Faltplanlos im Billigstauto

14. Juli 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (168) Wenn Apple und Google die Strassenkarte ersetzen, wozu dann ein teures Navi?

“Die fetten Jahre sind vorbei.” Dieses Resümée, das nicht wenige Mitmenschen gerade auf einer höchstpersönlichen ökonomischen Ebene treffen, hat den österreichischen Regisseur Hans Weingartner zu einem Filmtitel inspiriert. Eine Fitnesscenter-Kette hat den Spruch, nicht unoriginell, ebenfalls zu ihrem Werbeslogan erkoren.

Eventuell hat ja auch die Werbeabteilung der Billig-Automobilmarke Dacia mit dem Gedanken gespielt, das neue Modell “Lodgy” mit offensiv-nüchternem Realismus anzupreisen. Denn was übrigbleibt, wenn man Protzomobile auf das Notwendigste abspeckt, kann immer noch beeindrucken. Und tut es auch. Vor allem durch ein – der in Rumänien gebaute Familien-Van hat einen Basispreis von unter zehntausend Euro – Kosten-/Nutzen-Verhältnis, das jeden Porsche Cayenne-Besitzer zum eitlen Idioten erklärt. Da kostet ja oft schon das Navi soviel wie bei Dacia das ganze Auto.

Aber lassen wir das. Porsche-Fahrer pauschal zu schmähen ist in etwa so originell wie gegen “Titanic”-Titelbilder per einstweiliger Verfügung vorzugehen (erst recht, wenn man der römisch-katholische Stellvertreter Gottes auf Erden ist. Aber auch die Satirebibel “Titanic” war schon mal gewitzter…). Selbst frühere Ö3-Moderatoren, die einst Carrera fuhren und heute meinen, sie bräuchten derlei “Penisprothesen” nicht mehr, dürfen als unglaubwürdige Renegaten abgehakt werden.

Bleiben wir also bei den Navigationssystemen. Daran lässt sich einiges festmachen. Dass fix eingebaute Geräte in der Regel masslos überteuert sind, hat nicht nur der Konsumentenschutzverein registriert. Dass andererseits Smartphones und mobile Navis – deren Billigst-Varianten nunmehr schon zu zweistelligen Preisen verschleudert werden – oft auch nicht das Gelbe vom Ei sind, weiss jede/r, der/die sich mit dem üblichen Gewirks aus Saugnäpfen, Ladekabeln, kleinen Displays und unverständlichen Sprachansagen herumärgert. Und das aufkeimende Duopol der Giganten Google/Apple: wollen wir das wirklich?

Der Navi-Spezialist Garmin hat mich – ungefragt, aber durchaus willkommen – zu Testzwecken mit einem aktuellen Premiummodell, dem “nüvi 3590”, ausgestattet. Ich fahr’ jetzt mal mit dem Ding in den Urlaub. Und sag’ Ihnen dann ganz entspannt, ob es etwas kann. Und insbesondere das Preis-/Leistungsverhältnis passt. Oder ob man auch mit einem Faltplan sein Auslangen finden könnte.

P.S.: Wie die „AutoRevue“ verrät (und dort sitzen eher keine Dacia-Fans), besitzt der „Lodgy“ ein großes, eingebautes Touchscreen-Navi, „natürlich zum Knüllerpreis von 450.- Euro, und das Gerät kann die Karte sogar in 3D animieren.“ Aber hallo.

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2 Antworten to “Faltplanlos im Billigstauto”


  1. […] alleine auch tun. Das war jedenfalls die Annahme, die mich im Sommer zu einem höchstpersönlichen Intensivtest verführte. Der Navi-Experte Garmin hatte mir sein aktuelles Spitzenmodell “nüvi 3590” zur […]


  2. […] Navigationssystem seines neu erstandenen Autos zu erklären. Die Marke tut nichts zur Sache, Navis gleichen einander in Sachen Bedienungsführung ja weitgehend. Dachte ich jedenfalls. Denn kaum hatten wir […]


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