Weisser Hase, schwarzer Stecker

12. Mai 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (159) Nach dem Smartphone wird nun auch die Steckdose intelligent. Wo steuern wir hin?

Apps, Apps, Apps. Mittlerweile beherrschen die smarten kleinen Applikationen mit den zuckerlbunten Logos unseren Alltag. Diese spielerische Form der Darreichung von „Anwendungsprogrammen“, also zweckdienlicher Software für den Hausgebrauch, scheint der Multitasking-Unwilligkeit (eventuell auch -Unfähigkeit), die offenbar in uns allen steckt, enorm entgegenzukommen. „One pill makes you larger / and one pill makes you small“, sangen schon Jefferson
Airplane in ihrer Sixties-Pop-Hymne „White Rabbit“. Die meinten damit zwar Lysergsäurediethylamid und andere Drogen, aber allzufern sind da auch die digitalen Beruhigungspillen für den Durchschnittsnerd nicht.

Man sollte keineswegs den Fehler machen, die Miniatur-Programme zu unterschätzen. Ihre Mächtigkeit und Universalität erschliesst sich oft erst in Verbindung mit Hardware, der sie – vorzugsweise gesteuert via iOS- oder Android-Smartphone – sanft ihren Willen aufzwingen. Gibt es überhaupt noch Menschen da draussen, die z.B. „normale“ Fernbedienungen benutzen? Gewiss, eine überspitzte rhetorische Frage. Noch. Denn demnächst wird man wohl auch die Temperatur des Badewassers, den Stromverbrauch des Kühlschranks oder die durchschnittliche Schnarch-Dauer und -Intensität des Lebensabschnittspartners über eine App kontrollieren.

Wie das? „QGate“, die Entwicklung eines österreichischen StartUp-Unternehmens, hat zu diesem Zweck eine „schlaue Steckdose“ mit integrierter Funkanbindung (868 MHz) entwickelt, die mit einem Energiemesser, einem Helligkeits- und Temperatursensor, einem Mikrofon und einer eigenen SIM-Card ausgestattet ist. Das Ding lässt sich via Mobiltelefon von überall auf diesem Planeten an- und ausschalten. Und sogenannte „QApps“ – clevererweise lässt man die Entwicklerumgebung für jeden Hobbyprogrammierer offen – sagen dann dem Zwischenstecker, was er genau tun oder lassen soll. Fehlt nur mehr ein fernsteuerbarer Roboterarm.

Von einem „Schweizer Messer der digitalen Nomaden“ spricht denn auch „QGate“-Vermarkter Martin Buber. Dann noch ein „On/Off“-Schalter für das, was wir Realität nennen, und eine App für Instant-Glück, Geld und Schnarchfreiheit – und er ist ein gemachter Mann.

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