Tryin‘ to remember how to forget…

3. März 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (150) Stichwort: Datensicherung. „Time Machine“ stellt ihr altes Leben problemlos wieder her… Sagt Apple. Wär‘ schön, sage ich.

Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich jetzt nicht weiter um den Unterhaltungs- oder gar Nutzwert dieser Kolumne kümmern kann, aber ich bin gerade mit Wichtigerem beschäftigt. Mit der Rekonstruktion meines Lebens nämlich. Okay, das ist vielleicht eine Spur übertrieben. Aber es fühlt sich so an. Im Augenblick, da ich diese Zeilen in die Tastatur hämmere, sitze ich vor drei aufgeklappten Notebooks, einer Tasse Kaffee (einer von vielen nach einer durchwachten Nacht) und einem mannshohen Stapel Fachlektüre. Immerhin, das Schreibprogramm funktioniert noch. Ob ich allerdings einen Fahrradboten anheuern oder Brieftauben züchten muss, um das fertige Manuskript in die Redaktion zu übermitteln, wird sich noch weisen.

Die Sache ist die: die Festplatte meines Laptops ging ex. Zuerst wurde alles langsamer und langsamer, ich konnte meinem Rechner schon förmlich beim Hin- und Herschieben der Nullen und Einsen zusehen. Dann ging gar nichts mehr. Blackout. Ich trug das Gerät zum Reparaturservice. Dort wollte man zur Art des Fehlers und zur Dauer der Reparatur keine Prognosen wagen. Was mich pragmatisch dazu veranlasste, meinen Uralt-Laptop, den Vorgänger des defekten Geräts, aus dem Kasten zu holen und hurtig weiterzuarbeiten.

Denkste! Denn natürlich waren die Daten hier nicht auf dem neuesten Stand. Im Gegenteil: mir fehlten nicht nur aktuelle Unterlagen, Adressen und Telefonnummern, sondern vor allem die Mails der letzten drei Jahre. Und da ich den Schriftverkehr mit Freunden, Künstlern, Klienten und Kunden als eine Art persönliches Archiv betrachte (und vor allem auch so nutze), tat die augenblickliche Rückgeworfenheit auf das eigene Gedächtnis ziemlich weh. Ich fühlte mich wie Harry Dean Stanton, der sich im Film „Paris, Texas“ darbend und ohne Erinnerungsvermögen durch die Wüste schleppt.

Nun ist mir natürlich „Datensicherung“ kein Fremdwort. Deren zwingende und konsequente Notwendigkeit wird einem in solchen Momenten schlagartig bewusst. Und ich hatte ja auch vorgesorgt. Als Apple-Jünger betreibe ich seit einigen Jahren eine sogenannte „Time Capsule“, die das Thema Data Recovery zum Kinderspiel erklärt. Zumindest in der Werbung. Denn als ich die Datensätze mittels „Time Machine“ aus der Sicherungs-Festplatte saugen wollte, landeten zwar jede Menge Gigabytes auf meinem alten Notebook. Und die Struktur meines virtuellen Briefkastens, inklusive aller Ordner und Brieffächer, die mein Leben darstellen. Allein: sie waren leer. Und sind es immer noch. Da ist nichts, nada, null. Keine Ahnung, wo all die tausenden Mails abgeblieben sind. Soll ich die Zeitkapsel aufstemmen? Versuchsanordnungen mit einem zusätzlichen, nigelnagelneuen Notebook und meinem inzwischen vom Reparaturservice retournierten Gerät (man soll die Daten nur auf das „Ursprungsgerät“ zurück übertragen, rät Apple, aber was tut man z.B., wenn’s einem geklaut wurde?) schlugen jedenfalls fehl. Bislang.

Ich versuche mich nun – gemäss dem denkwürdigen alten Plattentitel „Tryin‘ to remember how to forget“ – akut daran zu erinnern, ob ich nicht irgendetwas vergessen habe. Oder wie ich die Malaise insgesamt aus meinem Gedächtnis löschen könnte.

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7 Antworten to “Tryin‘ to remember how to forget…”

  1. Klaus Joachim Maria Schmid Says:

    habe von einem Apple Sevice Provider eh den Tipp bekommen ,die Festplatte ab und an mit Carbon Copy Cloner auf einer externen Festplatte zu sichern…
    Gruß
    Klaus

  2. Walter Gröbchen Says:

    Gute Empfehlung. Hätte ich sie früher gelesen…

  3. uli z. Says:

    Ich sichere auf die TC ned mit Time Machine, sondern direkt-händisch, quasi auf TC als externen Datenträger.
    Hat mir schon einmal den Popo gerettet…!

  4. ms Says:

    da gabs wohl einen bug, und jetzt gibts ein update dass das fixt: http://9to5mac.com/2012/03/05/apple-fixes-time-machine-issues-with-mac-os-x-10-7-3-supplemental-update/ – hoffe es hilft :)


  5. […] « Tryin’ to remember how to forget… […]

  6. Michael Schober Says:

    Hatte nach einem Festplattentausch bei einem iMac das gleiche Thema. Ich konnte mit der kostenlosen app Backuploupe allerdings die Time Machine Daten scannen und den Letztstand wieder zusammen setzen. Diese Daten habe ich dann manuell den Usern des iMacs wieder aufgespielt.


  7. Hallo Walter,

    da ich vor Urzeiten Deine Beiträge in der Musicbox sehr genossen habe (z. Bsp. über REM, die ich erst dadurch so richtig kennen lernen konnte), versuche ich Dir bei Deinem TimeMachine Problem zu helfen:

    1) Bist Du auf dem Rechner mit der defekten Harddisk von Tiger (MacOS 10.4) auf Lion (10.7) gewechselt? Dann kannst Du vermutlich manche Ordner Deines TM (TimeMachine)-Backups nur leer, d.h., ohne beeinhaltende Dateien kopieren/wiederherstellen.

    2) ein mühsamer Workaround ist, bei den betr. Ordner mit CMD+I die Berechtigungen anzusehen. Falls Da bei den Eigentümern „wheel“ steht, musst Du die Ordnerinhalte extra kopieren, falls dort „fetching“ steht, geht das Kopieren der Ordnerinhalte angebl. problemlos.

    3) Nachdem Du alles wiederhergestellt hast, würde ich das TM-Volume formatieren und über die Systemeinst. Time Machine neu als Backupmedium auswählen.

    Frag mich, wenn Du noch Hilfe brauchst.

    Lt. einem Thread in den Appleuser-Foren bist Du damit nicht alleine: http://bit.ly/xa6DnO


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