Schwarzer Peter

17. Februar 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (199) Egal, ob Spielzeug- oder Profi-Camcorder: gröbere Mängel sollte kein Gerät haben, das ein Verkaufsrenner werden will.

Canon XA10

Die vorwöchige Kolumne war eigentlich nur eine – etwas länglich geratene – Einleitung zu einer ebenso knappen wie brisanten Business-Rätselsportaufgabe. Sie lautet: wie schafft man es, die eierlegenden Wollmilchsäue der Technik-Gegenwart – also Multifunktionsgeräte mit künstlicher Intelligenz und enormer Software-Wandlungsfähigkeit – von hochspezialisierten, exakt auf eine Funktion (oder deren höchstens zwei, drei) zugeschnittenen Profi-Werkzeugen zu trennen. Natürlich gelingt das zuvorderst über den Preis. Der wiederum auf inneren und äusseren Qualitäten aufsetzt. Hoffentlich.

Trotzdem ist es kein Geheimis, dass z.B. das Geschäft mit Camcordern – Filmkameras ohne Film – unter einer massiven Kannibalisierung durch Smartphones, Digitalkameras und Spiegelreflex-Boliden leidet. Fast alle verfügen längst über Full-HD-Aufnahmemöglichkeit für Bewegtbild. Man muß als Produzent und Händler schon sehr nachdrücklich vermitteln, wo die Unterschiede liegen, wenn man den sogenannten “Endkunden” (ein Ausdruck, den man dem so bezeichneten Objekt gegenüber tunlichst vermeiden sollte) zum Zücken der Geldbörse motivieren will. Was zwar schwieriger und schwieriger werden mag, aber durchaus noch gelingen kann.

Vor wenigen Tagen war ich selbst knapp dran, ein Testgerät von Canon – es handelte sich um einen semi-professionellen Camcorder mit dem Kürzel XA10 – käuflich zu erwerben. Es liegen halt wirklich Welten zwischen “Mal ein bisschen mitfilmen”-Aktionismus und dem Unterfangen, brillante Bilder und eine probate Tonspur dauerhaft einzufangen. Die Canon-Cam ermöglicht das mit hoher Lichtstärke, wohldurchdachter Usability und der Möglichkeit, externe XLR-Stereo-Mikrofone anzuschliessen. Die Testberichte, die ich aus dem Netz fischte, lesen sich durchwegs wie Hymnen. Zu Recht.

Ein Detail erwies sich aber als Stimmungsdämpfer schlechthin. Beim Überspielen des Videomaterials auf meinen Mac streikte die beiliegende Software. Sie ist nur auf PC-Anbindung ausgelegt – anno 2013 ziemlich absurd. Letztendlich verstrickt man sich in einen zähen Kampf mit Videoformaten, Kopierprogrammen und Online-Ratschlägen unzähliger gleichfalls betroffener User. Schade. Denn die XA10 hätte sonst eigentlich gute Karten. Vielleicht kann man den “Schwarzen Peter” ja beim nächsten Modell-Update loswerden. Bis dahin tut’s auch eine Billig-SLR.

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