Zauberkasten

9. Februar 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (249) Schicke Oberflächlichkeit ist Trumpf in der heutigen Medienwelt – eine fatale Entwicklung.

Dampfmaschine

Da diese Kolumne, wenn ich den Zählerstand richtig ablese, die zweihunderneunundvierzigste in einer langen Reihe von „Maschinenraum“-Kolumnen ist und demnächst also soetwas wie ein rundes Jubiläum dräut, drängt es mich, meinen Gedanken freien Lauf zu lassen. Zumal jenes Gerät, das ich seit Wochen der werten Leserschar vorführen und anpreisen möchte, nicht und nicht daher kommt. Aber so ist das nun mal im ewigen Spannungsfeld zwischen Erwartung und Realität, in dem Marketing, PR und Berichterstattung fröhlich Ping-Pong spielen.

Also machen wir mal die alltägliche Arbeit selbst zum Thema. Denn es ist Arbeit, wenn man die Sache ernst nimmt. Ich bewundere Kollegen (leider sind Frauen in diesem Metier immer noch seltene Ausnahmen), die sich wirklich Zeit und Muße nehmen, Dinge genauer unter die Lupe zu nehmen. Und die auch die entsprechende Sachkenntnis und Seriosität mitbringen, um nicht nur an der schicken Oberfläche dieser und jener Gadgets, Entwicklungen und Novitäten zu kratzen (wie leider der Schreiber dieser Zeilen allzuoft auch). Ob das nun ein Redakteur bei ORF.ON ist, der der Fotografie zugeneigt ist und neue Kameras auf Herz und Nieren testet, die Crew der „Spielzeug“-Warte in der „Presse am Sonntag“ oder ein Reporter, der den Chef des Dampfreiniger-Weltmarktführers interviewt und nebenher dessen Gerätepark plastisch vorführt. Good job.

„Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“ Dieses Axiom des Science Fiction-Autors Arthur C. Clarke ist ja das Leitmotiv jedes technikbegeisterten Journalisten. Die bisweilen kindliche Faszination an den magischen Objekten weiterzugeben ist nicht verwerflich, sofern nicht auch der fundierte Versuch einer Entzauberung erfolgt. Nicht wenige Hersteller haben ja kaum mehr drauf als billige Taschenspielertricks und noch billigere Fertigungsstrassen in China.

Und leider, das soll an dieser Stelle nicht verschwiegen werden, leben auch Medienunternehmen, Zeitungshäuser, Herausgeber und Chefredakteure nicht selten von prekärem Hobbyisten-Enthusiasmus und einem lässlichen Umgang mit komplexer Materie. Technikjournalismus läuft über weite Strecken unter denselben zauberhaft halbseidenen Rahmenbedingungen und Prämissen wie Lifestyle-, Society- oder Popkulturberichterstattung. Copy/Paste rules OK?

Immerhin: meine heutige kleine Beschwerde – in der Online-Welt würde man sie „rant“ nennen, also: spontanes emotionales Gemecker – ist garantiert nicht von einem PR-Waschzettel abgeschrieben.

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