Das Elektro-Waffenrad

4. August 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (171) Ein Elektro-Bike wie das “Grace One” sollte fast schon unter Waffenschein-Pflicht fallen.

Fast hätte ich einen Trend verschlafen. Den fulminanten Aufstieg der Spezies “Fahrrad mit Elektro-Hilfsmotor und Batterie” nämlich, die landläufig unter dem Überbegriff “E-Bike” oder, Apple-affin, “eBike” firmiert. Manche nennen die neuartigen Velocipede auch “Pedelecs”, abgeleitet von “Pedal Electric Cycle”, was den Kern der Sache trifft. Man muss nämlich in die Eisen treten wie all die Jahrzehnte und Jahrhunderte davor – und kann sich nicht allein von einem Motor ziehen bzw. schieben lassen wie bei einem Mofa oder Moped (über deren präzise Gattungsabgrenzung sich, bitt’schön, Feinmechaniker und Sprachforscher den Kopf zerbrechen mögen, ich fühle mich dazu nicht berufen).

Der Elektromotor nimmt einem aber, etwa bei Bergstrecken, einen guten Teil der schweißtreibenden Arbeit ab. Man kann natürlich auch schnurgerade Strassen, die ohne die geringste Steigung durch die Ebenen des Alltags führen, als potentielle Bergbahnen und ewige Herausforderung betrachten. Abhängig ist der Rückenwind, den man sich elegant selbst per Drehgriff verleiht, nur von der Kraft des kleinen Motors. Und der Kapazität der Batterie, die – mehr oder minder versteckt – dem E-Bike deutlich mehr Gewicht verleiht als einem herkömmlichen Fahrrad.

Dass mir diese Fahrzeuggattung bislang generell als exotische, überzüchtete Mobilitätskrücke für Schwachmathen und Senioren erschien, grenzt an journalistische Fahrlässigkeit. Denn allein in der Westbahnstrasse in Wien-Neubau, in deren unmittelbarer Nähe mein Büro liegt, wimmelt es nur so vor Fahrradgeschäften. Zu denen sich auch mehr und mehr spezialisierte Stores oder eigene Abteilungen für Pedelecs gesellen.

So werfe ich etwa gern einen Blick in die Auslage von “Elektrobiker”, die auf ästhetisch anspruchsvolle Eigenkonstruktionen (“Gekko”, “Lux”, “Fux”) setzen – ohne deswegen den Wunsch verspürt zu haben, die Dinger selbst auszuprobieren. Bislang. Denn neulich traf ich zufällig ein paar Häuser weiter den Geschäftsführer der “IG Fahrrad”, der ein deutsches Modell namens “Grace One” fuhr, das er auch importiert. Er meinte hinterlistig, ich solle mich doch mal draufsetzen. Und eine Runde drehen. Seitdem bin ich angefixt.

Das “Grace One” ist wohl (auch optisch) soetwas wie die Harley Davidson der E-Biker-Szene. In Deutschland wird es tatsächlich als „E-Motorbike“ verkauft („Dieses Fahrzeug hat nichts gemein mit den gängigen elektrisch unterstützten Fahrrädern, den sogenannten Pedelecs.“, liest man etwa im „Manufaktum“-Katalog. „Darauf verweist schon die Tatsache, das es ohne Pedalbewegung aus dem Stand heraus (…) beschleunigt werden kann.“). Nun: grazil ist das Ding nicht wirklich. Dafür bärenstark. Der 1300 Watt-Nabenmotor beschleunigt das Rad raketengleich auf bis zu 45 km/h.

Nun, fragen Sie nicht nach dem Preis! Sollten Sie dennoch zuschlagen, lassen Sie sich vorsichtshalber vom Händler bestätigen, dass das Gerät weder führer– noch waffenscheinpflichtig ist.

Eine Antwort to “Das Elektro-Waffenrad”


  1. […] Sechs Jahre und einige hundert Prototypen und Verkaufsmodelle später repräsentiert das “Quest” den State of the Art. Es ist technisch perfekt, sieht wirklich gut aus und kann nach eigenen Vorstellungen konfektioniert werden. Gerade in den Details steckt viel Gehirnschmalz. Der Lithium-Ionen-Akku (Reichweite 40 – 90 Kilometer) z.B. ist verpackt wie eine kleine Zubehörtasche und über einen patentierten Verschluss leicht an- oder abschraubbar. Der kräftige Radnabenmotor wird über einen aufs Wesentliche reduzierten Alu-Drehregler mit Leistungsanzeige bedient. Letztlich fährt sich das “Quest” auch ohne Unterstützung probat, mit zugeschaltetem Motor geht aber wirklich die Post ab. Ich war in der Stadt fast so flott unterwegs wie mit der geliebten Vespa. Und das, ohne einen Tropfen Schweiss zu vergeuden. […]


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