Der tönende Heizlüfter

27. Januar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (196) Ein Gitarrenverstärker, der aussieht wie ein Toaster und formidabel klingt? Ja, den gibt es.

YAMAHA THR10

Das Yamaha Austria-Team hat es wirklich nicht leicht mit mir. Denn eigentlich sollte ich seit Tagen, wenn nicht gar Wochen ein Testgerät retournieren – und zögere die Rückgabe des Teils mit immer neuen, immer abenteuerlicheren Begründungen hinaus. Hier und jetzt starte ich sogar eine öffentliche Charme-Attacke, die vielleicht eine zusätzliche Gnadenfrist einbringt. Es ist halt so,dass die kühl-professionelle Beurteilung neuer und neuester Geräte der Elektronik- und Unterhaltungsindustrie gelegentlich von akutem Nerd- & Fan-Verhalten konterkariert wird. Und man selbst in eine Rolle kippt, die ihren Stammplatz eher in einem Spielzimmer hat als in einem Maschinenraum für Erwachsene.

Was nun löst diesen Pawloffschen “Will haben!”-Reflex aus? Es ist, räusper, ein Gitarrenverstärker. Von Yamaha, Modell No.THR10. Eigentlich sieht das Ding – einmal mehr im Retro-Design der fünfziger Jahre – wie ein Toaster aus. Oder ein Heizlüfter für den Abstellraum. Natürlich kann man mit solch einem tönenden Durchlauferhitzer, der sich zur Not auch mit Batterien betreiben lässt, nicht die Stadthalle beschallen. Aber für die Garage oder den Proberaum reicht der THR10 allemal.

Von innen her glimmt es rötlich – was wohl Röhrentechnik simulieren soll. Aber auch die schnöde Verstärkung durch Transistoren hat ihre Vorzüge. Mittels Drehregler und gratis downloadbarer Editor-Software lassen sich alle möglichen klassischen Amp-Sounds nachstellen und mit Effekten (Hall, Chorus, Flanger, Tremolo usw.) aufpäppeln. Zusätzlich gibt es einen Aux- und USB-Eingang, etwa für den Laptop oder iPod. Da Yamaha als der führende Musikinstrumente-Fabrikant der Welt, der auch eine formidable HiFi-Schmiede betreibt, hörbar Wert auf brauchbaren Klang legt, ist das also ein ziemlich vielseitiges Köfferchen. Es macht wirklich Spass, die Welt glauben zu lassen, man hätte im Hobbykeller ein 6L6-Jazz-Röhrenmonster herumstehen.

Also lasst die Musik noch ein wenig spielen, liebe Yamaha-PRAbteilung! Und wenn ich den THR10 zurückschicke, hätte ich gleich die nächste Bestellung parat: die Keyboard-Workstation MX49. Da überschlägt sich auch gerade die Fachpresse, was die Fähigkeiten und das Preis-/Leistungsverhältnis dieses brandneuen Synthesizers angeht. Die Zukunft des Musikgenusses liegt ja, wenn man z.B. dem Künstler Beck Hansen (alias Beck) folgt, keinesfalls in passiver Berieselung. Sondern in aktivem Musizieren. Folgerichtig vertreibt der gute Mann sein neuestes Album „Song Reader“ nur als Notenheft… Jetzt muß ich, nebstbei, nur noch A-Moll von E-Moll unterscheiden lernen.

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Eine Antwort to “Der tönende Heizlüfter”


  1. Vielleicht könnte man auch folgendermassen argumentieren und das Gerät nachhaltig dort belassen, wo es sich aktuell befindet ;)
    Mein Sohn ist ohnehin am Evaluieren des batteriebetriebenen AMP-Marktes und hat bei der Recherche auch den THR10 (http://bit.ly/Vg2OEF) in die engere Wahl aufgenommen. Aktuell verwendet er den Roland Micro Cube (http://bit.ly/SUwNoI), ein zweifellos für portablen Einsatz ausgezeichnetes Gerätchen, welches aufgrund seiner sehr geringen Abmessungen jedoch auch ziemlich schnell an seine klanglichen Grenzen stößt. Ihre Laudatio zum THR10 hat jetzt seine Entscheidungsfindung zu einem finalen Ergebnis kommen lassen, sodass am Montag ein nach der Verfügbarkeit fragender Anruf beim Handler unseres Vertrauens einlangen wird und so diese Frage zufriedenstellend beantwortet werden wird, wir den THR10 auch unmittelbar erwerben werden. Was uns wieder zum Ausgangspunkt meines Kommentars kommen lässt…


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