Hausfrauen-Aufstand

8. November 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (236) Europas Hausfrauen wattstarke Staubsauger wegnehmen zu wollen, kann auch nur einem Mann einfallen. Oder?

Maschin

Wenn Männer ihre Liebe zu Maschinen besingen, hat das oft etwas unfreiwillig Komisches. Sieht man mal von der teutonisch präzisen Ironie von Kraftwerk („Wir sind die Roboter“) ab, neigt die Spezies mit dem Y-Chromosom dazu, chromblitzende Motorräder und PS-Boliden, archaische Waffen und Instrumente und den Blut-Schweiß-und-Tränen-Faktor ihres Werkzeugschuppens zu verklären. Und das eher grobschlächtig, um nicht zu sagen: plump. Insbesondere, wenn Männerhorden auf der Bühne Elektrogitarren malträtieren.

Man könnte den besten Popsong des Jahres – er heisst „Maschin“ (sic!) und kommt, aber hallo!, aus Österreich – auch leichtfertig in diese Kategorie stecken. Schauen Sie mal auf YouTube (denn im ORF-Fernsehen werden Sie’s leider nicht zu sehen bekommen): eine Band mit dem seltsamen Namen Bilderbuch lässt da einen knallgelben Supersportwagen – einen Lamborghini Countach, wenn ich nicht irre* – auffahren. Und präsentiert ihn, nicht ohne Aberwitz, als Objekt, als Fetisch, als Pop Art-Symbol schlechthin. Der geilste Moment ist der Gitarren-Kolbenreiber á la Radioheads „Creep“ im Refrain. Und generell das offensive 70er-Jahre-Retro-Feeling, das sich durch die Bilderbuchbilder zieht. Hätte der „Maschinenraum“ einen Soundtrack oder gar eine Hymne: das wär’s. Audiovisuelles Testosteron.

Aber gefällt derlei auch der anderen Hälfte der Menschheit? Jener, bei der der Faktor „emotionale Intelligenz“ angeblich – nicht doch: sicher! – stärker ausgeprägt ist als in der maskulinen Abteilung? Gute Frage. Nächste Frage. Denn die Mensch-Maschine-Beziehung wird in diesem Fall ja klischeehaft dem Küchen-, Kinderzimmer-, Garten- und Wellness-Bereich zugeordnet, und das weitgehend exklusiv. Die Wilde auf ihrer Maschin’ gilt immer noch als Ausnahmeerscheinung.

Bald aber wird, wage ich als eher unsensibler Macho zu behaupten, ein Phänomen auftauchen, das man ansatzweise schon in sozialen Medien oder öffentlichen Räumen wahrzunehmen beginnt: die wütende Hausfrau. Und sie wird schlimmer wüten als jede Rockerbande, und sei es eine Armada der Hells Angels. Irgendjemand in irgendeiner Brüsseler EU-Amtsstube hat beschlossen – und ich wage zu vermuten, es war ebenfalls ein höchst unsensibler Macho (oder gar eine graue Bürokraten-Krawattenmaus) -, bis 2020 wattstarke Staubsauger zu verbieten. Unter dem Banner von Klimaschutzzielen will man schon ab 2014 den Verkauf von Geräten mit einer Saugleistung von mehr als 1600 Watt untersagen, drei Jahre später soll die Leistungsgrenze per Verordnung gar auf schwächliche 900 Watt sinken.

Dann aber haben wir einen Aufstand der Hardcore-Profi-Hausfrauen (das können durchaus auch Männer oder geschlechtsneutrale Transgender-Wesen sein). Und da überlebt, read my lips!, die Europäische Union eher noch die nächste Bankenkrise.

(*) Anm.: Ich irre. Die „Maschin“ ist ein Lamborghini Diablo SE 30.

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