Servus & Pfiat‘ Di

15. Oktober 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (131) Das musste ja kommen – “Sankt Onlein”, eine heimische Alternative zu Facebook & Co.

Papier, Papier, Papier. Es verstopft meinen Postkasten. Und es ist immer die falsche Sorte Papier: Mahnungen, Rechnungen, Werbeprospekte, H.C.Strache-Flugblätter und sonstiger Müll. Hat kein Mensch bestellt. Seltsamerweise schafft es die Post nicht (oder jedenfalls nicht regelmässig), mir jene Papierprodukte in den Briefschlitz zu stecken, die ich abonniert habe und tatsächlich auch gerne in Empfang nehme. Die wöchtliche Ausgabe des „Spiegel“ etwa, das „profil“, das „Format“, „Datum“ und ein paar ausgesuchte Fachmagazine. Alle paar Wochen urgiere ich, mir diese Printerzeugnisse pünktlich und verlässlich zuzustellen, aber es klappt nicht recht.

Ägerlich. Und zu allem Überdruss verhöhnt mich dann noch die „Wiener Wirtschaft“. Das gruselig designte, dafür weitgehend inhaltlose Zentralorgan der Wirtschaftskammer liegt nämlich immer im Postfach. Unerbittlich. Woche für Woche. Unlängst erst mit der heissen Schlagzeile „Internet treibt Wandel der Medienbranche voran“. Oho! Ich stelle mich schon innerlich darauf ein, dass uns Frau Jank und Herr Leitl nur mehr aus dem World Wide Web entgegengrinsen. (N)on demand. Ein wenig Zeit – und eine letzte Gnadenfrist für die Post AG, die, nebst anderen an den Tonnen unverlangt zugesandten Zeitungspapiers gut verdient – wird uns vor diesem radikalen Schnitt noch bleiben. Schätzomativ so fünfzehn bis fünfunddreissig Jahre.

Aber auch das Elektropostfach quillt über. „Du bist als Freund hinzugefügt worden“, verriet mir diese Woche unschuldig ein e-mail. Wie bitte?, dachte ich bei mir, ich habe doch schon fünftausend Facebook-Freunde, mehr geht nicht. Aber es war nicht Marc Zuckerberg, der anklopfte. Sondern Sankt Onlein. Das ist kein Scherz. Sondern, so die Eigendefinition, „die digitale Hauptstadt Österreichs“. Eine Art Austro-Variante von Facebook, Google+ & Co. Man wird hier mit „Servus“ begrüsst und trifft „seine Leut’“. Folgerichtig wird man hier auch nicht „befriendet“, sondern muss sich an „An-Leuten“ gewöhnen. Der Hausmeister heisst Anton.

Die zentrale Agora ist „Der Onleiner“, wiederum laut Eigenangabe „Österreichs erstes Social Newspaper“. Da lächelt mir auf der Titelseite Hubert von Goisern entgegen. Und gleich daneben Bernd Schlacher, jener Szene-Gastronom, der mir die Sankt Onlein-Einladung übermittelt hat. Danke. Aber bin ich in Nachbarschafts-Digitaltratschlaune? Und braucht es wirklich eine regionale Alternative zu den globalen Social Media-Giganten (die auch so ihre eigenen Probleme haben oder verursachen)? Wir werden sehen. Ist ja auch eine Zeitfrage. Jedenfalls fällt der Abschied technisch-bürokratisch leichter als bei Facebook. Der entsprechende Button heisst schlicht „Pfiat’ di“.

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