Im Aufmerksamkeitsmodus

9. Juni 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (214) “Noise Cancelling” blendet die Umwelt nach Bedarf ein und aus. Bose bringt die Technik in den Alltag.

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Wenn ein Hersteller heutzutage Revolutionäres ankündigt, folgt nicht gerade selten ein Rohrkrepierer. Mit Blitz und Donner. Und einem strengen Geruch in der Luft, die man kurzfristig bewegt hat. Denn das ist das Wesen von PR & Marketing: der Superlativ wird zum Imperativ. Wenn man aber solchermaßen die Erwartungen so hoch steckt, dass sie durch das eigentliche, oft herzlich banale Produkt nur enttäuscht werden können, vernichtet man das eingesetzte Werbebudget doppelt und dreifach.

Ich war also gespannt, als das renommierte Unternehmen Bose dieser Tage zu einer Produktpräsentation in München bat. „Zwei Möglichkeiten für Musikgenuß wie noch nie zuvor“ waren angekündigt. Mehr wollte man vorab partout nicht verraten. Nun hassen Journalisten nichts mehr, als ihre Zeit ohne News-Wert zu verplempern.

Andererseits hat sich Bose über die Jahrzehnte einen Namen als innovativer, agiler, im Markt sehr aggressiv agierender Hersteller von Audio-Produkten gemacht. Die tatsächlich beeindruckende „Noise Cancelling“-Technologie geht auf den Firmengründer Amar G. Bose zurück. Anno 1986 führte man das erste Headset vor, das eine wirksame Lärmreduktion in Pilotenkanzeln und Wohnzimmern ermöglichte. Seither hat man mit den „QuietComfort“ genannten Kopfhörern ein Patzengeschäft gemacht. Was natürlich die Konkurrenz nicht ruhig schlafen ließ.

Der „Soundlink Mini Bluetooth Lautsprecher“, der der staunenden Schreiberschar am Mittwoch in München präsentiert wurde, darf somit in diesem Kontext im Schnelldurchlauf abgehakt werden. Wiewohl er ein respektables Produkt ist – allein, das hat man so oder ähnlich schon anderswo gesehen.

Wirklich spektakulär war aber die Vorführung der neuen „QuietComfort 20“-In Ear-Headphones. Die kleinen Dinger, die man direkt in die Gehörgänge steckt, blenden die Umwelt nach Bedarf akustisch ein oder aus. Und zwar komplett. Wer Musik hört, hört sonst nichts mehr. Er/sie muß aber auch nicht die 44 Gramm leichten Ohrstöpsel rausziehen, wenn plötzlich der Briefträger vor der Tür steht oder ein geschwätziger Sendbote Jehovas. Der sogenannte „Aufmerksamkeitsmodus“ erlaubt auf Knopfdruck die akustische Interaktion mit der Umwelt. Er empfiehlt sich auch, wenn man z.B. auf dem Fahrrad durch die Stadt fährt und die Strassenbahn nicht überhören will.

Well done, Bose! Wenn im nächsten revolutionären Entwicklungsschritt noch die Kopfhörer-Kabel verschwinden, gibt’s die Enthusiasmus-Goldmedaille.

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3 Antworten to “Im Aufmerksamkeitsmodus”

  1. Peter Haas Says:

    Ein Metakommentar meinerseits: Es empfiehlt sich externe Links in einem neuen Fenster zu öffnen, man findet sonst manchmal schwer wieder zum ausgezeichnet geschriebenen Artikel zurück.


  2. […] Großbritannien (mit Fernbedienung und Mikrofon) über superbe Noise-Cancelling-Modelle von Bose (Quietcomfort 20i) und Sennheiser (MM 550-X Travel) bis hin zu Bügelexemplaren für dem Heimgebrauch von […]


  3. […] wenige. Letztere Eigenschaft, also die Unterdrückung des Umgebungslärms, ist eine langjährige Domäne des US-Herstellers Bose. Kein Wunder also, dass das Spitzenmodell – hier wäre es eigentlich […]


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