Der digitale Kiosk

25. Juni 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (115) Aufmerksamkeit ist die neue Währung, heisst es. Wer aber zahlt die alten Strukturen? Und die heutigen Erkenntnisprozesse?

Der besondere Reiz einer Kolumne liegt nicht zuletzt in ihrer Länge. Nein: in ihrer Kürze. Sehen Sie, schon habe ich unnötig Platz verschwendet, weil der Fluss der Gedanken – parallel zur Schreibbewegung der Finger – nicht mit genügender Präzision und Denkschärfe kanalisiert wurde. Nun ist es aber oft tatsächlich alles andere als einfach, komplexe Themen mit knapp zweitausend Buchstaben in wohlgesetzte Worte und Sätze zu fassen. Insbesondere solche aus der weiten (und nicht selten wundersamen, im doppelten Sinn des Wortes) Welt der Technik. Aber darin liegt die Kunst: den Kern einer Sache herauszuschälen und ihn der p.t. Leserschaft schmackhaft zu machen.

Als freier Journalist, der seine diesbezüglichen Versuche da und dort – und zusätzlich in einem eigenen Blog (Sie lesen ihn gerade), der gottlob keine Grenzen für Textlängen kennt – verbreitet, ist mir dies gerade erst wieder misslungen. Offen gesagt: eine Story aus meiner Feder, zu finden im aktuellen „profil“, konzentriert sich auf die plakative Räubersg’schicht’ rund um das Film-Piraten-Portal kino.to, tut sich aber mit der dahintersteckenden Debatte um das Urheberrecht im 21. Jahrhundert schwer. Denn das ist Materie von einer Sprödheit und Komplexität, an der sogar Fachleute (ver)zweifeln. Dabei drehen sich die Kultur- und Wirtschaftskriege der Gegenwart und Zukunft vorrangig um Marktzugänge und Medienkanäle. Der Rohstoff heisst Information, und die begründet – seit zwei, drei Jahrzehnten strikt in Nullen und Einsen zerlegt – unsere Wahrnehmung der Welt.

Fragen Sie ruhig Herrn Fleischhacker, wenn Sie ihn irgendwo sehen, um seine Meinung zum Streit der Zeitungsverleger mit Apple, Stichwort „digitaler Kiosk“. Er wird mir übrigens, hoffe ich, die Werbeeinschaltung für „profil“ nachsehen – zumal das einzige österreichische Nachrichtenmagazin diese Woche mit einer eigenen iPad-App an den Start geht. Endlich. Das kann und sollte man testen, es kostet zunächst nichts. Später dann schon. Ausser man meint, die Recherchen und Erkenntnisse der Redaktion generell gratis beziehen zu müssen – irgendeine dunkle Möglichkeit, den Saugrüssel reinzustecken, findet sich immer. Nur geht so irgendwann den Schreibern und Herausgebern die Luft aus. Und wovor soll sich z.B. ein Karl-Heinz Grasser fürchten, wenn nicht vor der konsequenten Beharrlichkeit der Journalisten? Eben.

Apropos: Sie sollten sich auch die wirklich formidable „Presse“-App mal ansehen (gibt es auch für das iPhone und den iPod Touch). Oder die e-Zeitung gleich abonnieren. Wenn Aufmerksamkeit die neue Währung ist, fände ich das glatt doppelt aufmerksam.

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