Coole Sache

30. Juni 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (166) Ein Geheimtipp für kühle Köpfe: “Finderly” findet die beste Klimaanlage auf Knopfdruck.

Nie, wirklich niemals, so lautet eine journalistische Grundregel, darf die aktuelle Wetterlage in den Text einfliessen. Denn wenn vorgeblich allerorts eitel Sonnenschein herrscht, könnte in realita – vom fertigen Manuskript bis zur gedruckten Ausgabe vergehen ja ein, zwei Tage – längst ein drastischer Temperatursturz eingesetzt haben. Oder eine dicke, dunkle Gewitterwolke ausgerechnet über dem Kaff hängen, in dem man gerade sitzt. Und der Himmel seine Schleusen just in dem Augenblick öffnen, in dem man mit zunehmend betrüblichem Gesicht den Schönwetterbericht studiert. Nichts ist so alt wie die Temperaturprognose von gestern.

Was aber dennoch Jahr für Jahr erstaunt (oder auch nicht) in seiner Regelhaftigkeit, ist der Run auf Kühlaggregate und Klimaanlagen im Hochsommer. Ausgerechnet. Wenn Sie jetzt die Fahrt in den nächstgelegen Baumarkt wagen, werden Sie in den entsprechenden Regalen nur gähnende Leere vorfinden. Nicht einmal überteuerte Ventilatoren aus bunt lackiertem Blech made in Pakistan gibt es noch zu kaufen. Es gilt der alte Spruch aus dem Bauernkalender: “Egal ob Schmäh oder Schnee / ‘s schreit der Klimagerätefabrikant im Juli juche!”

Der von Schweißausbrüchen und Hitzewallungen geplagte Konsument hat eigentlich nicht die geringste Ahnung, welche Technik zu welchen Kosten rasch und gezielt für Abhilfe sorgen könnte – und greift dann anlassgetrieben garantiert zum falschen (weil wirkungslosen, stromfressenden, ineffizienten) Produkt. Das ist die wirkliche Überraschung: die spontane “Google”-Suche nach brauchbaren Hinweisen zu Klimaanlagen und mobilen Kühlespendern bringt kaum zählbare Resultate. Die üblichen Werbeeinschaltungen, Diskonterangebote und Uralt-Tests helfen nur bedingt weiter.

Also wäre das ja ein Betätigungsfeld für altruistische IT-Cracks: eine Datenbank zu programmieren, die annähernd objektive – weil durch
eine grössere Quantität höchst subjektiver Crowd-Urteile gespeiste – Tipps zu immer wiederkehrenden Fragen (“Was ist die aktuell beste Klimalösung für ein 15 Quadratmeter-Schlafzimmer unter 300 Euro?”) sammelt. Und gleich mit Versendern oder Geschäften in der Umgebung, die die Dinger dann auch wirklich vorrätig haben, verknüpft. “Finderly” – probieren Sie’s ruhig mal aus – kommt dieser Idee schon ziemlich nahe. Auch wenn die Einträge zu Klimaanlagen in der Beta-Testphase noch rar gesät sind. Coole Sache.

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