Testphase, eins.

2. März 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (252) Wie futuristisch ist es anno 2014, ein Elektro-Auto zu fahren? Der Auftakt zu einem Langzeit-Test.

Opel Ampera

„Die Dichtung muß aufgefasst werden als ein heftiger Angriff auf die unbekannten Kräfte, um sie zu zwingen, sich vor den Menschen zu beugen.“ (Filippo T. Marinetti, „Futuristisches Manifest“, 1909)

Die Betriebsanleitung hat 216 Seiten. Daran, dass man nach dem Einstieg keinen Zündschlüssel mehr drehen muss (sondern eine blau illuminierte Starttaste drücken), gewöhnt man sich rasch. Ebenso an das leise Surren des Elektromotors, der auch bei Beschleunigung – und, wow!, das Fahrzeug sieht nicht nur aus wie ein „Fast & Furious“-Renner, sondern beschleunigt auch so – kaum mehr Laute von sich gibt.

Was doch etwas übertrieben wirkt, ist die Cockpit-Landschaft, die auf zwei 7-Zoll-Displays Informationen sonder Zahl liefert. Hier stehen aber nicht mehr Geschwindigkeit und Drehzahl im Mittelpunkt, sondern Batterieladung, Reichweite, Kraftfluss und Fahreffizienz. Opel selbst nennt diese Hightech-Kommandozentrale „futuristisch“. Sie merken: eines der üblichen Brot-und-Butter-Automodelle ist hier nicht im Spiel.

Tatsächlich hat man mir einen Opel Ampera zur Verfügung gestellt. Das Schwestermodell in den USA heisst Chevrolet Volt. Nomen est omen: das Fahrzeug nutzt Elektrizität als Antriebsquelle – hat aber zusätzlich einen Benzinmotor eingebaut, um im Bedarfsfall die Batterie mit bordeigenen Mitteln aufladen zu können. Kein ganz neues Konzept: der Ampera ist seit 2011 auf dem Markt.

Der Hersteller hat also einige Erfahrungen gesammelt – und meint, die vollmundige Werbeansage, man müsse bei diesem Fahrzeugtyp „keinerlei Einschränkungen in Bezug auf Reichweite und Alltagstauglichkeit hinnehmen“, mit Fakten untermauern zu können. Aber spielt auch die Infrastruktur mit? Wo und wie kann man Strom tanken? Wieviel Benzin lässt sich im Durchschnitt sparen? Wann rechnet sich ein solches Vehikel (das ja immer noch deutlich teurer ist als ein vergleichbarer Opel mit herkömmlichem Verbrennungsmotor)?

Fragen über Fragen. Gesucht sind Antworten. Sie sind es, die mich reizen, mit dem Ampera einen mehrwöchigen Test zu machen, zumal mich die zukunftsträchtige (?) Sparte e-Mobil wirklich elektrifiziert. Das erste, was ich gelernt habe, ist: man kauft heute kein Auto mehr – man investiert in ein individuelles Mobilitätskonzept. Die Steckdose in der eigenen Garage ist ein Fixpunkt in all diesen Überlegungen (apropos: viele Garagen in Österreich haben traditionellerweise keine Steckdosen), aber natürlich nur die halbe Miete.

Man sieht sich erstmals im Leben mit Firmennamen wie Smatrics oder Electrodrive Europe konfrontiert, die von der persönlichen Ladestation bis zum per Smartphone-App aufrufbaren Starkstrom-Stützpunktnetz essentielle Dienstleistungen bieten. Opel kooperiert sehr intensiv mit diesen Start-Up-Unternehmen (hinter denen grosse Energie- und Technikkonzerne stehen). Die erste Elektro-Tankladung habe ich dennoch – semifuturistisch – am Parkplatz des Supermarkts um die Ecke stibitzt.

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2 Antworten to “Testphase, eins.”


  1. […] Sorge: mein vor einigen Monaten verkündeter Langzeittest in Sachen Elektromobilität ist längst nicht abgeschlossen. Demnächst geht wieder ein Schwung […]


  2. […] teste – kleines Privileg der schreibenden Zunft – den Wagen gerade. Wie fährt sich ein Ampera? […]


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