Im Trotzwinkerl

17. November 2012

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (186) Medien ohne Rückkanäle sind wie Audiogeräte ohne Funkanbindung: irgendwie von gestern.

Sogar im Urlaub, ein paar tausend Kilometer fern der Heimat, verspürt man den Drang, sich heftig an die Stirn zu tippen. Der Grund? Der “Bundeskommunikationssenat”, so liest man im Internet nach, und die “KommAustria” – kurz gesagt: die einschlägigen politbürokratischen Aufsichtsorgane des Landes – untersagen dem ORF, seine Sender, Sendungen und Inhalte auf Facebook zu bewerben. Der Verwaltungsgerichtshof hat diese Interpretation des Gesetzes bestätigt. Der Verfassungsgerichtshof dagegen gab – so der aktuelle Letztstand – einer Beschwerde des ORF-Managements gegen diese Entscheidung nach und verlieh ihr aufschiebende Wirkung. Ein unwürdiges Hin- und Her, einmal mehr prolongiert.

Wahrscheinlich ist und bleibt: die grösste Medienorgel des Landes muß ihre Social Media-Verbindungen kappen. Das ist natürlich kurios, weltfremd, vom sprichwörtlichen kleinen Gebührenzahler sicherlich so nicht gewollt. Aber die Zeitungsverleger sehen sonstigenfalls ihre Zukunft gefährdet. Im Abtausch hat man dem ORF mehr Werbezeit und Gebühren zugestanden. Man könnte lachen, wäre es nicht zum Weinen: da setzen hochbezahlte Politiker, Generaldirektoren, Finanz- und Kommunikationsexperten ihre Unterschrift unter prohibitive Basar-Vereinbarungen, die mit der heutigen Medienwelt wenig bis nichts zu tun haben. Und zeigen damit dem p.t. Publikum, das sich längst in fremdbestimmte digitale Sphären verläuft, dass es zwar zahlen darf, aber mitreden eher nicht. Man darf gespannt sein, wie die Herrschaften sich aus diesem Schlamassel wieder befreien.

Soweit, so schlecht. Was fange ich jetzt mit dem restlichen Platz der Kolumne an? Nun: ich eröffne demonstrativ einen Rückkanal. Vorige Woche z.B. empfahl ich an dieser Stelle kleine, hilfreiche Bluetooth-Adapter, die Probleme mit einer plötzlich unaktuell gewordenen iPhone-Schnittstelle lösen. Und Musik empfangen, ganz ohne Kabel und Stecker. Was einige Leser(innen) dieser Zeilen zu Protesten veranlasste: ja, sei mir denn nicht bekannt, dass Bluetooth miese Audio-Qualität bedeute? Schon, meine Damen und Herren. Aber inzwischen gibt es auch verbesserte Standards dieser Funktechnik – A2DP oder Apt-X etwa, die durchaus probat klingen. Und Pop, Klassik oder Volksmusik sind nun mal im Alltag keine High End-Demonstrationsobjekte. Es herrschen Praktikabilität und Bequemlichkeit.

In den unzähligen Elektronik-Kaufhäusern, Technik-Shops und Bazar-Klitschen meines Urlaubsorts Bangkok kann man ein Lied davon singen: ohne Bluetooth-Connection geht da gar nichts mehr. Weder bei Smartphones, Kopfhörern und mobilen Lautsprechern noch bei Docking Stations, Autoradios oder Stereoanlagen. Fernost-Ramsch? Nein: ein pragmatischer, konsumentengetriebener, undogmatischer Trend. Qualitätsfanatiker bleiben besser daheim. Im Trotzwinkerl.

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