McWireless

26. März 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (102) Warum schafft eine Junkfood-Kette, worum sich Nobelhotels höchstens halbherzig bemühen?

Wenn Sie diese Zeilen lesen – und nicht durch eine weisse, leergebliebene Fläche in diesem Blog oder in Ihrer Sonntags-„Presse“ verunsichert werden (was natürlich nur ein hypothetisches worst case-Szenario beschreibt) – habe ich es geschafft. Diese Kolumne abzuschicken nämlich. Ich sende sie von der McDonalds-Filiale am Heuplatz in Klagenfurt. Hier ist man zwar umgeben von den üblich-üblen Ausdünstungen von Cheeseburgern und heissen Apfeltaschen, aber es gibt ein W-LAN. Gratis noch dazu.

Ich möchte also an dieser Stelle dem Management der Schnellimbiss-Kette Tribut zollen. Es hat die Zeichen der Zeit erkannt: ein für Kunden frei zugängliches Funknetz, das einen Zugang zum Internet bietet und die Möglichkeit, mails zu lesen und zu versenden, ist heute eigentlich Standard in punkto Kundenservice. Dass ausgerechnet eine Frittenbude derlei betreibt, spricht für einen gewissen Business-Grundinstinkt. McDonalds ist wahrscheinlich nicht grundlos ein Weltkonzern geworden. Nochmals: feinen Dank. Ich habe auch extra einen Kaffee geschlürft.

Im Hotel ein paar Strassen weiter – der Name tut nichts zur Sache, aber das Haus ist angeblich eines der besten weit & breit – hat es dagegen gar nicht geklappt. Zuerst schickte man mich nächtens mit einem LAN-Kabel aufs Zimmer. Und den bedauernden Worten: „Das Netz hat immer Ausfälle“. Gemeint war das hoteleigene Wireless Local Area Network, sprich: das Funkfeuer, das eigentlich in jedem Zimmer eines solchen Nobelschuppens selbstverständlich sein sollte. Und selbstverständlich auch gratis. Die Kleinlichkeit, mit der Hoteliers gern mal Bons für 15-Minuten-Web-Zugänge oder sauteure Tagespässe verkaufen, habe ich noch nie verstanden. Kleben die auch auf jedes Seifenstück einen Preiszettel? Egal. Solange es funktioniert, bin ich auch bereit, für solche lachhaften „Extras“ zu bezahlen.

Aber es funktionierte nicht. Am nächsten Morgen machte man mich – auf Nachfrage – darauf aufmerksam, dass die Reichweite des WLAN gerade mal die Empfangshalle des Hotels umfasst. Schönen Dank auch. Ah, deswegen das Kabel. Allerdings hat mein MacBook Air dafür gar keinen Anschluss. Achselzucken in der Portiersloge.

Dass dann aber auch bei guter Empfangslage in der Lobby partout keine Depesche zu verschicken war – der Empfang hingegen klappte einwandfrei –, ist eventuell nicht dem Hotel anzulasten. Sondern meinem Ungeschick mit den mail-Einstellungen. Oder einem Ausfall des Providers. Oder dem Klagenfurter Lindwurm. Oder… Jedenfalls war ich dann irgendwann so genervt, dass ich flüchtete. Wenn nun Ronald McDonald zu meinen besten Freunden zählt, ist das demütigend. Aber sie können wenigstens nachvollziehen, warum.

11 Antworten zu “McWireless”

  1. michathecook Says:

    Sehr guter Bericht und so wahr.Ich lebe in Estland wo man im Prinzip ueberall freies W Lan hat und niemand kommt auf die idee auch nur einen cent dafuer zu verlangen.
    meines erachtens gehoert heute ein funktionsfaehiges freies WLan Netz zur Grundausstattung eines jeden Hotels und jeden Restaurants oder jeder Bar.
    Irgendwann werden die Kollegen auch aufwachen und das einsehen aber bis dahin ist noch ein langer weg zu gehen… was sehr schade ist. Man verschlaeft seit Jahren einen offensichtlichen Trend und versucht lieber ein paar Euro zu verdienen anstatt einen Sonderservice zu offerieren der einen nicht wirklich viel kostet….

  2. lenad Says:

    Ich kenn ja den Nobelschuppen nicht von dem Du sprichst, aber eine Möglichkeit wäre (und das mein ich nur halbzynisch), dass sie „Berater“ haben die ihnen raten ihr Geld lieber in Facebook Seiten und iPhone Apps zu investieren :-)
    Eine andere Möglichkeit wäre: der Chef/Besitzer des Hauses würde – wenn er könnte – das Internet lieber abschaffen, weil er einen Hass auf TripAdvisor hat. Jedenfalls wär das noch eine gute Idee: lass TripAdvisir wissen, dass Dich das WLan Service dort „not amused“ hat.

  3. Günter Says:

    Gleich dort Freewave vorschlagen. In meinem Lieblingshotel (und Café) in Wien gibts das und funktioniert immer super. http://www.freewave.at

  4. Mikky Says:

    herrlich, mir direkt aus der seele gesprochen, aber nicht wegen der lobpreisung des junkfood ladens, aber auch ich verstehe es nicht seit jahren in sämtlichen hotels der welt diesbezüglich vor den kopf gestoßen zu werden als kunde.
    gerade letztlich in neuseeland in einem 5 sterne schuppen gab es WLAN nur in der lobby und im 3 stock!!! und das nur extram langsam, sodaß man sich gerne auf den weg in die örtliche bibliothek begeben hat wo auch das WLAN gratis, schnell und in allen ecken verfügbar war.
    die preise die für das internet generell in hotels von singapur über amsterdam nach Los Angeles und retour nach Frankfurt verlangt werden sind einfach nur unglaublich, aber noch unglaublicher ist das wir das alles trotzdem bezahlen. danke!

  5. die22222 Says:

    ich bin volle sau gegen mcdonalds. und trotzdem habe ich mir letzte woche den 1955-burger geholt. schock: burger plus mittlere cola kosteten weit über 6 euro.
    geschmacklich war die cola ok. der burger war für den hintern.
    aber was ich sagen wollte: auch wenn ich mcdonalds nicht mag und dieser konzern vermutlich rein politisch zu den schlimmsten der welt gehört – wie die sich aufstellen und im markt agieren, mit witz und geist, das ist meine hochachtung wert.
    oder um es im sinne nietzsches zu sagen: mcdonalds ist ein feind, den man lieben muß.

    gott zum gruß
    rud

  6. CEEA Says:

    Danke für diese erheitertenden Zeilen.
    Hoffentlich passiert gerade in Österreich und ebenso Deutschland schnell ein Umdenken.
    WLAN/Internet for free u.a. in Hotels und Restaurants.
    Das sind die Firmen den Kunden schuldig und gehört ebenso zu seinem guten Service dazu!

  7. Gerhard Gallian Says:

    Ja bitte! Noch mehr Elektrosmog!! Am liebsten im Schlafzimmer – das tut sicher besonders gut! Welches Hotel ist das bitte? Damit ich weiß, wo ich das nächste Mal übernachte, wenn ich mich erholen will…

  8. manfred Says:

    noch kurioser:
    „mein“ mcdonalds hat die presse als print abo!
    statt dem dreck von „heute“ bei Anderen.
    also frühstücke ich hier gerne und oft.

    ausserdem: wo du doch biblioman bist, solltest du deine kolummnen kalligraphieren und via snailmail senden.

    sonst gibt es post mortem keine „the collected groebchen letters“ in pergament.


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