Best of Böse

6. Januar 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (244) Was sagt es uns, dass “NSA” das Unwort des Jahres 2013 war? Und welche Schlüsse ziehen wir daraus?

nsa

Ich erkläre „Unwort“ zum Unwort des Jahres 2014. Denn, unter uns, all die Bestenlisten, Exit-Polls, retrospektiven Belustigungen und wichtigtuerischen Jahresrückblicke alle zwölf Monate nerven. Und zwar gewaltig. Es ist das Geschäft der Medien, das Aufkochen kalten Kaffees mit einer Konzentration auf das Gute, Wahre, Schöne gleichzusetzen. Oder gar einer Verdichtung des Wesentlichen. Mon dieu! Zumeist will man sich eher der eigenen Bedeutung versichern als sich ausgerechnet an der Aufklärung der Menschheit abarbeiten.

Um nicht gar zu griesgrämig zu klingen: die häppchenweise Darreichung von Momenten der Besinnung und Nachbetrachtung und mehr oder minder soliden Meinungs-Bits & -Bytes hat schon ihre Berechtigung. Sonst gäbe es auch diese Kolumne nicht. Aber lustige Listen wie z.B. „Die 100 besten Küchengeräte des Jahres 2013“ – Sie finden derlei andernorts – mögen nicht mit Journalismus verwechselt werden. Auch nicht ihre antagonistischen Negativ-Entsprechungen. Ich würde Siegerstockerl-Rangeleien dieser Art dem Marketing zuordnen. Oder gleich strikt dem Entertainment-Business.

Es gilt, die Bedenken mit Beispielen zu untermauern. Wohlan: die hoch geschätzten Kollegen der „Futurezone“ – vormals beim ORF beheimatet, seit einiger Zeit ohne Qualitätsverlust beim „Kurier“ – haben ihre Leser das „Technologie-Unwort des Jahres 2013“ bestimmen lassen. Die Wahl fiel auf „NSA“. Dahinter folgten „Selfie“ (damit ist eitle Selbst-Fotografierei samt anschliessender Exhibition in sozialen Medien gemeint) und „Phablet“ (ein Zwitter aus Smartphone und Tablet Computer; nebstbei: ein Wort, das ich noch nie jemanden verwenden gehört habe). Abgeschlagen rangierten in diesen Best of Böse (Copyright: „Falter“)-Charts Begriffe wie „Bitcoin“, „Leistungsschutzrecht“ oder „Big Data“. Im Jahr davor hatte „Festplattenabgabe“ mit weitem Abstand die Negativ-Trophäe gewonnen.

Lustig ist das nicht. Vielleicht populär, vielleicht auch nur populistisch. Aus meinem Blickwinkel eher hirnrissig. Denn ich halte die legére Einordnung immenser und höchst komplexer Problemfelder in launige Jahreslisten für einen unwillkommenen Beitrag zur Verharmlosung, Verdrängung und Verniedlichung. Herr Klug findets vielleicht unklug (wahrscheinlich aus purer politischer Bequemlichkeit), die NSA lacht sich mit Garantie einen Ast ab über Multiple Choice-Protestgehabe dieser Denk- und Bauart. Sie inkludiert den fatalen psychologischen Nebeneffekt, „das hätten wir nun auch hinter uns gebracht“.

Lautet das Unwort des Jahres 2015 perspektivisch „Totalitarismus“? „Drohnenkrieg“? „Meinungsterrorist“? Oh, pardon, ich wollte Ihnen keineswegs den Spass an der kindlichen Freud’ verderben.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: