Hummer-Los

7. Januar 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (142) Beim “Feuerwerk der Pferdestärken” fallen die Potenzraketen Hummer und Maybach aus. Für immer.

Neulich sah ich das peinlichste Fahrzeug der Stadt. Wenn nicht ganz Österreichs. Es handelt sich um einen weiss lackierten Hummer mit Wiener Kennzeichen. Nun sind Hummer – das Trumm trug nicht zufällig die Aufschrift „Military“ an seinen Flanken – an sich schon ultrapeinlich. Hier handelte es sich aber um eine Stretchlimo (!)-Ausführung.

Man muss sich das so vorstellen: ein ca. sieben Meter langes, mit dunklen Scheiben hochgerüstetes Potenzmittel auf Rädern, das in engeren Gassen kaum um die Ecke kommt. Es soll Leute geben, die sich in solch einer Limousine von Nachtclub zu Nachtclub transportieren lassen. Und das auch noch originell finden. Oder so. Eventuell hat man ja Vertragsbedienstete der Zulassungsbehörde mit einer kleinen Spritztour bestochen, anders kann ich mir die Legalität des alltäglichen Strasseneinsatzes der aufreizenden Blech-Inszenierung nicht erklären.

Geschmäcker und Ohrfeigen sind bekanntlich verschieden. Sensibleren Gemütern mag tröstlich erscheinen, dass die Marke Hummer inzwischen den Weg alles Irdischen gegangen ist. Das letzte Fahrzeug – Modell H3 – rollte am 24. Mai 2010 vom Band. Interesse, die Privatpanzer weiter zusammenzuschrauben, hat man bei Avtotor in Kaliningrad und der Sichuan Tengzhong Heavy Industrial Machinery Company im chinesischen Chengdu geäussert. Aber es scheint nichts draus geworden zu sein. Wo lassen die Hummeristen nun ihr Jahresservice machen? Gute Frage.

Ein ähnliches Problem haben auch die Besitzer der Luxusmarke Maybach. Auch hier hat der Markt gnadenlos dereguliert: die Modelle 57 und 62 – letzteres das längste Serienauto der Welt – wurden wegen mangelnden Zuspruchs eingestellt. Milliardäre müssen jetzt wieder zu schnöden Daimlers, Rolls Royces und Bentleys greifen.

Kleiner Fingerzeig: wer sich nach weiteren Alternativen umschauen möchte, kann sich demnächst auf der „Vienna Autoshow“ umtun. Ein „Feuerwerk der Pferdestärken“ erwarte alle Messebesucher, trommeln die Ausrichter im Vorfeld ihrer Grossveranstaltung. Schiefe Sprachbilder halten jedenfalls keinen Autonarren davon ab, das Wiener Messegelände als Ziel ins Navi einzugeben. Zuletzt waren es rund 150.000, die die Leistungsschau heimsuchten – vom 12. bis 15. Jänner schieben die heimischen Automobilimporteure wieder vierhundert Familienkutschen, Concept Cars, Neu- und Show-Fahrzeuge auf 25.000 Quadratmetern zusammen, um Marken und Modelle im besten Licht zu präsentieren.

Sollten Sie vor Ort weinende Hummer- oder Maybach-Nostalgiker antreffen, sprechen Sie Ihnen Trost zu.

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