Licht am Horizont

20. März 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (101) Wozu die Aufregung um das Ende der alten Glühbirne? LED-Lampen leuchten billiger besser.

Es soll ja Leute geben, die im Kellerabteil oder im Wohnzimmerschrank stapelweise Glühbirnen horten. 100-Watt-Lampen matt und durchsichtig, inzwischen ganz heisse Ware, weil einfach nicht mehr erhältlich. 80 Watt: dito. Und demnächst wahrscheinlich auch die 60 Watt-Varianten, die ab September nicht mehr verkauft werden dürfen. Der Versuch gewitzter Geschäftemacher, aus China oder sonstigen dunklen Weltgegenden „Heizkörper“ mit traditionellem Glühfaden zu importieren und damit das EU-Verbot der Stromfresser zu umgehen, war leider zu durchschaubar. Und damit zum Scheitern verurteilt.

Vorratshaltung ist oft von Irrationalität geprägt. Was tun, wenn uns Gaddafi den Ölhahn zudreht? (Ironie-Modus: on) Schnell noch das Auto von Oma auftanken! Den Reservekanister gleich dazu. Und ja kein „Ökobenzin“ E10 einfüllen, da flucht halb Deutschland drüber, in Österreich soll es, gottseidank!, erst 2012 eingeführt werden. Auch das haben uns die Bürokraten in Brüssel und die apathischen Politiker hierzulande eingebrockt. Genauso wie die Misere mit den Glühbirnen. Dabei sind Energiesparlampen sauteuer, lichtschwach und hochgiftig. Oder haben Sie noch nie vom Quecksilber gehört, das sich keck und heimtückisch hinter dem neumodisch gewölbten Glas verbirgt? (Ironie-Modus: off)

Bei allem Respekt vor dem High Tech-Halbwissen vieler Laien und einigem Verständnis für grundsätzliche EU-Skepsis: das ist natürlich aufgelegter Blödsinn. Es gibt gute Gründe für den flächendeckende Ersatz einer Erfindung des 19. Jahrhunderts durch State of the Art-Produkte, für deren detaillierte Ausführung der Platz dieser Kolumne nicht annähernd reicht. Auch wenn wir die Menschheits-Überlebensfrage „Atomkraft – ja oder nein?“ einmal bewusst beiseite schieben. Es müssen ja keine „herkömmlichen“ Energiesparlampen sein. Die leiden tatsächlich – noch – an der einen oder anderen Kinderkrankheit (etwa einer merkbaren Verzögerung, bis solch eine Lichtquelle zu voller Leuchtstärke findet.)

Ich habe mir dieser Tage vom Vorarlberger Hersteller Ledon zwei LED-Lampen schicken lassen. Eine zukunftsweisende Sache: die birnenförmigen Dinger strahlen ein warmweisses, gemütliches Licht aus, sind dimmbar, enthalten kein giftiges Quecksilber und emittieren auch keine UV-Strahlung. Und sie verbrauchen um bis zu 85 Prozent weniger Energie als die alten Glühfaden-Dinger. Na also! Mein Tipp: ausprobieren. Eventuell können Sie dann ja bald Ihr Kellerabteil oder Ihren Wohnzimmerschrank freiräumen für wichtigere Dinge. Oder dringlichere Notvorräte.

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9 Antworten to “Licht am Horizont”


  1. Anscheinend sind Sie selbst ein Laie, der nur über ein Hightech-Halbwissen verfügt, sonst würden Sie wissen, daß LED-Lampen die Lichtqualität von Glühbirnen nicht erreichen können.

    Die Glühbirne erreicht einen Farbwiedergabeindex von Ra 100, während
    LED-Lampen hingegen einen Farbwiedergabeindex von Ra 60 – 80 erreichen.

    mehr Infos: http://www.gluehbirne.ist.org/lichtqualitaet.php

    • Walter Gröbchen Says:

      Ja, gewiß bin ich Laie. Und verfüge nur über eine journalistische (Aus-)Bildung. Aber ich verfüge auch über Augen im Kopf. Und ein intaktes Farbempfinden (von wegen „Farbwiedergabeindex“, aber das ist wohl etwas für Fachleute). Ich schreibe diese Zeilen unter der LED-Lampe. Sie ersetzt die vorher verwendete 60 Watt-Glühbirne problemlos.


      • Neben der schlechteren Farbqualität von LEDs kritisiere ich, daß die verwendeten Halbleiter Galliumnitrid und Galliumphosphid, laut Gefahrstoffkennzeichnung als reizend gelten und LEDs als Elektronikschrott entsorgt werden müssen.

        Außerdem mehren sich die Stimmen, die vor einer drohenden Abhängigkeit von China warnen, denn es werden wie bei Energiesparlampen seltene Erden, die vor allem in China abgebaut werden, für die Produktion benötigt. Es kommt jetzt schon zu Lieferengpässen.

  2. BKA Says:

    @Peter Stenzel. Es geht ja nicht darum, ob jemand Laie mit „Halbgebildetenwissen“ ist, oder auch nicht, ob jemand beruflich als Techniker oder Journalist arbeitet – oder sonstwas. Es geht auch um das persönliche Befinden. Wir haben unser komplettes neues Haus mit wenigen Ausnahmen nur mit LEDs beleuchtet und sparen damit a) viel Geld und fühlen uns b) sehr wohl. Wie Herr Gröbchen bin auch ich Journalist (im Fachzeitschriftenbereich) und schreibe auch unter LED Licht.


    • Sie haben natürlich recht, daß es auch um das persönliche Empfinden geht. Wenn Sie sich im Licht der LED wohl fühlen, ist das für sie wunderbar. Ich persönlich bevorzuge das wärmere Licht der Glühbirne.

      Mein Posting war eine Replik auf die Bemerkung des Autors, der die Unzufriedenheit vieler Menschen auf deren Halbwissen zurückführt.


    • Vielleicht könnte folgender Verweis auf zwei Artikel über LEDs interessant sein.

      „Two interesting LED stories this week. The first is a paper by Seong-Rin Lim et.al. on the Potential Enviromental Impacts of LEDs. The other is an article in LEDs Magazine discussing the sourcing of Rare Earth Metals.“

      http://greenpages.pld-a.org/leds-latest-information

  3. matthias cremer Says:

    ich kenne die weihnachtsbeleuchtung der josefstädterstrasse. die ist furchtbar.

    led kann ich bis jetzt nur als kalt. echt kalt.

    peinlicherweise kann ich bis jetzt nur ikea empfehlen: glühlampen (e 27) auf halogenbasis.
    etwas sparsamer als die alten glühlampen, legal, und sehr sehr schönes licht.


  4. […] Fiction“) lassen mich auch nicht kalt. Was aber, wenn man zu dieser Thematik längst alles gesagt […]


  5. […] Lichtquellen zählen. Es muss ja nicht immer ein Designleuchten-Klassiker sein. Gerade die LED-Technik eröffnet ganz neue Gestaltungs- und Anwendungsmöglichkeiten, etwa Farb- und Stimmungswechsel auf […]


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