Würfelpoker

14. Mai 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (109) Mobile Internet-Zugänge wie der „3 Webcube“ sind hübsche Notlösungen. Höchstens.

Gäbe es soetwas wie einen Eurovisions-Contest für Bandbreiten, stünde Österreich nicht am Siegertreppchen. Sondern – Trommelwirbel! – Litauen. Während hierzulande der Ausbau von schnellen Breitband- und Glasfaserleitungen eher zögerlich vorangetrieben wird und sich Konsumenten über Netzzusammenbrüche wegen Überlastung und generell vage, an Bauernfängerei grenzende „bis zu…“-Kapazitätsangaben ärgern müssen, drückt man im ehemaligen Ostblock kräftig auf die Tube.

Teo LT, der grösste einschlägige Anbieter Litauens, hat dieser Tage bekannt gegeben, dass er den Datendurchsatz in seinem Premium-Netz auf 300 Mbps erweitern wird. Ohne zusätzliche Kosten. Beim meistgenutzten Paket sind es immer noch 100 Mbps, während man sich hierzulande schon über 30 Megabit pro Sekunde freuen darf. Und zwar gewaltig. Denn mit Investitionen z.B. in Glasfaserkabel hält man sich auf der Insel der Seligen – mit wenigen Ausnahmen, wie z.B. SilverServer oder Wien Energie – sehr zurück. Litauens Hauptstadt Vilnius ist im Kontrast dazu zu 86 Prozent mit „Fibre To The Home“ versorgt.

Oh ja, es macht einen Unterschied, ob man derlei mit Lichtgeschwindigkeit vorantreibt oder im Post- & Telegraphenamt-Schneckentempo. Glasfaser ermöglicht eine bis zu eine Million mal raschere Datenübertragung als Kupferkabel. Und erzählen Sie einem Unternehmen in einem Industriegebiet in Kärnten, Vorarlberg oder an der Peripherie Wiens, dass es sich mit unterdurchschnittlichen Telekommunikationslösungen zufrieden geben soll. Nein: muss. Wenn die IT-Abteilungen jetzt alles in die „Cloud“ auslagern, wird man sich dort nicht mit ein paar zerquetschen Megabit Up- und Download-Speed herumschlagen. Österreich hat, erklären Experten, vorrangig in den mobilen Sektor investiert und das Festnetz vernachlässigt. Fein für Privatkunden, die gerade mal ein paar e-mails verschicken. Die profitieren von den mörderischen Preisschlachten in dem Bereich. Aber für Profis ist das ein Nebenkriegsschauplatz.

Apropos: ich teste gerade den „3 Webcube“. Sie haben davon sicher schon gehört oder gelesen. Das ist ein wunderlicher weisser Würfel, der für 15 Euro im Monat als WLAN-Hotspot dient und einen unlimitierten Internet-Zugang per UMTS bietet. Wo eine Steckdose vorhanden und der Empfang des „3“-Netzes probat ist, lässt sich der dann blau illuminierte Kubus in Betrieb nehmen. Die Download-Geschwindigkeit, die die Werbung verheisst, wird allerdings nicht erreicht: statt „bis zu“ fünf Mbps erzielt man – empfangsabhängig – mal unter einem, dann wieder mit gut Glück zwei.

Als Notlösung fürs Wochenendhaus ist derlei akzeptabel. Aber ich würde doch mal sanft beim Bürgermeister nachfragen, ob die Gemeinde nicht früher oder später ein Glasfaserkabel ziehen will.

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Eine Antwort to “Würfelpoker”

  1. CEEA Says:

    Danke.
    Heute erst wieder einen neuen Besitzer dieses Würfels erzählen gehört, dass er damit zufrieden ist.
    Direkt in Wien schafft er bei gutem Empfang maximalst 3 MBit.

    Ob gut oder schlecht, muss wohl jeder selber entscheiden. ;)


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