Turned On

3. November 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (235) Internetradio? Digital Audio Broadcasting? Gar DAB+? Ach was: Ö1 klingt erst “juju inspired” wirklich ewig frisch.

Radiorecorder

Man kann es mit Forrest Gump halten: „Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen, man weiß nie, was man bekommt.“ Man könnte auch Albert Einstein zitieren: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Um unterm Schlußstrich bei Wilhelm von Humboldt hängen zu bleiben, dem alten preussischen Staatsfritzen und Sprachwissenschaftler: „Im Grunde sind es doch die Verbindungen mit Menschen, die dem Leben seinen Wert geben.“

Menschen, wohlgemerkt, nicht Dinge. Dennoch: mit mehr als fünfzig Lebensjahren auf dem Buckel darf ich wohl die profunde Erkenntnis hintanfügen, dass auch vermeintlich tote Gegenstände zur höchstpersönlichen Lebendigkeit einiges beizutragen vermögen. Sofern in ihnen Witz und Wert stecken. Oder gar soetwas wie eine Seele. Auf der Suche nach solch einem „object of desire“, gedacht als Geburtstagsgeschenk – Sie erinnern sich – für einen guten Freund, stolperte ich unlängst in eine verborgene Werkstatt in der Fillgradergasse 11 in Wien-Mariahilf. Sie entpuppte sich rasch als Zauberkästchen. Betreiber Alex Riegler ist „juju inspired“, so Name und Motto dieser „Vintage Upcycling Manufactory“ (hier zu finden).

Alte Materialien treffen hier auf neue Kulturtechniken. Konkret bedeutet das, dass der gelernte Lichtdesigner allerlei antiquarischem Krempel zeitgemässe Funktionalität einhaucht. Und es gleichzeitig zum Kunstwerk veredelt. Alte Röhrenradios etwa: plötzlich können die per W-LAN oder Bluetooth mit iPads und Smartphones kommunizieren. Ihre frisch polierten Holz- und Bakelitgehäuse bekommen modische Stoffe appliziert, neue Lautsprecher eingesetzt und dürfen nach Lust & Laune mit Nachtlicht, USB-Anschluss und Weckfunktion auftrumpfen.

Das klingt profaner als es ist: im Idealfall haben Sie, sollten Sie sich zum Erwerb eines solchen „Art Retro Radios“ entschliessen, ein Einzelstück im Wohnzimmer stehen, das mit einem „magischen Auge“ und glühender UKW-Skala jeden Kenner verzückt. Und dennoch alles andere als ein unnützer Staubfänger ist.

Das Beste aber ist – das Leben ist ja ein Prozess, kein Handelsobjekt –, dass Sie ihr eigenes Uralt-Radio vorbeibringen und aufmöbeln lassen können. Und eventuell sogar selbst Hand anlegen dürfen. Ob Freund W., längst Ö1-Urgestein, noch sein erstes Empfangsgerät (einen prächtigen ITT Telefunken-Cassettenrecorder mit Radio Luxemburg-Fixtaste) zuhaus im Schrank stehen hat?

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