Im Berg-Modus

16. März 2014

MASCHINENRAUM. Die Kolumne in der „Presse am Sonntag” (254) Wie futuristisch ist es anno 2014, ein Elektro-Auto zu fahren? Ein Selbstversuch, Teil zwei.

Opel-Ampera

Vielleicht liegt’s ja in der Familie. Mein Vater fuhr Opel. Zumindest zeitweise. Einen Rekord, wenn ich mich recht erinnere – eine barocke Konstruktion der späten fünfziger Jahre, die er stolz in die Siebziger überführte, bevor er, reichlich skurril, auf einen Moskwitsch umstieg. Ich fahre Opel. Einen mittlerweile ziemlich verbeulten Zafira, wenn Sie’s genau wissen wollen. Und auch mein Sohnemann, der gerade den Führerschein macht, könnte einst Opel fahren. Vielleicht einen Ampera, das zukunftsweisendste – weil auf Elektrizität setzende – Modell der deutsch-amerikanischen Automarke?

Ich teste – kleines Privileg der schreibenden Zunft – den Wagen gerade. Wie fährt sich ein Ampera? Antwort: höchst geschmeidig. Aber man kommt nicht immer dort an, wo man eigentlich hin will. So landete ich am vergangenen Wochenende in Weißenbach an der Enns. Eigentlich wollte ich aber nach Weißenbach bei Schladming, um dort im Skigebiet Hauser Kaibling die Pisten unsicher zu machen. Die Orte liegen dann doch ein paar Kilometer entfernt (und dazwischen liegt, um die Verwirrung komplett zu machen, Weißenbach bei Liezen.)

Was soll ich sagen: das On Board-Navigationssystem des Ampera ist zu komplex und ich in der Bedienung zu ungeübt, um nicht schnurstracks in die Falle zu laufen. Das kann mein Uralt-Navi im Zafira, das Karten nicht mal färbig anzeigt, besser. Ich solle doch mal eine Kolumne über den Features-Overkill in modernen Kraftfahrzeugen schreiben, raunte mir Skifreund Thomas W. umgehend ins Ohr.

Aber die Sache hatte auch ihr Gutes. Erstens habe ich so, wenn auch unfreiwillig, die halbe Steiermark erkundet – bei Frühlingswetter eine höchst reizvolle Tour. Und zweitens konnte ich ungeniert den „Berg-Modus“ des Ampera ausprobieren. Den sollte man, so die Bedienungsanleitung, generell zuschalten, wenn es steil bergauf oder länger durch hügeliges oder gar gebirgiges Gelände geht. In diesem Modus wird die Hochspannungsbatterie geladen und kooperiert quasi aktiv mit dem Benzinmotor (der ja eigentlich nur als Range Extender gedacht ist) – was zwar die Reichweite verringert, aber den Durchzug erhöht. Bei extremen Steigungen sollte dieser spezielle Modus gar schon 20 Minuten vor dem ersten Hügelchen aktiviert werden. Okay, aber da müssten sie noch eine Extra-Warnanzeige einbauen.

Wer will schon mit einem hochmodernen Hybrid-Fahrzeug ausgerechnet vom Bergbauern mit seinem Traktor überholt werden? Den Sport-Modus habe ich mir bislang sowieso verkniffen.

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Eine Antwort to “Im Berg-Modus”


  1. […] ein Langzeittest, wenn man länger als ein paar Stunden mit dem Testfahrzeug in der Gegend herumgurkt. Quod erat demonstrandum: der Opel Ampera, den ich im Februar das erste Mal bestiegen habe, ist […]


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