Triumphe & Tragödien

7. Juli 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (167) Sergio Pininfarina war der Schneider vieler nach Benzin duftender Träume. Mit seinem Tod ist eine Epoche zu Ende gegangen.

Ferrari 375MM Spider. Bentley Azure. Ferrari P4/5. Lancia Beta Montecarlo. Ferrari Dino 246 GT. Peugeot 306. Alfa Romeo Spider Duetto. Lancia Aurelia PF200. Alfa Romeo Stradale P33 Roadster. Fiat Dino Spider. Alfa Romeo 33-2. Ferrari 288 GTO. Fiat Abarth 2000 Scorpio (Concept). Ferrari 250 GTO. Ferrari 275 GTB. Alfa Romeo Giuletta Spider. Ferrari 400 Superamerica Cabriolet. Fiat 130 Coupé. Ferrari 512S Modulo (Concept). Ferrari 512S Berlinetta Speciale (Concept). Chevrolet Corvette Rondine. Peugeot 406 Coupe. Ferrari 365 GTB4 Daytona.

Wenn Sie diese “Dream Car”-Kollektion – die Liste ist unvollständig – für einen feuchten Bubentraum halten, haben Sie nicht ganz unrecht. Aber wie sonst soll man einem der grössten Designer der Geschichte des Automobils huldigen, ohne einen Diaprojektor, ein Auto-Quartett oder eine einschlägige Panini-Pickersammlung bei der Hand zu haben? Sergio Pininfarina, vielleicht der begnadetste aller Blechschneider des 20. Jahrhunderts, starb diese Woche in seinem Haus in Turin. Im Alter von 85 Jahren.

Ich habe, ehrlich gesagt, elegant trauernde und ausführlich bebilderte Nachrufe in heimischen Qualitsblättern vermisst. Denn natürlich dreht sich beim Thema Motorisierung vieles, wenn nicht alles (auch) um Sehnsucht und Imagination. Und Pininifarina hat dazu nicht weniger beigetragen als, sagen wir, Siegfried Marcus, Gottlieb Daimler, Professor Ferdinand Porsche oder Commendatore Enzo Ferrari himself.

Okay, der Ferrari F40 war nicht sein grösster Wurf. Den NSU RO80 – eines der fortschrittlichsten Modelle der siebziger Jahre – haben die Haus-Designer besser hinbekommen. Und der beliebte Oldie 124 Spider (ursprünglich eine Konstruktion von Fiat, dann bis 1985 als “Pininfarina Spider Europa” verkauft) sieht zwar ungebrochen formidabel aus, darf aber ruhigen Gewissens – ich habe einen besessen – als rasant rostende Gurke bezeichnet werden. Zuletzt hatte Pininfarina generell keine glückliche Hand mehr, jedenfalls, was die Geschäfte seines Firmenimperiums betraf. „Triumphe und Tragödien“ wäre ein trefflicher Titel für eine Biographie des Mannes. Überhaupt sind die Zeiten ja nicht die besten für Benzindroschken-Schwärmereien.

Dennoch: wer sein Kraftfahrzeug nicht strikt als Faraday’schen Käfig mit Lenkrad, Hupe und Handschuhfach betrachtet, wird wohl obige Aufzählung (und zusätzlich die Namen der putzigen Elektro– und Hybridautos, die der Designer schon in den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts als Studien vorstellte) in Sergio Pininfarinas Grabstein meisseln wollen. Nur so als Vorschlag für eine würdige Inschrift.

Ich selbst muss allmählich aufpassen, nicht als notorisch nostalgischer Nachruf-Schreiber vom Dienst zu enden.

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Eine Antwort to “Triumphe & Tragödien”


  1. […] hatte man die Produktion dieses zweisitzigen Roadsters, der zuletzt bei seinem Blechschneider Pininfarina vom Band lief, […]


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