Fashionistas & Bergbauernmädel

25. Februar 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (149) Der eleganteste Trick, uns ein Smartphone zu verkaufen, ist „Prada“ draufzuschreiben.

It’s a dirty job but someone’s gotta do it. Nachdem Herr Vasek im „Falter“ seit ein paar Wochen partout nicht mehr über neue, neueste und allerneueste Mobiltelefone berichten will (hat er gar die letztwöchige Kolumne gelesen?), liegt es an mir, auf Lifestyle-Berichterstattung umzuschwenken. Die Prozessoren und Innereien der Geräte sind eh alle baugleich – IT-Diplomingenieure werden mich da amateurhafter Unschärfe zeihen, aber wen interessiert das schon –, also wenden wir uns gleich dem Modefaktor zu.

Telefonieren ist bei Smartphones ja nur mehr eine Nebenfunktion. Für Fashionistas (das scheint mir eine noblere Bezeichnung für „Fashion Victims“, also Opfer der Modeindustrie, zu sein) sind die High Tech-Tools vorrangig trendige Accessoires. Insofern darf es niemanden wundern, wenn es – neben eigenen Nobelmarken wie Vertu – Handies von Jil Sander oder Armani gibt. Und selbstverständlich auch eins von Prada.

Sie werden lachen: mir gefällt das Prada (exakter: das Modell „P940 Prada phone by LG 3.0“). Nicht, dass ich eines besässe, aber ich hab’ mal einen längeren Blick über die Schulter einer Frau geworfen, die das tut. Eigentlich ist das schicke Teil ja ein schnödes Android-Handy des koreanischen Massenherstellers mit Dual Core-Prozessor und „typischem Saffiano-Dekor“ (ich habe jetzt keine Lust, extra nachzugooglen, was das zu bedeuten hat). Doch die Benutzeroberfläche ist die eleganteste, die mir bislang untergekommen ist.

Nicht so zuckerlbunt wie Apple, nicht so streng stylish wie die neue Nokia-Generation, nicht so verspielt, geschmacksunsicher und unlogisch wie all die Nachahmer, Me Too-Fabrikate und Fernost-Plagiate. Das Smartphone von Prada trägt Schwarz-Weiß. Und fällt mit diesem radikal reduktionistischen Schritt ziemlich aus der Reihe. Das Statement lautet: Eleganz ist gleich Schlichtheit. Wer protzen will, soll sich weiterhin Swarovski-Kristalle auf die Plastikoberfläche kleben.

Man muss übrigens keine Fashion-Tussi sein, um den einen oder anderen technischen Mehrwert von Smartphones nicht zu entdecken. Neulich postete eine Freundin auf Facebook Folgendes: „Bistdudeppert, das Bergbauernmädel rafft es nicht mehr – ich kann das Handy als Modem fürs Netbook benutzen! Pure Science Fiction!“ Ja, das geht tatsächlich (abhängig von Ihrem Tarif und Anbieter). Bei meinem iPhone z.B. heisst diese Option, von Experten „Tethering“ genannt, „Persönlicher Hotspot“. Derlei erspart unterwegs die Suche nach WLAN-Anbindungen und „Free WiFi“-Spelunken. Ziemlich praktisch. Sie können ja demnächst Ihren Mobilfunkberater fragen, warum die Netzanbieter das nie zur grossen Mode erklärt haben…

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