Einspurig statt großspurig

26. Mai 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (212) Jede Medaille hat zwei Seiten. Auch die akute Baisse der altehrwürdigen Autoindustrie.

vectrix_vx-1

Die schlechte Nachricht zuerst: die Autoindustrie geht den Bach runter. Zumindest tut sie so. In der „Presse“ etwa stand erst unlängst – unter dem drastisch unheilvollen Titel „Carmageddon“ – zu lesen, dass seit siebzehn Jahren noch nie so wenige Autos verkauft wurden. In Europa. 800.000 abgebaute Arbeitsplätze seit 2007, Zeitarbeit, renommierte Marken ohne Zukunft und Hersteller mit Milliardenschulden – das alles sei eine fatale Folge des gesättigten Marktes und der (weiter wachsenden) Zurückhaltung der Konsumenten.

„Die Autoindustrie steht“, so der deutsche Branchenexperte Ferdinand Duddenhöfer, „vor ihrer größten Belastungsprobe seit dem Zweiten Weltkrieg.“ Wobei: wirklichen Grund zur Klage haben eigentlich eher lokale Autohändler – und nicht etwa Volkswagen, Audi oder Mercedes. Denn in Asien etwa brummt das Geschäft stärker denn je. Und die Platzhirsche am globalen Markt legen zu, nur die Nischenanbieter und kleineren Player haben hart zu kämpfen.

Nun zur guten Nachricht. Verbunden mit einem Fingerzeig: die Menschen haben nicht die Lust an der Mobilität verloren. Aber in Städten machen dicke Schlitten immer weniger Sinn und Spaß. Und viele Leute drehen inzwischen jeden Euro zweimal um. Woher kommt die plötzliche Flut an Motorrädern, Mopeds, Rollern, Elektrobikes und Fahrrädern auf unseren Straßen? Sie hat nur bedingt mit dem Sommerwetter zu tun.

Einspurige Fahrzeuge sind nun mal – sieht man von öffentlichen Verkehrsmitteln ab – die kostengünstigste, unkomplizierteste und cleverste Variante der Fortbewegung, vor allem im urbanen Nahverkehr. Und auch der Herr Generaldirektor sieht im 7er-BMW oder Bentley Mulsanne inzwischen alt und grau aus, auf der 300er-Vespa mit Designer-Aktentasche am Gepäckträger aber dynamisch und fit für die Jetztzeit.

Noch besser geht’s – und das ist die beste Nachricht von allen –, wenn man das Experiment wagt und auf einen Elektroroller umsteigt. Ich z.B. habe mir testweise ein paar Stündchen auf dem Vectrix VX-1 gegönnt, einem majestätischen Scooter mit Lithium-Ionen-Akku und zugkräftigem Elektromotor, der an jeder Haushaltssteckdose betankt werden kann. Zu vergleichsweise lachhaften Kosten. Sogar dem ÖAMTC – der sich allmählich auch den Benzin-Sauriern entwöhnen muß – ist der Vectrix eine Empfehlung wert. Über meine persönlichen Erfahrungen mehr demnächst in diesem Theater.

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Eine Antwort to “Einspurig statt großspurig”


  1. […] – als ideales Stadtfahrzeug erwiesen hat. Oder zumindest als raffinierte Ergänzung im Mix der fahrbaren Untersätze. Es handelt sich um ein […]


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