Zahlbar bei Übergabe

20. August 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (123) Was am Neuwagen-Markt noch dringend fehlt: eine Dacia Duster-Replica zum Dumpingpreis.

Hoch an der Zeit, hierorts wieder einmal ein handfestes Stück Technik auf den Seziertisch zu legen, anstatt sich in Orwell-Szenarien und Zukunftsspekulationen zu verlieren. Man kann sich da nämlich schön täuschen. So schrieb ich vor zwei Jahren – damals war die Krise noch dramatisch neu, mittlerweile hat man sich fast daran gewöhnt –, dass der Wirtschafts-Leithammel des 20. Jahrhunderts, die Auto-Industrie, sich dringend neu erfinden müsse. Es sei quasi ihre letzte Chance. Und saurierhafte Zweieinhalb-Tonnen-Benzinkutschen würden strikt am Markt von morgen vorbeiproduziert.

Was passierte? Heute brummt die KfZ-Industrie mehr denn je. Die Zulassungszahlen sind formidabel – nur ausgerechnet jene der als Instant- & Universal-Zukunftshoffung gepriesenen Elektro-Mobile (noch) nicht. Die längsten Lieferzeiten haben bezeichnenderweise SUVs. Das Kürzel steht für „Sport Utility Vehicles“, also voluminöse Fahrzeuge, die zumindest optisch so tun, als könnte man mit ihnen die Serengeti durchqueren. Natürlich sitzen drin hauptsächlich Senioren, die nie auch nur auf einen Feldweg abbiegen. Der schöne Wagen könnte ja durch aufgewirbelten Staub verdrecken! Das banale Erfolgsgeheimnis dieser Fahrzeugklasse ist die hohe Sitzposition. Und der bequeme Einstieg.

Ich gestehe: auch ich war diesen Sommer über zu Testzwecken mit einem (Billig-)SUV unterwegs, einem Dacia Duster. Der rustikale Karren fährt sich kaum schlechter als ein Mitsubishi ASX oder Skoda Yeti. Und was die Blech-Materialschlacht, die gefälligst die Nachbarschaft zu beeindrucken hat, betrifft, sind auch der GLK von Mercedes-Benz oder der Range Rover Evoque keine Schönlinge. Vergleichsweise. Aber sonst fällt mir zum Dacia wenig ein. Beim besten Willen nicht.

Dafür blieb erst vorgestern mein Blick auf der Website www.spassmarktplatz.de hängen. Dort werden angebliche reale, aber hauptsächlich kuriose bis höchst obskure Angebote von Ebay zusammengetragen. Darunter das Offert, Ferraris, Maseratis, Lamborghinis, Porsches oder gar einen Bugatti Veyron – mit 1001 PS eines der stärksten Serienfahrzeuge der Automobil-Geschichte – zu einem Bruchteil des Originalpreises zu liefern. Als Replica. „Vom Original nicht zu unterscheiden, aber viel wartungs- und kostenfreundlicher“, heisst es. Den Bugatti könne man etwa mit 12-Zylinder-670 PS-Motor von Mercedes bestellen, zu einem Fünftel des ursprünglichen Preises. „Zahlbar bei Übergabe“.

Hübsche Idee. Ich bestell’ mal probeweise einen Duster-Nachbau mit Rasenmäher-Motor. Der Nachbar, aber erst recht der Lieferant wird schauen. Mehr als zweitausend Euro kann der Spass ja nicht kosten.

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3 Antworten to “Zahlbar bei Übergabe”

  1. Georg Says:

    na und wie war das fahrvergnügen (im realen suv)??

  2. Walter Gröbchen Says:

    Unspektakulär. Was für das Fahrzeug spricht (bei dem Preis…)


  3. […] Wie komme ich zu solch einem Urteil – das für Fortschrittsgläubige auf einen Affront hinausläuft? Nun: eigentlich sind mir SUVs (Sport Utility Vehicles) als Fahrzeuggattung eher unsympathisch – zu voluminös, oft protzig-hässlich, technisch meist unnütz überzüchtet. Zugleich ist diese Kategorie aber im Autohandel die mit Abstand erfolgreichste der letzten Jahre. Was einiges über unsere Zeit und alternde Gesellschaft aussagt. Andererseits sollte man nicht zu geschmäcklerisch an die Sache herangehen. Und Phänomene als Journalist tunlichst kühl analysieren. […]


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