afficionados und „Presse am Sonntag“-Fans abgeben. Und natürlich für den engeren und weiteren eigenen Freundeskreis.

Ganz ohne High Tech-Kniff soll und wird die Übung in diesem Fall aber nicht gelingen. Ein gewitzter Manager, der Verbindungen zum Medienkonzern Bertelsmann pflegt, gab mir den Fingerzeig, einen Blick ins Internet, exakter: auf die Seite www.bod.de zu werfen. Das Kürzel „bod“ steht für „Books on Demand“. Und, ja, kurzgefasst: die Adresse verspricht, aus Texten wie diesem in kürzester Zeit und beliebiger Auflagenhöhe Bücher produzieren zu können. Per Digitaldruck. Zu erschwinglichen Kosten. Mit Anbindung an den Buchfachhandel. Und in punkto Haptik, Geruch und Aussehen von einem „echten“, quasi mit Bleilettern und Druckerpresse gefertigten Exemplar nicht zu unterscheiden.

Mit Vollendung dieser Kolumne ist das Manuskript auch schon fertig. Ratzfatz. Uploaden werde ich es morgen. Oder übermorgen. Ah, Sie halten schon das fertige Werk in Händen? Dann lassen Sie mich noch rasch das Digitalzeitalter preisen. Mit Worten, die schon vor der Erfindung des Buchdrucks Gültigkeit hatten: quod erat demonstrandum.

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4 Antworten to “Quod erat demonstrandum”

  1. Amke Says:

    Lieber Walter,
    Glückwunsch zum On-Demand-Verlegertum und willkommen im Club ;o)
    Guck doch mal auch – so als Preisvergleich – beim Wettbewerber Holzbrinck: epubli.com.
    Beste Grüße, Amke

  2. Alexander Says:

    Ey Obermaschinist!
    Wie kommt man – so es gedruckt wird – dann zu einem Büchlein? Bin ja ein PaS Fan und somit zumindest Maschinist zweiten Grades!

    Und, weil ich grad dabei bin: Hab bei der Ärztin im WarteRaum (Maschinenraum?) ein H.O.M.E. in die Finger bekommen, darin Gröbchen übers iPad. Wie kommm ich zu dem Artikel, konnte nicht fertiglesen!
    Gracias!
    Alexander
    Maschinist,2G

  3. manfred Says:

    manchmal klappt es ja – 2001 – rogner und bernhard – wagenbach. evtl als zugpferd die letzten 500 predigten von hermes phettberg – alles gute !


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