Goldene Schallplatte

15. Juni 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (215) Austropop für Ausserirdische? Manche “Golden Records” sind jedenfalls rare Sammlerstücke.

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In den letzten Wochen und Monaten – im Zug der Recherchen für ein ausuferndes Buchprojekt – hatte ich viel mit Plattensammlern zu tun. Das ist eine eigene Spezies. Mit eigenen Spielregeln: je seltener eine Schallplatte, desto wertvoller. Im Idealfall ist sie auch noch „originalverschweißt“, also nicht einmal ausgepackt und keinmal gehört worden. Was in die Rillen des Vinyl-Tonträgers an Audio-Informationen gepresst wurde, ist egal. Naja: nicht ganz. Aber fast.

So kommt es, dass auch grauenhafter Prog-Rock der siebziger Jahre oder Störgeräusche aus dem Elektronik-Underground äusserst wertvoll und gefragt sein können. Oder eine Probepressung der herrlich bescheuerten Weltraum- & Liebeshymne „Codo“ von DÖF (die es, wie Insider wissen, auch in einer jiddischen Version zu hören gab.)

Ich bin geneigt, die Renaissance von Vinyl ganz allgemein als Gegen-Trend zur Entmaterialisierung von Musik zu betrachten. Eine ebenso wunderliche wie sympathische Zeiterscheinung. Und keinesfalls nur ein Hobby für schmerbäuchige alte Männer und abgeklärte HiFi-Nostalgiker. Pro-Ject z.B., der umsatzstärkste Hersteller von Plattenspielern (und auch sonst auf Welteroberungs-Kurs), bringt gerade mit dem „Elemental“ ein Modell auf den Markt, das frisches Design mit einem wirklichen Low End-Preis kombiniert.

Das Ding gibt es übrigens auch mit USB-Anschluß, falls man die analogen Töne in den Computer transferieren will. Eindeutig ein Signal an die jüngere Generation – die mittlerweile auf die CD gern verzichtet und im Plattenschrank der Eltern nach Hörfutter kramt. Oder zwischen den trostlosen Regalmetern von MediaMarkt, Saturn & Co. zielgerichtet die Vinyl-Abteilung ansteuert.

Was ist aber nun die seltenste – und damit in Sammler-Kreisen potentiell wertvollste – Platte aller Zeiten? Gar mit Österreich-Bezug? Ich hab’ da lange drüber nachgedacht. Bis ich auf einen Artikel über die Raumsonde Pioneer 10 stiess. Man hat das letzte Mal vor über zehn Jahren von ihr gehört, aus einer Entfernung von zwölf Milliarden Kilometern. Traurig, irgendwie.

So surfte ich sentimental-traumverloren im Cyberspace – und landete bei den etwas später gestarteten Sonden der Voyager-Klasse. Auch sie führen Botschaften an ausserirdische Intelligenzen mit sich. Auf einer goldenen Datenplatte mit einer geschätzten Lebensdauer von 500 Millionen (!) Jahren. Darunter Musik von Bach, Beethoven, Mozart und Chuck Berry. Und eine kurz Ansprache des UN-Generalsekretärs und späteren österreichischen Bundespräsidenten Kurt Waldheim. Die „Golden Records“ sind mithin interessante Artefakte, eventuell sogar ein Riesenhit auf Aldebaran oder Alpha Centauri – aber leider ziemlich unerreichbar.

Würde mich trotzdem nicht wundern, wenn ein Spezi aus der Austro-Hardcore-Sammler-Szene – etwa Gerhard Stöger – eine Kopie davon im Panzerschrank hat.

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Eine Antwort to “Goldene Schallplatte”


  1. By the way: Eben dieses ultranerdige Sammelns um des Sammelns willen, war und ist meine Sache nie gewesen. „Originalverschweißt“ und „nie gespielt“, „nie gehört“ (was ja bei manchen Sammlerobjekten vielleicht eh besser sein mag…) – Grundgütiger! Musik ist mir Lebens- bzw. Besserlebensmittel, keine seltene Briefmarke. Musik gehört gehört!


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