Funkverbindung

15. Januar 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (143) “Airplay” ist bequem, aber nicht ohne Macken. Trotzdem ist die HiFi-Zukunft eine drahtlose.

Der Käuflichkeit geziehen zu werden, ist für einen Journalisten kein geringes Problem. Auch der Vorwurf der Gutgläubigkeit oder gar Inkompetenz macht keinen schlanken Fuss. Allerdings kann man getrost abwinken, wenn es sich einmal mehr um den alten Glaubensstreit Apple oder Nicht-Apple dreht. Schreibt man positiv, eventuell sogar begeistert über Produkte der kalifornischen Firma, wird man von Anhängern anderer Ersatzreligionen gern als „Fanboy“ oder eben gar als gedungener PR-Agent denunziert. Auch wenn man das mitnichten ist. Die demütigende Offensivkraft von Apple – sowohl technisch wie auch geschäftlich – lässt die Konkurrenz (lange Jahre war das zuvorderst Microsoft) und ihre Apologeten immer wieder mal in die tieferen Schubladen greifen.

Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich – kaum, dass ich über Apples „Airplay“-Technolgie berichtete, die unkompliziertes Musik-Streaming im privaten Haushalt ermöglicht – böse Leserbriefe bekam. Des Inhalts, dergleichen gebe es ja auch unter anderem Namen (nämlich „DLNA“ oder „UPnP“). Oder von spezialisierten Herstellern (etwa Sonos). Und überhaupt sei die Apple-Entwicklung eine Art Falle, die den Nutzer an die Software iTunes und Fremdhersteller an ein proprietäres, geschlossenes System ausliefere. Gegen deftige Lizenzgebühren.

Nun: das ist nicht unrichtig. Aber Apple schafft es ungebrochen, die Aufgabenstellung zumeist etwas cleverer, konsumentenfreundlicher, eleganter als der Rest des Feldes zu meistern. Und lässt sich gern extra dafür bezahlen. Das ist nicht verboten. Im Gegenteil: der Erfolg der Marke spricht Bände. 2012 soll ja auch der erste Apple-Fernseher auf den Markt kommen. Bin ehrlich gespannt, was ihn von all den anderen TV-Fabrikaten unterscheiden könnte.

Aber ich nehme mir nun – versprochen ist versprochen – auch die „Airplay“-Konkurrenz vor. Der Wiener HiFi-Entrepreneur Heinz Lichtenegger („Pro-Ject“) etwa setzt ganz auf DLNA und verzichtet absichtlich auf die Apple-Duftspur; warum, wird er uns in der nächstwöchigen Kolumne erklären. Bis dahin habe ich einen kleinen, feinen Hinweis: es geht auch ganz ohne Netzwerktechniken, Passwörter und WLAN-Schlüssel. Der Audio-Spezialist NAD hat mit dem „Wireless USB DAC 1“ ein kleines Kästchen im Angebot, das einerseits als Soundkarte und Digital/Analog-Konverter den Klang ihres Laptops oder Homecomputers aufmöbelt, andererseits aber auch als Empfangsstation (mit eigenem Frequenzband) dient. Ein noch kleineres Kästchen dockt per USB-Anschluss an ihrem Rechner an – und schon funkt die Sache. Ohne Brösel. Ohne komplizierte Installation. Ohne Glaubenskrieg.

Soviel vorweg: das schafft „Airplay“ nicht. Jedenfalls nicht ganz. Darüber wird zu reden sein.

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3 Antworten to “Funkverbindung”


  1. […] die Bank. Aber das eine oder andere Detailproblem soll, nein: darf nicht unerwähnt bleiben. Sie erinnern sich vielleicht – vor Weihnachten hatte ich angekündigt, mir HiFi-Bausteine mit […]


  2. […] Das kleine Stück Technik, das man direkt an die Steckdose steckt, nutzt die gängigen Protokolle Airplay und UPnP/DLNA, um Sie z.B. mit ihrem Smartphone zu verbinden. Kostet keine fünfzig Euro – und […]


  3. […] gelegt: eine Pro-Ject Streambox DS. Mindestens gleiche Qualität und Funktionalität (abgesehen von Airplay), meinen sie, zum günstigeren Preis! Jetzt müssen sie mir das Ding doch glatt noch mal drei, vier […]


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