Up! & Down

17. Juni 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (164) Benzinpreis hin, Konservativismus her – solange Elektroautos als Exoten gehandelt werden, sind sie keine Alternative.

Von all den kuriosen Konstruktionen, die uns die Kfz-Industrie als vielversprechende Entwürfe der Post-Benzin-Ära anzudienen versucht, ist der Renault “Twizy” aktuell die vergnüglichste. Zumindest optisch.

Dieses Vehikel – eine Kreuzung aus Kabinenroller, Marsmobil und dem legendären “Star Wars”-Roboter R2D2 – existiert nicht nur auf dem Reissbrett von Zukunftsforschern. Sondern rollt tatsächlich über Österreichs Strassen. Angeblich. Denn leibhaftig gesehen habe ich “Twizy” noch nicht. Nirgendwo. Auch jeder meiner Versuche, bei Renault Österreich ein Fahrzeug für eine Testfahrt zu ergattern, schlug bislang fehl. Vielleicht ist der futuristische Cityflitzer ja nur ein Gag, um Aufmerksamkeit zu generieren, und man muss ihn gar nicht verkaufen. Aber irgendeine Ansage seitens der Pressestelle wäre schon nett, irgendwie.

Um meinen Frust zu besänftigen, will ich die Konkurrenz loben. Die besteht für innovativ-exotische Elektromobile ungebrochen in ausgereiften und spritsparenden Benzinkutschen. So mietete ich unlängst am Hamburger Flughafen ganz bewusst den “Up!” von Volkswagen. Die Dame am Schalter meinte lächelnd, das wäre eine gute Entscheidung – sie selbst hätte das Modell probegefahren und wäre überrascht gewesen, wie “erwachsen” es im direkten Vergleich zu ihrem privaten Fiat 500 daherkomme.

D’accord! Denn für ein Einstiegsangebot – der “Up!” kostet in der Basis-Variante unter 10.000 Euro – ist das ein absolut brauchbares Fahrzeug. Zwar Plastik, soweit das Auge blickt, aber mit Chic und Stil. Spartanik ist sowieso der neue Luxus. Und der 75 PS-Benziner als Motor zieht ordentlich an. Da passen dann auch die sportlich geformten Sitze ohne Extra-Kopfstütze. Platzangst hat man im “Up!” – ganz im Gegensatz, wie ich vage vermute, zum “Twizy” – erstaunlicherweise nicht. Sogar die Langstrecke Hamburg-Berlin und retour war entspannt machbar. Nur über realistische acht Liter Verbrauch im Stadtverkehr – der Prospekt spricht von 4,7 Litern, beim 60 PS-Basismotor gar nur von 4,2 Litern – muss man sich doch ein wenig wundern.

Aber bald soll ja das Wägelchen auch mit Elektroantrieb erhältlich sein. Mit Wertsteigerung unter verschrobenen Exoten-Sammlern ist bei keiner Variante zu rechnen. Die sollten sich ungeniert auf das Renault-Ei konzentrieren.

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5 Antworten to “Up! & Down”

  1. Josef Kaser Says:

    In Velden am Wörthersee habe ich diesen ominösen Renault gesehen. Er ist das unnötigste was man umso viel Geld kaufen kann.

  2. andlon Says:

    Einen Twizy gibt es im ÖAMTC Fahrtechnikzentrum Teesdorf. Wird gerne für Schleudertrainings verwendet.

  3. MAK Says:

    Der Twizy ist gerade in der Ausstellung MADE 4 YOU. Design für den Wandel im MAK zu sehen, und vom 2. bis 7. Oktober 2012 kann man ihn dort auch testen.


  4. […] an ein Golfwägelchen nämlich, fühlte sich auch meine Freundin erinnert, als ich – endlich! – mit dem Renault “Twizy” vorfuhr. Das vierrädrige Elektromobil ist seit wenigen Monaten […]


  5. […] Sie sind es, die mich reizen, mit dem Ampera einen mehrwöchigen Test zu machen, zumal mich die zukunftsträchtige (?) Sparte e-Mobil wirklich elektrifiziert. Das erste, was ich gelernt habe, ist: man kauft heute […]


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