Funkstörung

19. Mai 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (211) Die “Powerline”-Übertragungstechnik hat viele Fans, aber auch Gegner. Wer hat recht?

danger of defeat by an electric current. large siz

Ich bin Ihnen noch eine Antwort schuldig. Und zwar auf die Frage, ob Powerline-Adapter grundsätzlich eine tolle Lösung sind. Oder doch eine eher kritisch zu betrachtende. Und zwar für die Aufgabenstellung, digitale Signale – vom Internet-Anschluß bis zum TV-Empfang – über die Steckdose zugänglich zu machen. Ursprünglich hatten die großen Stromversorger diese Idee („Access PLC“), scheiterten aber an multiplen technischen Problemen. Und an den Amateurfunkern, die sich durch eigenmächtige Frequenzmodulationen und die ungenierte Mehrfachnutzung der Stromleitungen gestört fühlten.

Was sie übrigens auch bei „Inhouse PLC“ bisweilen noch tun, also der Umlegung des selben technischen Prinzips – auch „Babyphones“ funktionieren so – auf lokale Netzwerke. Und lokal meint in diesem Fall den eigenen, privaten Haushalt. Dennoch haben sich Powerline-Adapter auf breiter Front durchgesetzt. Devolo etwa, der führende Hersteller im europäischen Raum, hat in den letzten zehn Jahren davon 18 Millionen Stück verkauft. Wer will schon extra Kabel verlegen oder WLAN-Repeater installieren, wenn das „Internet via Steckdose“ prächtig funktioniert.

Nun hagelte es, als ich hierorts die unkomplizierte, preisgünstige Praxistauglichkeit der Technik explizit lobte, aber Einwände. Einerseits von HiFi-Freaks, die eine „Verschmutzung“ des Stromnetzes fürchten wie der Teufel das Weihwasser – zahlenmäßig eine sehr kleine Kritikerschar. Andererseits regten sich Stimmen, die meinten, ungeschirmte Stromleitungen als Träger für hochfrequente Signale heranzuziehen sei – Stichwort „Elektrosmog“ – per se äußerst fragwürdig. Ja, „die dümmste Technologieanwendung seit den Atomkraftwerken.“

Ich habe diese Meinung ungefiltert an die Experten von Devolo weitergereicht. Die replizierten, dass die Strahlung von Inhouse-Powerline-Netzen unter jener von Mobiltelefonen oder WiFi-Routern liegt und alle Auflagen für die Zulassung den Betrieb von elektrischen Geräten in Europa klar erfüllt werden. Natürlich wird das notorische Powerline-Skeptiker so wenig überzeugen wie die Umweltstudien des Ministers Berlakovich. Wer anderseits mit einem halben Dutzend Geräten ständig im Netz hängt, um online u.a. gegen das Bienensterben zu protestieren, laboriert und leidet potentiell eher an WLAN-Schwäche als an – bei allem Respekt – doch etwas praxisfernen Verschwörungstheorien.

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3 Antworten to “Funkstörung”

  1. Harkank Merzenoghian Says:

    Sorry Companero, aber da liegst voll daneben. Die Powerline-Geräte multiplexen auf dem gesamten Kurzwellenband in das völlig ungeschirmte Stromnetz hinein. Das ist ein niedrig verlegter riesieger Kupferkabelverbund der seinerseits auf denselben Prinzipien wie Funk basiert. Das Ergebnis ist ganz etwas anderes, die digitalen Gadgets merken wenig davon. Diese Prologeräte sorgen dafür, dass das gesamte Fallback-System des Roten Kreuzes, des Bundesheers lokal ausgeblasen wird. Und dann schau Dir bitte die Datenraten an, die sind nachgerade lächerlich. Das Übertragungsprotokoll ist eine einzige Fehlerkorrekturmaschine. Den Rest kann ich Dir gerne in Messdiagrammen aus dem Labor zeigen. Das sind breitbandige Störsender, die alles Analoge rundum jammen.

    • Walter Gröbchen Says:

      Danke für das Feedback. Jetzt hab‘ aber wieder ich ein paar Fragen: 1) Wie kann es sein, dass etwas, das das Fallback-Systems von Bundesheer & Rotem Kreuz „ausbläst“, eine behördliche Zulassung bekommt? 2) Funken BH & RK nicht längst auch digital, inkl. ausgetüftelter Störungskorrektursysteme? 3) Devolo behauptet, eben nicht das gesamte Kurzwellenband zu nutzen, sondern bestimmte heikle Frequenzbänder auszunehmen. 4) Datenraten? Mag sein. Bei mir persönlich läuft der Empfang mit Powerline-Adapter deutlich (!) besser als mit Repeater. 5) Ist nicht auch das Handy in der Praxis ein (weit verbreiteter und akzeptierter) breitbandiger Störsender, der alles Analoge rundherum jammt?

  2. samot Says:

    Ich hatte auch mal so Dinger weil im oberen Stockwerk der W-Lan Empfang eher schlecht ist. Nur war das Problem das die Stockwerke nicht am selben Stromkreis hingen und das im oberen Stockwerk noch dazu die Phasen vertauscht waren, dh es ging dann nur bei manchen Steckdosen.


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