Blau-weiss-rote Fahrt ins Grüne

23. Juni 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (165) Car2Go und Denzel sind die ersten “Carsharing”-Anbieter Österreichs. Und sicher nicht die letzten.

Eine Idee erobert die Stadt. Und es ist wahrlich nicht die schlechteste. Kurzgefasst geht sie so: Sie besitzen kein Auto mehr. Aber es steht Ihnen (fast) immer eines zur Verfügung, wenn sie es brauchen. Unkompliziert, verlässlich, kostengünstig. Mit einer App auf Ihrem Smartphone finden Sie im näheren Umkreis zielsicher ein freies Fahrzeug. Sofern Sie nicht am Stadtrand wohnen – das “Geschäftsgebiet” umfasst das urbane Terrain leider (noch) nicht zur Gänze.

Im Idealfall aber, der – wie mir Freunde begeistert berichten – meist auch der Normalfall ist, steigt man ein und fährt, einmal angemeldet, einfach los. Und stellt dann den fahrbaren Untersatz am Zielort genauso einfach wieder ab. Nicht einmal Parkgebühren gilt es zu tragen, der symbolische Taxamater läuft nur, wenn Sie das Fahrzeug nutzen. Das Fremdwort dafür ist “Carsharing”. Es wird uns bald sehr vertraut sein. Nicht nur in Wien.

Warum? Weil es natürlich eine Geld- und Raum-Vernichtungs-Maschinerie erster Klasse ist, ein teures, grosses Auto zu besitzen, um es eventuell nur alle heiligen Zeiten von A nach B zu bewegen. Und das noch seltener vollbeladen oder mit mehr als einem Beifahrer an Bord. Wenn überhaupt. Es ist eigentlich erstaunlich, dass die “Carsharing”-Idee so lange gebraucht hat, um sich entfalten zu können – aber in einem Land, in dem sich nicht nur Fußball-Nationalspieler und Jagdpächter über die Dimension und PS-Stärke ihrer SUVs und sonstigen Luxuskarossen definieren, nicht weiter verwunderlich.

Wenn man zudem mit zunehmendem Stirnrunzeln sieht, auf welch erbitterten Widerstand die Grünen in der Landeshauptstadt stossen – ok, sie kommunizieren Ihre Verkehrskonzepte und -Visionen politisch auch eher ungeschickt –, weiss man um die Beharrungskräfte innerhalb der Bevölkerung. Dass es dringend not tut, über punktuelle Blechlawinen- und Benzinpreis-Ereiferungen hinaus zu denken und konkrete Alternativen auch abseits der Wiener Verkehrsbetriebe und Taxi-Zentralen anzubieten, sollte aber selbst dem naivsten Führerscheinheiligen einleuchten. In zwanzig, dreissig Jahren wird, so meine Prognose, ein individuelles, dauerhaft eigenes Fahrzeug – ausser in einleuchtenden Ausnahmefällen – nur mehr stinkkonservativen Besitzstandwahrern als Statussymbol dienen.

“Das erste eigene öffentliche Verkehrsmittel”, wie es die Firma Car2Go nennt, manifestiert sich auf den Strassen in blau-weissen Smarts. Die Fahzeuge des bislang einzigen Konkurrenten Denzel sind knallrot. Sollten Sie freundlich winken wollen, wenn sie eins sehen: es werden noch andere Farben und Boten der neuen Denkart folgen.

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