Bulb Fiction?

3. September 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (125) Erzwungenes Energiesparen und ewiges EU-Bashing? Ein kosumentenfreundlicher Vorschlag zur Güte.

Zugegeben: das Ende der 60 Watt-Glühbirne, die kuriose Koinzidenz des Stichdatums 1. September mit einer abrupten Verteuerung von Energiesparlampen, die, gelinde gesagt, ungeschickte Kommunikationspolitik und die allseits wogenden Emotionen (jetzt gibt es sogar eine Film-Doku namens „Bulb Fiction“) lassen mich auch nicht kalt. Was aber, wenn man zu dieser Thematik längst alles gesagt hat?

Ich kann meinen Fingerzeig nur wiederholen: lassen Sie quecksilberhaltige Ersatzbirnen im Regal liegen. Und bitten Sie einen Fachhändler, Ihnen (noch) teure, aber sehr effiziente und tadelloses Licht abstrahlende LED-Lampen zu zeigen. Das ist die Zukunft. Vielleicht sollten sich die Hersteller ja mal zusammentun und – meinetwegen sogar EU-gefördert – eine Aktion starten: jeder Konsument bekommt ein Musterstück zum Ausprobieren im eigenen Haushalt. Zum Preis einer alten Glühbirne. Derlei würde die allgemeine Matschkerei und jede Verschwörungstheorie dorthin befördern, wo das Gaslicht, die Petroleumlampe und der Kienspan längst gelandet sind: auf dem Misthaufen der Geschichte.

In einem Punkt muss ich den Gegnern der EU-Glühlampen-Verordnungen aber recht geben: Zwang war noch nie ein gutes Instrument der Überzeugung. Warum hat man die Argumentation für das Gute, Wahre, Schöne – und, ja, Notwendige – nicht dem vielbeschworenen Markt überlassen? Wenn ich mit simplen Leuchtmitteln bei gleicher (oder zumindest vergleichbarer) Lichtqualität jede Menge Energiekosten sparen kann, müsste das eigentlich früher oder später jeden Depp überzeugen. Rechnen lernt man ja schon in der Volksschule.

Und wenn schon mehr oder minder sanfter Druck, dann sollte er vorrangig den Hardware-Herstellern gelten. Dass z.B. immer noch TV- und HiFi-Geräte, PCs und Espressoautomaten mit Stand-by-Verbrauchswerte von zehn Watt Watt und mehr in den Geschäften zu finden sind, ist absurd. Manche haben nicht mal einen richtigen Ein-Aus-Schalter. Oder ein ausgelagertes Steckernetzteil. Dass solche Geräte oft wie blöd Strom verbrauchen, auch wenn sie vermeintlich ausgeschaltet sind, sollten zumindest Elektrofachhändler verinnerlicht haben. Und auch renitenten „Geiz ist geil“-Kunden zuflüstern.

Nochmals ein pragmatischer Vorschlag an alle Ketten, Shops und Händler: geben Sie ihren Kunden zum Selbstkostenpreis eine Steckdosenleiste mit integriertem Schalter mit. Das ist eine Geste der Vernunft. Und der Konsumentenfreundlichkeit. Abgesehen von der Überraschung und Eigenwerbung: im ganzen Land ginge so manchem ein Licht auf.

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Eine Antwort to “Bulb Fiction?”


  1. […] darüber lässt sich heute noch lachen. Morgen dann eventuell nicht mehr. Oder aber, weil sich die Entwicklung im Rückblick als durchaus positiv erweist, eben doch. Aus vollem […]


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