Von Klicksgefühlen und Blödmaschinen

16. Juli 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (118) Warum sowohl Papierbücher als auch das iPad – eine Blödmaschine? – mit ins Urlaubsgepäck kommen.

Eigentlich verlangt die Schwerkraft gewisser Themen, genau dort fortzusetzen, wo man letzte Woche einen Punkt gesetzt hat. Oder, zutreffender, ein Komma. Denn der Hype um Google+ wird mittlerweile konterkariert durch die spassige Komplementär-Erfindung von Google– (ausgeschrieben: Google Minus), einem „Anti-Social Network“. Noch ist’s nur ein Gedankenspiel, aber natürlich hat derlei Potential. Alleine die Überlegung, durch einen Minus-/Dislike-Button – derlei fehlt auch bei Facebook – seinem Unmut oder gar glühenden Hass Ausdruck verleihen zu können, macht Misanthropen und Menschenfeinde richtig gut gelaunt.

Aber handelt es nicht um die Rückseite derselben Medaille? Bewegen wir uns tatsächlich schon in solch vorformatierten Bahnen, dass wir für spontane Regungen Buttons brauchen? „Klicks-Gefühle“, wie es mein Lieblings-Netz-Philosoph Peter Glaser wohl nennen würde. Wohlan: meine Freundin erklärt mich sowieso schon seit Jahren zum Computer-Idioten. Immerhin könnte es sein, dass es sich um einen glücklichen Idioten handelt.

Da trifft es sich gut, dass ich gerade ein Buch in die Reisetasche gepackt habe, das den wenig anheimelnden, aber für diese Kolumne probat erscheinenden Titel „Blödmaschinen“ trägt. Geschrieben von den deutschen Kulturwissenschaftlern Georg Seeßlen und Markus März, widmet es sich der individuellen und industriellen „Fabrikation von Stupidität“. Natürlich spielen Medien und Hyper-Medien wie das Internet darin eine grosse Rolle.

Aber ich werde jetzt hier nicht den Oberschlauen spielen und Ihnen das Buch – gewiss keine leichte Urlaubslektüre – ans Herz legen, wenn ich es selbst noch nicht gelesen habe. Vielleicht ist es ja auch nur der übliche Topfen kulturpessimistischer Maschinenstürmer, die sich gesellschaftliche Aufblähungen wie Google+ samt virtuellem Antimaterie-Tank Google– in ihren kühnsten Albträumen nicht ausmalen wollen. So sie denn in ihren Elfenbeintürmen davon überhaupt zu hören bekommen.

Wenn wir schon bei Büchern sind: gezwungenermassen habe ich auch ein iPad im Reisegepäck. Denn als ich neulich bei einem Verlag anfragte, ob man mir nicht Tim Renners neuestes Opus „Digital ist besser“ als Rezensionsexemplar übersenden könnte, lautete die schnöde Antwort: „Unser Kontingent ist bereits erschöpft. Um Ihnen das Buch trotzdem zur Verfügung zu stellen, senden wir Ihnen eine PDF-Version im Anhang.“

Danke. Der Verlag hat offenbar wirklich verstanden, worum es sich in „Digital ist besser“ dreht. Nur verkauft er das etwas, hm, ungeschickt nach aussen.

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2 Antworten to “Von Klicksgefühlen und Blödmaschinen”


  1. Gibt es dann eine Buchbesprechung zu „Digital ist besser“? – gerade für andere, pardon, „Computer-Idioten“, wie mich, wäre das durchaus interessant :-)


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