Bankenkrise

3. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (184) Brisantes Tagesthema in der Bank Austria-Chefetage: was ist ein “Shitstorm”? Und wie gehen wir damit um?

Man schiebt derlei ja immer vor sich her, aber irgendwann klopft dann die Erinnerungsfunktion des Software-Kalendariums an. Die Steuerberaterin. Oder das Finanzamt höchstpersönlich. Letzteres zumeist eher unsanft. Jetzt im Herbst gilt es – aber gilt es das nicht eh das ganze Jahr über? – jede Menge Zahlungen, Überweisungen und Finanztransaktionen zu tätigen. Tunlichst fristgerecht. Zum Monatsersten z.B.

Man begibt sich also als Zeitgenosse, der schon hypothetisch den Weg in die nächstgelegene, eventuell längst geschlossene, zunehmend personell verwaiste, aber dennoch kundenseitig heillos überlaufenene Bankfiliale scheut, in das World Wide Web. Schnurstracks. Online-Banking ist bequem, übersichtlich, ganzjährig zu jeder Tages- oder Nachtzeit verfügbar.

Denkste! Wer – so wie ich – Kunde der Bank Austria ist, wurde vor ein paar Tagen informiert, dass es “im Zug einer EDV-Umstellung zu Problemen im Zahlungsverkehr” kommen könnte. Eine harmlose Untertreibung. Denn Ende Oktober ist das Online-Angebot der grössten heimischen Bank abgekackt. Und bis heute funktioniert es nicht wie gewohnt.

Entschuldigen Sie die deftige Wortwahl, aber sie trifft die Situation: auf Twitter, Facebook und in sonstigen Foren und Netzwerken tobt inzwischen ein ziemlicher “Shitstorm”. So nennt man (halb)öffentliche Massenerregungen, die eine gewisse Eigendynamik entwickeln können. Sie sind in Chefetagen und PR-Abteilungen zu Recht gefürchtet. Im Fall der Bank Austria vermelden Kunden inzwischen, sie würden demnächst zum Sparstrumpf zurückkehren. Oder schlagen das Finanzinstitut für den Friedensnobelpreis vor: “Niemand versteht dieses System, ergo gibt niemand mehr Geld aus, der Konsumwahn hat ein Ende und die Erde ist gerettet.” Bloß: wie erkläre ich das meinem Finanzamt?

Nun: vorgestern bin ich in einem offenbar günstigen Moment hineingeschlüpft in das System. Es ist neu, es ist zäh, es wurde unübersehbar verschlimmbessert. Aber irgendwann, nach der Auflösung des Verkehrs-Rückstaus, wird es wieder flutschen. Wie man aber die elektronische Klagemauer handhabt bei der Bank Austria – ein Knackpunkt bei der Entstehung eines “Shitstorms” – und ob man aus der Kundenkritik etwas konstruktiv ableitet, wird noch monatelang Thema sein. Da wie dort.

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