More Suck For Your Buck

29. September 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (179) Was kümmert uns das iPhone 5, wenn Mister Dyson den Staubsauger neu erfindet?

Ich weiss nicht, ob es im Elektrofachhandel noch die altertümlichen Begriffe “Weißware” und “Braunware” gibt. Das Verkaufspersonal unterschied einst kategorisch unter diesem Titel Haushaltsgeräte wie Herde oder Waschmaschinen (die waren nun mal in der Regel weiß) und Unterhaltungselektronik – was wohl noch auf Zeiten zurückgeht, da Fernseher, Radios und Phonotruhen Holzgehäuse trugen.

Nun gilt letztere Abteilung, zumindest bei Vertretern der männlichen Spezies, seit jeher als sexy. Wenn auch eventuell zu Unrecht. Die Weißware dagegen, technisch nicht minder anspruchsvoll, blieb der Sphäre der Hausfrauen-Arbeit zugeordnet – verdienstvoll und notwendig, aber unglamourös. Mag sein, dass die Emanzipationsbewegung und die Erosion gesellschaftlicher Geschlechter-Klischees hier etwas zum Besseren gewendet haben – aber ein Staubsauger ist ein Staubsauger ist ein Staubsauger. Und bleibt es in der Regel auch.

Dann kam James Dyson. Die Legende, wie der britische Tüftler – frustriert von einem Gerät der Marke Hoover – quasi eine ganze Branche neu erfand, lässt sich im Internet nachlesen. Der Zyklon-Staubsauer DC01, eingeführt 1993, wurde zum Prototypen einer revolutionären Bauart von Geräten ohne Staubbeutel. Der US-Hersteller Hoover wurde pikanterweise ein paar Jahre später wegen Ideenklaus bei Dyson zu einer Strafzahlung verurteilt.

Seither ist viel Wasser die Donau hinuntergeflossen. Dyson hat jede Menge Gehirnschmalz und noch mehr Marketingkohle in die Botschaft investiert, das Äquivalent von Apple (wir wollen hier vom Etikett “Braunware” absehen, auch wenn Apple-Designchef Jonathan Ive sich viel bei Braun-Legende Dieter Rams abgeschaut hat) im Haushaltsbereich zu sein. Tatsächlich sieht das allerneueste Produkt der Engländer noch tollkühner aus als all die futuristischen Putzmaschinen zuvor: der Dyson DC45.

“Vergessen Sie herkömmliche Staubsauger!” lautet die Ansage. Und (allerdings nicht offiziell): „More suck for your buck!“ Hier wurde, scheint’s, das Rad quasi „digital slim“ noch mal neu erfunden. Mit Karbonfaserbürste, Pistolengriff, Lithium-Ionen-Akku und metallisch blau schimmerndem Alusaugrohr sollen z.B. Katzenhaare ratzfatz und hundertzehnprozentig im Zyklonbehälter verschwinden.

Schau’n wir mal. Der Test wird hart. Aber es ist das erste Testgerät, bei dem mich – heissa! – meine Freundin nicht mit einem ironisch-genervten Augenaufschlag bedenkt.

(Fortsetzung folgt)

Advertisements

3 Antworten to “More Suck For Your Buck”

  1. Bernd Says:

    Kann man mit dem Staubsauger auch telefonieren?


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: