2011 – Odyssee im Weltall

7. Mai 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (108) Raketen sind (auch) Hoffnungsträger. Ist im Touristen-Space Shuttle noch ein Platz frei?

Osama, Fukushima, Libyen. Nicht zu vergessen Syrien, die US-Wirbelstürme, das Sony-Datenleck. Verschwörungstheoretiker würden wahrscheinlich noch den unausweichlichen Zusammenbruch des Welt-Finanzsystems hineinrechnen. Und rot im Maya-Kalender eintragen. Immerhin: Royalisten und „Bunte“-Leserinnen durften sich über eine Prinzenhochzeit freuen. Und Apple-Apologeten über das Erscheinen des weissen iPhones am himmlischen Firmament („Endlich!“). Aber: es reicht. Ich weiss nicht, ob es Ihnen ähnlich geht wie mir – ich jedenfalls erbitte dringend eine Ruhepause. Das Jahr 2011 scheint einen Turbo eingebaut zu haben, der uns zu sprachlosen Zeitzeugen eines höllischen Stakkatos an Ereignissen macht. Was könnte der nächste Paukenschlag sein? Die Landung von Ausserirdischen in Sankt Veit an der Glan?

Da fällt mir ein, dass ich einen wichtigen Jahrestag verpasst habe. Inmitten des Tohuwabohus gab und gibt es auch erfreuliche Fussnoten. Dieselbe Spezies, die seit Jahrtausenden versucht, ihren eigenen Planeten in die Luft zu jagen, betreibt seit ziemlich genau fünfzig Jahren auch bemannte Raumfahrt. Am 12. April 1961 flog der Sowjetbürger Jurij Alexejewitsch Gagarin als erster Mensch ins All. Das war, mit Verlaub, ein denkwürdiger Moment. Die „Wostok 3KA-3“-Raumkapsel mit knapp zwei Meter Durchmesser, in der Gagarin unterwegs war, hat einen Platz im Museum verdient. Wenn meine Freundin kein Problem damit hätte, würde ich sie gegebenenfalls auch in unserem Gartenhaus aufstellen, gleich neben der Blechroboter-Sammlung und dem Bücherschrank mit den zerlesenen Science Fiction-Frühwerken.

Die Geschichte der Raumfahrt ist nicht weniger als eine der grossen Visionen und ansatzweise realisierten Träume der Menschheit. Und eine technische Anstrengung par excellence. Zwar lassen sich im Mikrokosmos wohl noch unfassliche Entdeckungen machen (apropos: was wurde eigentlich aus der „fünften Grundkraft“, die vor wenigen Wochen als die grösste wissenschaftliche Sensation seit Jahrzehnten abgefeiert wurde?). Aber der Makrokosmos, der Blick über den Tellerrand der Erdatmosphäre, könnte sich als (Über-)Lebens-Perspektive erweisen, die unseren heutigen beengten Horizont sprengt.

Bevor’s jetzt aber zu sehr ins Pathetische kippt: lesen Sie das Interview mit dem deutschen Astronauten Reinhold Ewald auf „Spiegel Online“. Dass dieser knochentrockene Wissenschaftler „Raumschiff Orion“ und Stanley Kubricks „2001 – Odyssee im Weltall“ als Inspirationsquellen nennt, tapeziert die Seelen-Kapsel eines unbedarften Schreibmaschinisten mit unendlichem Wohlgefühl aus.

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