Auf Foto-Safari

4. Februar 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (146) Wer braucht noch Feldstecher, Fernrohre und Teleskope, wenn schlichte Zoom-Kameras alles ganz nahe rücken?

Megapixelrekorde machen noch keine gute Kamera. Das gilt inzwischen als allgemein bekannt, sogar unter weithin technikabstinenten Hobbyfotografen. Aber gelegentlich greift die triviale Regel „Mehr hilft mehr“ dann doch. Zumindest in punkto Brennweite. Etwa auf einer – bei den eisigen Temperaturen im fernen Europa besonders attraktiven – Safari im Tsavo National Park in Kenia. Auf knapp 22.000 Quadratkilometern, einer Fläche grösser als Niederösterreich, kann man hier allerlei exotische Lebewesen vor die Linse bekommen: Löwen, Elefanten, Giraffen, Nashörner, Zebras, Gazellen und Büffel sonder Zahl. Tierisch!

Die wahren Rindviecher sitzen dabei allerdings nicht selten in den Touristen-Jeeps und Kleinbussen, die auf den rötlich-lehmigen Feldwegen quer durch die Landschaft preschen. Denn bei einer Fotosafari ist es nunmal kein Ausweis besonderer Schläue, auf sein Smartphone, eine Kodak Instamatic (apropos: Ruhe wohl, Traditionsmarke! Dein Todeskampf war lang und schmerzlich) oder sonst eine Billig-Plastikkamera zu setzen. Zwar bemühen sich die Guides, möglichst nahe an die – ob der Auto-Karawanen erstaunlich gelassene – Fauna heranzukurven. Aber ein scheues Impala bleibt ein scheues Impala. Und die freie Wildbahn ist kein Streichelzoo.

Um die Distanz zu verringern, hatte ich eine wahre Wunderwaffe im Reisegepäck: eine Canon Powershot SX40 HS. Die relativ klobige Kamera bietet eine treffliche Kombination aus optischem Bildstabilisator und einem 35-fach (!)-Zoom. Die niedrige Auflösung des Suchers und Displays erschien mir da weitgehend nebensächlich – denn egal, was in weiter Ferne kreuchte und fleuchte, man konnte abdrücken. Und auf ein gutes Resultat vertrauen (was sich dann daheim beim Foto-Archivieren bestätigte). Selbst die Safari-Profis mit ihren Spiegelreflexgehäusen und mächtigen Tele-Wechselobjektiven sahen da ein bisschen alt aus dagegen. Wer will schon tonnenschweres Equipment durch die Steppe schleppen?

Die Mega-Zoom-Klasse führt in einem solchen Umfeld mehr als ein Nischendasein. Auch Panasonic, Fuji, Sony, Olympus, Casio und Pentax beackern das Feld, Nikon hat gerade mit der P510 ein Modell mit 42-fachem Zoomfaktor vorgestellt. Das entspricht einer Kleinbild-Maximalbrennweite von 1000 Millimetern – Weltrekord! Fazit: Zoom Angewöhnen. Bald wird man mit den Dingern dem Mann im Mond auf den Pelz rücken können.

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Eine Antwort to “Auf Foto-Safari”

  1. CEEA Says:

    Klingt spannend.
    Wo darf man die Fotos bewundern?

    Als Besitzer einer DSLR würde ich trotzdem mit „schwerem“ Gerät dort anfahren.
    Es geht halt nichts über so ein nettes Spielzeug wie eine 7D oder dgl. ;)


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