Helden von Heute

5. Mai 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (209) Mit einer „Action Cam“ wie der GoPro Hero 3 kann man Sportskameraden und Strassenteilnehmer, vor allem aber sich selbst in Verlegenheit bringen.

GoPro Hero3

Für eine bestimmten – wahrscheinlich nicht gerade kleinen – Teil der Menschheit bin ich ein fauler Sack. Mindestens. Denn ich neige dem Winston Churchill-Lebensmotto „no sports“ zu (für das es übrigens laut Wikipedia keine Belege gibt, weder in Churchills Lebensführung noch in englischsprachigen Medien oder gar im Oxford Dictionary of Quotations). Meine Sport-Abstinenz ist keine kategorische – manchmal kann man mich auf einem Rad antreffen oder bei einer Runde Tischtennis –, aber im Grossen und Ganzen ist selbstquälerische, schweißtreibende, regelmässige Leibesertüchtigung nicht so mein Fall.

Insofern zähle ich auch eher nicht zur Zielgruppe der GoPro Hero 3 Action Camera, die bei Fallschirmspringern, Mountainbikern, Skateboardern oder Extrembergsteigern ein äusserst beliebtes Gadget ist. Und auch bei Profi-Skirennläuferinnen, wenn auch nicht offiziell. Die zündholzschachtelgrosse High Tech-Kamera lässt sich wasserdicht und bombenfest auf dem Helm, der Ausrüstung oder gar am eigenen Körper befestigen. Und dokumentiert dann im Fall des (Un-)Falles zuverlässig den letalen Sturz in den Abgrund – in kinotauglicher Qualität.

Neulich bekam ich aber – von der kompetenten und freundlichen Crew des Digital Store Vienna – die Hero 3 (Black Edition) als Testobjekt überreicht. Was nun damit tun? Ein Schnellsiede-Kurs in Base Jumping erschien mir unangebracht. Der spontane Dreh eines abgefahrenen Action-Thrillers wie diesem ebenfalls. Ich montierte also die Cam mittels Saugnapf auf der Windschutzscheibe meines Cabrios – und gondelte so durch Wien. Wird sicher irgendwann mal meine Enkelkinder interessieren, dachte ich mir, wie die Metropole anno 2013 ausgesehen hat. Ein harmloses Vergnügen. Ziemlich in Mode derzeit, sagten mir interessierte Beobachter.

Gut, dass mich kein Magistratsbeamter oder Polizist beim Praxistest ertappt hat. Nach Ansage der Datenschutzbehörde ist derlei nämlich verboten – es drohen Verwaltungsstrafen bis zu 25.000 Euro. Unfreiwillig gefilmte Personen können zudem Schadenersatz einklagen. „Ein unzulässiger Eingriff in die Privatsphäre von Fußgehern und anderen Lenkern“, erläutert Hans Zeger, Chef von ARGE Daten. Erlaubt seien dagegen Aufnahmen zu „touristischen Zwecken“. Was immer das im Alltag bedeuten mag.

Klar ist nur: wäre ich unlängst hinter dem Bundespräsidenten durch die Rettungsgasse gebraust, hätte das Geschehen mit einer GoPro Hero 3 – die keine vierhundert Euro kostet – mitgefilmt und online gestellt, wäre ich jetzt YouTube-Millionär. Ganz ohne Spezialeffekte. Und ohne Kamerassistenz des Innenministeriums. Dafür mit ziemlich hohen Nebenkosten.

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