Heiter bis wolkig

30. April 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (107) „I leb’ in ana Wolk’n“ sang einst Austro-Popper Peter Cornelius. Ein visionäres Liedlein.

Ich muss ja immer leicht grinsen, wenn ich Peter Kruder – einen der wenigen Pop-Stars von Weltgeltung, die ihre Wurzeln in Österreich haben – aktuell am Fernsehschirm auftauchen sehe. Sie wissen schon: in dieser Werbung, wo der Discjockey cool erklärt, dass ein über seinem DJ-Laptop verschüttetes Getränk (samt daraus resultierender Zerstörung des Geräts und aller Musikdateien) kein gröberes Malheur sei. Auch wenn man gerade in Barcelona weilt, die Original-Schallplatten und MP3-Backups aber daheim in Wien im Regal stehen hat.

Die „Cloud“ macht’s möglich. Sprich: ein virtueller Datenspeicher im Netz, auf den man mit beliebigen Endgeräten zugreifen kann. T-Mobile bietet bis zu 100 Gigabyte Volumen. Ein Gigabyte ist gratis, der Rest fast geschenkt. Andere Provider folgen wohl demnächst nach. Oder haben’s längst getan. Da zieht eine mächtige Wolkenfront auf.

Warum ich darüber ins Grinsen gerate? Erstens: weil eine so offensiv nach Glaubwürdigkeit heischende Werbung von und mit Kruder & Dorfmeister vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre. Und zweitens: weil der Trend, Musik, Videos, Hollywood-Filme et al „in the cloud“ zwischenzulagern, ja nicht gerade der allerneueste Schrei ist. Sondern eigentlich ein alter Hut. Den sich aber alle Anbieter gerade gern aufsetzen, von Amazon über Google bis zu heimischen Telekommunikationsunternehmen.

Auch Apple ist dabei, Wolken rund um das betriebseigene Mediencenter iTunes zusammenzuschieben. Die Songs, die wir alle digital auf unseren Computern oder externen Festplatten horten, sollen in Zukunft nicht mehr lokal, sondern in sogenannten „music lockers“, virtuellen Musikspinden, auf unternehmenseigenen Servern abgelegt werden. Klingt nach einer guten Idee: derlei erspart Speicherplatz. Und es lässt sich von jedem Gerät mit Internetzugang darauf zugreifen. Eventuell auch von Freunden. Der heisse Scheiss der Saison also?

Ja und nein. Denn – nicht unwesentliche – Fragen zur Datensicherheit, der Verfügbarkeit bei Netzausfall und der Berücksichtigung aller Urheber- und Labelrechte sind ungeklärt. Die Plattenfirmen sind einmal mehr, vorsichtig ausgedrückt: zurückhaltend. Was Google & Co. in den Wahnsinn treibt. Und dann existieren ja – neben den bekannten Pay per Download-Plattformen – auch noch Streaming-Anbieter wie Spotify oder Simfy. Deren Geschäftsmodell – das ich selbst nach intensiver Auseinandersetzung mit der Materie bis dato nur ansatzweise kapiere – bröckelt. Heftig. So sie es denn nicht sowieso darauf anlegen, von Apple oder der Konkurrenz geschluckt zu werden. Zukunftsaussichten also: heiter bis wolkig.

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Eine Antwort to “Heiter bis wolkig”


  1. hey,
    zur finanzierung der cloud warst du ja bei dieser diskussion dabei und hast auch kommentiert, evt kennen aber ein paar leser diese zsfg (und den hervorragenden blog) nicht: http://musikwirtschaftsforschung.wordpress.com/2011/02/22/focus-rights-management-zusammenfassung-der-neuen-tone-music-talks-vom-8-februar-2011/#comment-533

    einige der punkte in diesem artikel über die cloud wurden dafür von der ggwart eingeholt, viele haben noch gültigkeit: http://www.thegap.at/rubriken/stories/artikel/graue-wolken/

    warum die finanzierung von simfy, spotify und co brockelt, musst du mir noch erklären bitte.

    verehrung,
    stfn.


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