Antiterrorkommando

3. Dezember 2011

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (138) Jetzt ist die beste Zeit, um ein Wunschzettel–Posting ans Christkind zu schreiben. Bisweilen hilft’s.

Es geschehen noch Zeichen und Wunder. Selten, aber doch. Denn gelegentlich hat man als Konsument das Gefühl, dass sich der Alltag verbessert, erleichtert, positiv entwickelt. In winzigsten Details, aber immerhin.

Da erklärt ein Produzent, auf einen vielfach geäusserten Käuferwunsch hin ein bestimmtes Produkt ändern zu wollen. Dort schraubt ein Möbelfabrikant ab sofort seine Erzeugnisse andersrum zusammen (oder, eher, wir an seiner statt) – und, siehe da!, es klappt viel einfacher. Und hält länger. Manche Händler weigern sich, Montagsprodukte, Scherzkekskonstruktionen, Billig-Plastik-Giftbomben aus China und plumpe Energieverschwender weiter im Programm zu führen. Und dann kommt auch noch der ORF auf die Idee, ein Übel aus der Welt zu schaffen, von dem man meinte, bis in alle Ewigkeit damit leben zu müssen: den Lautstärkeunterschied zwischen Werbung und Programm.

Das Szenario ist allseits vertraut: ein entspannter Fernsehabend. Man verdrückt zum kontemplativen Ende eines Tränendrücker-Hollywood-Schinkens hin genussvoll eine Träne. Und dann knallt einem plötzlich – soetwas wie einen Abspann kennen die TV-Strategen von heute nicht mehr – ein Werbespot nach dem anderen um die Ohren. Dass es nur so kracht. Aber hallo! Wer immer meint, die Lautstärke der Reklamefilmchen so „optimieren“ zu müssen, dass man sie auch gewiss nicht überhört, hat noch nie den sekundenschnellen Griff zur Fernbedienung in Millionen Haushalten beobachtet. Die „Mute“-Taste gilt als Not-Aus-Knopf des gemeinen Fernsehzuschauers. Und die Werbewirtschaft sieht in die Röhre. Weil sie es jahrelang nicht geschafft hat, ihr kontraproduktives Verhalten zu hinterfragen. Oder auf langfristige Abstumpfung setzt.

Ehre aber, wem Ehre gebührt: das soll sich anno 2012 ändern. Nur bei den öffentlich-rechtlichen Sendern allerdings, die privaten TV-Mogule wollen weiterhin ihre Seher dezibeltechnisch terrorisieren. Tja. Manche lernen es halt nie. Oder nur auf Druck hin. Von oben. Oder unten. Für letzteren stehen die Zeichen der Zeit gar nicht schlecht: im World Wide Warenwirtschafts-Web hält der Konsument Szepter und Reichsapfel in der Hand. Schreiben Sie ruhig Ihrem Programmchef, was Sie davon halten. Öffentlich. Online. Am trefflichsten in jenen Foren und virtuellen Promotionflächen, die man zu Ihrer Zerstreuung und Unterhaltung eingerichtet hat. Die lassen sich auch anderweitig nutzen.

Nebstbei: auch ich nehme gerne – das Leben ist keine Einbahnstrasse – Vorschläge für Verbesserungsmöglichkeiten entgegen. Nur her damit! So eine kleine Kolumne entwickelt oft mehr Hebelwirkung, als man meint.

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Eine Antwort to “Antiterrorkommando”


  1. […] habe ich aber im Kontrast dazu erst unlängst aufgerufen, mir irdische Sorgen und Nöte, zuvorderst den Technik-Alltag betreffend, mitzuteilen. Friedrich G. […]


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