Phönix in der Asche

4. Juni 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (112) Ein Weltkonzern steckt akut in der Bredouille: Sony. Die Krise ist aber auch eine Chance.

Wenn ich so nachdenke, welchen Unternehmen ich im Lauf meines Konsumenten-Daseins am meisten Geld in den Rachen geworfen habe – und zwar freiwillig und lustvoll –, fallen mir Apple, Mazda, Yamaha, Hewlett-Packard und General Motors ein. Am allermeisten habe ich aber an Sony abgedrückt, da bin ich mir ziemlich sicher.

Fast jeder Fernseher der letzten drei Jahrzehnte – vom Trinitron-Röhrenmonster der achtziger Jahre bis zum neuesten 52 Zoll-LCD-Schirm – war ein Sony. In punkto HiFi darf sich der japanische Konzern auch nicht beklagen: vom Cassetten-Walkman, der in Tokyo erfunden wurde, über CD, DAT bis zur seligen MiniDisc habe ich jede Mode mitgemacht. Von der PlayStation ganz zu schweigen. Und dann waren unzählige weitere Alltagshelferlein in meinem Haushalt „made by Sony“, vom Radiowecker bis zum ersten (damals in Österreich noch illegalen) Schnurlos-Telefon. So kommt im Lauf eines Lebens ein erkleckliches Sümmchen zusammen. Immerhin: ein Interview mit dem Sony-Gründer Akio Morita, das ich zu den Höhepunkten meiner Journalisten-Laufbahn zähle, hat ein paar Euro zurückgespielt in die Geldbörse.

In den letzten Jahren verlor ich den einst – neben Panasonic und Hitachi – stolzesten und mächtigsten Konzern der japanischen Unterhaltungselektronik-Landschaft aber zugegebenermassen ein wenig aus den Augen. Den Paradigmenwechsel der Musikindustrie hat Sony verschlafen (oder, schlimmer, falsch darauf reagiert), bei Flachbildschirmen machen Konkurrenten wie LG und Samsung mächtig Druck und bei den Spielkonsolen Nintendo und Microsoft. Aktuell kämpft das Unternehmen mit Milliardenverlusten, imageschädigenden Datenlecks – davon waren 100 Millionen (!) Playstation-User betroffen – und den Nachwirkungen des Jahrhundertbebens samt nachfolgender Atom-Katastrophe. Die bitteren Schlagzeilen für die Konzernspitze wollen und wollen kein Ende nehmen. Der Gigant wirkt angeschlagen. Sony sei „zu gross, um Erfolg zu haben“ spötteln Ex-Mitarbeiter. Analysten werfen dem Unternehmen zunehmend Trägheit, Mut- und Ideenlosigkeit vor.

Ich sage: das hat Sony nicht verdient. Denn jede Krise ist auch eine Chance. Man sollte die Manager-Heerscharen und die Weissmäntel in den Entwicklungslabors nicht unterschätzen. Wenn Sony die Krise übersteht – Glückauf! – und sich der Konzern zumindest partiell neu erfindet, steigt er wie Phönix aus der Asche. Makoto Kikuchi, Chefanalyst von Myojo Asset Management, gibt die Richtung vor: man müsse Produkte entwickeln, für die Kunden mehr Geld zu zahlen bereit sind als bei der Billigsberger-Konkurrenz. „Sony hatte diese Fähigkeit einmal“, so Kikuchi. Oh, ja.

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Eine Antwort to “Phönix in der Asche”

  1. wolferl Says:

    ich hab sicher auch schon recht reingebuttert in Sony, aber da waren es immer die Topgeräte. Heute verbinde ich Sony eher mit mittelmäßiger Qualität und Kundenbevormundung (PLAYSTATION) und nichts Hervorstechendes bei Innovation. Preise: nicht billig aber auch nicht günstig. Das SONY LOGO glänzt nicht mehr in silber, sonder ist grau oder sogar weiß geworden.
    Investor satisfaction statt Customer satisfaction.


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