Öl ins Feuer

13. Oktober 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (232) Angst vor einem Batterienbrand in einem Elektrofahrzeug? Tesla sagt: vergessen Sie’s!

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Dass sich mehr als drei Millionen Schaulustige auf YouTube ein – noch dazu relativ unspektakuläres – Video eines brennenden Fahrzeugs an einer einsamen Strassenkreuzung reinziehen, kommt auch nicht alle Tage vor. Jedes Jahr gehen allein 180.000 Autos in den USA aus unterschiedlichsten Gründen in Flammen auf. Bis auf die Besitzer dieser Vehikel, ihre Versicherungsagenten und die Einsatzkräfte der örtlichen Feuerwehr lässt das die Menschheit eher kalt. Dass aber solch ein Vorkommnis, das für den Fahrer gottseidank glimpflich verlaufen ist, den Hersteller des Fahrzeugs an der Börse in Kalamitäten bringt, darf dann doch als aussergewöhnliche Entwicklung gewertet werden. Ausser der Hersteller heisst Tesla. Und die verkohlte Maschine ist ein Elektro-Sport-Bolide vom Typ Tesla S.

Irgendein Metalltrumm, das auf der Fahrbahn herumlag, hat unlängst den Fahrzeugboden einer dieser flotten Karren durchschlagen und ein paar der unzähligen, flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Akkuzellen erwischt. Die Feuerwehr, ungeübt im Umgang mit Elektroautos, verschlimmerte mit ihren Löschversuchen zunächst die Malaise eher als sie rasch zu beenden. Und noch rasanter, sprichwörtlich wie ein Lauffeuer, verbreiteten sich Augenzeugenberichte im Netz – „Oh, that’s a Tesla, dude!“ Am nächsten Tag rasselte die Aktie bis zu 13 Prozent ins Minus, macht unterm Strich rund drei Milliarden Dollar Kursverlust wegen einer ausgebrannten Limousine mit einem Listenpreis von knapp 70.000 Dollar.

Dabei hatte ausgerechnet dieses Modell erst im August dieses Jahres die Bestnote beim Sicherheitstest der National Highway Traffic Safety Administation erhalten. Treppenwitz: auf die Nachfrage, ob nun dieser – prototypische? – Fall von der Behörde genauer untersucht werde, erhielt die „New York Times“ keine Antwort. Die US-Behörde ist, wie unzählige andere Einrichtungen und Ämter, wegen des akuten Haushaltsnotstands der Vereinigten Staaten geschlossen.

Die Prognose, dass sich dagegen der Aktienkurs des innovativen Herstellers Tesla rasch erholen wird, ist teilweise schon eingetroffen. Weniger gut geht es im Kontrast dazu vielen Autofabriken rund um den Globus, die ungebremst auf altvatterische, benzinfressende Verbrennungsmotoren setzen. Hersteller und Händler liefern sich gerade jetzt im Herbst Dumping-Preisschlachten wie selten zuvor. Wann kommt eigentlich – Öl ins Feuer! – das erste Fahrzeug auf den Markt, das man für eine Unterschrift unter einen langjährigen Wartungsvertrag „geschenkt“ bekommt? Muß ja kein Tesla S sein. Obwohl sich ausgerechnet der in Norwegen inzwischen besser verkauft als ein VW Golf.

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2 Antworten to “Öl ins Feuer”


  1. […] einen mehrwöchigen Test zu machen, zumal mich die zukunftsträchtige (?) Sparte e-Mobil wirklich elektrifiziert. Das erste, was ich gelernt habe, ist: man kauft heute kein Auto mehr – man investiert in ein […]


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