Buchhaltung

1. Dezember 2013

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (239) Es mag immer noch gute Gründe geben, auf Ebooks zu verzichten. Besonders im Urlaub wiegen sie dann richtig schwer.

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Ich bin gerade auf Urlaub. Und einmal mehr ärgere ich mich darüber, dass der schwerste Teil des Gepäcks aus Büchern und Zeitschriften besteht. Sie machen einen halben Koffer voll, den ich quer durch Vietnam schleppe, von Ho-Chi-Minh-Stadt bis Hanoi und wieder zurück. Ja, ich mag Papier (wie ich an dieser Stelle schon mehrfach festgehalten habe). Aber ich schaue auch neugierig und ein wenig eifersüchtig über den Bücherrand, wenn sich am Hotelpool neben mir jemand mit einem Ebook-Reader auf die Liege fläzt.

Die Leute wirken ja nicht gerade unglücklich mit ihren taschenbuchgrossen Geräten, auf die sie leidlich entspannt starren. Im Gegenteil: gelegentlich scheint mir, sie werfen ihrem altmodischen Nachbarn leicht amüsierte Blicke zu, die mit jedem Augenaufschlag eine unterschwellige Aufforderung kommunizieren: trau’ Dich doch, es tut gar nicht weh!

Tatsächlich habe ich mich vor dem Abflug noch einen halben Tag lang in Wien herumgetrieben, weil ich ahnte, dass es so kommen würde. Und weil ich ernsthaft vorhatte, den Urlaub für einen Praxis-Test in Sachen Ebooks zu nutzen. Natürlich war das Rumlaufen schon ein Fehler: man recherchiert heute nicht mehr, welches das individuell beste Gerät ist, indem man die Begegnungszone MaHü der Länge und Breite nach durchmisst.

Jedenfalls konnte (oder wollte) man mir z.B. in der Buchhandelskette Thalia kein Exemplar des hochgelobten, aber nicht unumstrittenen Kindle Paperwhite zeigen, sondern nur die Hausmarke Tolino. Beim PC-Diskonter ein Stockwerk tiefer – ein Fremdkörper in einem Kulturkaufhaus, wenn Sie mich fragen – hat man zwar alle möglichen Tablets und überdimensionalen Smartphones, aber in Sachen Ebook-Reader seltsamerweise fast nichts im Angebot (außer Schutzhüllen für ein Gerät von Sony). Und wenn man dann alle Elektronikmärkte zwischen Westbahnhof und Zweierlinie abklappert, ist man auch kaum schlauer.

Was nervt, ist vor allem der Hinweis, man möge doch auf die Kompatibilität mit bestimmten Lieferanten und Textformaten achten. Weil da die Hardware-Hersteller und Verlage gern ihr eigenes Süppchen kochen.

Ja, kruzitürken!, meine Bücher sind alle zu 100 Prozent kompatibel mit meinen Sehorganen und Gehirnwindungen, ausser ich erwische vielleicht mal irrtümlich eine vietnamesische Ausgabe des neuen Romans von Thomas Glavinic. Aber ich ahne, dass sich diese trotzige Ausrede, letztlich doch ohne Ebook-Reader in den Urlaub abzurauschen und mit Tonnen von Papier um den halben Erdball zu fliegen, auf Dauer nicht wird halten lassen.

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2 Antworten to “Buchhaltung”

  1. CEEA Says:

    Sehr sehr guter Artikel.
    Mir gehts da ähnlich.
    Hab selber keinen, aber immer wieder die Chance, auf einen zuzugreifen können.
    Und in letzter Zeit fallen mir immer mehr Bücher auf, die es auch schon als eBook gibt und das ist praktisch.

    Begrüße die Idee sehr, wenn man sich ein Buch in gedruckter Form kauft, dass es auch das eBook dazu gibt. z.B. mittels QR-Code im Buch oder so.
    Denn derzeit zahlt der Kunde für ein eBook fast den gleichen Preis wie in gedruckter Form und das kann nicht passen.
    Da gehört definitiv die Buchpreisbindung überdacht.

    Welches Gerät es letztendlich wird, muss sowieso jeder selber entscheiden.
    Kleiner Tipp: Mittels Calibre ist die Verwaltung richtig praktisch. Egal obs ein Kindle oder anderes Gerät ist. ;)


  2. […] das? Weil der Internet-Gigant Amazon ein Flatrate-Angebot für sein Literatur-Lesegerät Kindle eingeführt hat. Für 9,99 Euro im Monat hat man nach dem “All You Can Eat”-Prinzip […]


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