Freihändig zum Ziel

21. Oktober 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (182) Smartphones können mit billigen Navi-Geräten durchaus mithalten, notwendiges Zubehör vorausgesetzt.

Das Leben hält immer wieder Überraschungen bereit. Heute zum Beispiel war ich mit einem Taxifahrer unterwegs, der sowohl ein Navigationsgerät (kurz “Navi”) als auch ein Smartphone auf seiner Windschutzscheibe kleben hatte. Durch den Verhau von Halterungen, Saugnäpfen, Kabeln, GPS-Sensoren und sonstigen Add-Ons sah man kaum mehr auf die Strasse hinaus – immerhin schaffte es der Chauffeur, mich mit starrem Blick auf das Instrumentarium zum Museumsquartier mitten in Wien zu kutschieren.

Meine erstaunte Nachfrage, ob denn das ohne Navi nicht ginge, beantwortete er mit schroffer Wortlosigkeit. Aber gut, in einem Land, das es nicht mal schafft, starre Standesregeln und strikte Grenzziehungen bei einer Fahrt zum Flughafen (kurz: Taxis mit Wiener Kennzeichen dürfen in Schwechat niemanden einsteigen lassen, Taxis mit Schwechater Kennzeichen niemanden in Wien – ökologisch total durchdacht!) zu hinterfragen, braucht man sich über die Qualitätsstandards des Lohndroschkengewerbes eher nicht den Kopf zerbrechen. Die Negativ-Korrelation zu den zuletzt wieder kräftig gestiegenen Taxipreisen ist wohl den notwendigen Investitionen in Navi-Systeme geschuldet.

Dabei würde es eventuell ein Smartphone alleine auch tun. Das war jedenfalls die Annahme, die mich im Sommer zu einem höchstpersönlichen Intensivtest verführte. Der Navi-Experte Garmin hatte mir sein aktuelles Spitzenmodell “nüvi 3590” zur Verfügung gestellt. Der Konkurrent TomTom dagegen seine Navi-Software für das iPhone. Wie würden sie gegeneinander abschneiden? Hier mein Fazit in Kurzform: das spezialisierte Gerät kann schon einiges besser. Aber es kann fast schon zu viel (zugegeben, ich liebe mein Uralt-Navi, das – noch mit Discs gefüttert – die Welt höchst überschaubar in schwarz-weiß-oranger Schlichtestsymbolik anzeigt).

Das Handy holt rasant auf. Sie brauchen nur unbedingt – und ich meine unbedingt (!) – notwendiges Zubehör wie das “Hands Free Car Kit”, das mir TomTom dieser Tage dankenswerterweise nachgereicht hat. Inklusive Bluetooth-Verbindung und Freisprechanlage. Wenn Ihnen das Ding zu teuer ist (es kostet fast soviel wie ein Billig-Navi) oder zu fragwürdig, besorgen Sie sich sonstwo eine halbwegs brauchbare Halterung. Sonst fliegt Ihnen mit Garantie das lässig placierte, ohne Audio-Anbindung mit kaum vernehmbarer Ansagestimme krächzende Handy um die Ohren. Und Sie können sich mit dem Taxi ins nächste Spital chauffieren lassen. Sofern es der Fahrer auch findet.

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2 Antworten to “Freihändig zum Ziel”


  1. […] “nüvi 3590”, ausgestattet. Ich fahr’ jetzt mal mit dem Ding in den Urlaub. Und sag’ Ihnen dann ganz entspannt, ob es etwas kann. Und insbesondere das Preis-/Leistungsverhältnis passt. Oder ob […]


  2. […] erklären. Die Marke tut nichts zur Sache, Navis gleichen einander in Sachen Bedienungsführung ja weitgehend. Dachte ich jedenfalls. Denn kaum hatten wir ein paar Runden um den Häuserblock gedreht und ich […]


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